19.03.2022 21:39

Vom kleinen Backwarenhandel zum Handelsimperium: Die Konzerngeschichte von ALDI

Der Aufstieg ALDIs: Vom kleinen Backwarenhandel zum Handelsimperium: Die Konzerngeschichte von ALDI | Nachricht | finanzen.net
Der Aufstieg ALDIs
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Im Jahr 2013 feierte ALDI die sogenannte "100-jährige Kaufmannstradition" - eine andere Formulierung für das 100-jährige Firmenjubiläum. Doch im Laufe der Zeit hat sich das Bild des einst so kleinen "Handels mit Backwaren", mit dem alles anfing, sehr stark gewandelt. Heute steht an dessen Stelle ein weltweit agierender Konzern mit fast 200.000 Mitarbeitern.
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• Aufteilung in ALDI SÜD und ALDI Nord
• Initiatoren des Discount-Prinzips
• Karl Allbrecht als reichster Deutscher

ALDI stand lange für günstige Eigenmarken, in der Regel wochenweise wechselnde Aktionsangebote und ein schlankes Sortiment. Das Prinzip "Qualität ganz oben - Preis ganz unten" hat ALDI außerhalb Deutschlands in 15 weiteren europäischen Ländern und auf drei weiteren Kontinenten bekannt gemacht. Doch wie gelang dem Unternehmen dieser Aufstieg?

Wie alles begann

Die Geschichte nahm am 10. April 1913 ihren Lauf, als der Vater der beiden späteren Erfolgsgaranten Karl und Theo Albrecht in Essen-Schonnebeck den "Handel mit Backwaren" eröffnete. Die Mutter startete im Folgejahr mit einem Lebensmittelladen. Die beiden Brüder Karl und Theo Albrecht übernahmen 1945 den Familienbetrieb. Das Konzept bestand laut der "TZ" aus einem Lebensmittelgeschäft im Stile eines Tante-Emma-Ladens mit einem ausgewählten Sortiment und guter Warenqualität zu niedrigen Preisen sowie dabei lediglich geringen Kosten. Dies ging auf, denn nach zehn Jahren gab es laut eigener Aussage schon 100 Filialen in Nordrhein-Westfalen.

Das Discount-Prinzip von ALDI

Im Jahr 1961 teilten die Brüder das Filialnetz unter sich auf. Karl Albrecht konzentrierte sich von nun an auf den südlichen Teil Deutschlands, Theo Albrecht auf den nördlichen Teil - die Geburt von ALDI Süd und ALDI Nord. Der sogenannte "ALDI-Äquator", der quer durch Hessen und Nordrhein-Westfalen verläuft, trennt das Filialnetz des Konzerns. Zum Zeitpunkt der Aufteilung zählten die Gebrüder bereits über 300 Filialen.

Ein Jahr später folgte die allererste ALDI (AL-brecht DI-scount)-Filiale nach dem sogenannten Discount-Prinzip. Statt einer Bedientheke setzte man laut eigener Aussage von nun an auf einen schlicht eingerichteten Verkaufsraum mit einer geringen Anzahl an Grundnahrungsmitteln, die direkt aus Kartons auf Paletten per Selbstbedienung zu Tiefstpreisen angeboten wurden. Das gesamte Filialnetz wurde an dieses Format angepasst.

Die Entführung Theo Albrechts

Rund ein Jahrzehnt später sah sich der Konzern sowie die Familie Albrecht einer bedrohlichen Herausforderung ausgesetzt. Am 29. November 1971 ereignete sich die Entführung des ALDI-Nord-Oberhauptes Theo Albrecht, die 17 Tage lang andauern sollte. Nachdem der Lösegeldforderung der Entführer in Höhe von sieben Millionen Mark nachgegangen wurde, wurde er freigelassen. 1973 konnten die Täter gefasst werden. Beide wurden zu je achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Im Anschluss daran zogen sich die beiden Brüder komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Der Grund, weshalb bis heute kaum Bilder der beiden existieren.

Weiterentwicklung des Warenkonzepts

Das eingeführte minimalistische Warenkonzept funktionierte und brachte ALDI in dieser Zeit große Erfolge ein. Doch die von ALDI eingeführte Grundidee des Discounters fand in verschiedenen Unternehmen Nachahmer, wie etwa von Dieter Schwarz, der die Lidl-Filialen nach einem ähnlichen Prinzip ausrichtete, so die TZ. Zudem wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte das Nachfrageverhalten der Konsumenten. So wurden nach und nach weitere Artikelgruppen in das Sortiment aufgenommen, wie etwa 1983, als frisches Obst und Gemüse ins Sortiment sowie Kühltheken in die Ladenausstattungen aufgenommen wurden. Vor allem Eigenmarken deckten einen sehr großen Teil der angebotenen Waren bei ALDI ab. Diese können im Vergleich zu Markenprodukten deutlich günstiger angeboten werden, da diese keiner Preisbindung unterliegen.

Heute findet man bei ALDI Waren nahezu jeden Bedarfs, ob Lebensmittel, Non-Food-Artikel, Kleidung oder sogar Elektrogeräte. Die massive Erweiterung des Sortiments um große Marken, lebensmittelfremde Warengruppen und Luxusartikel entfernt den Konzern immer weiter von dem einstigen Discounter.

Internationalisierung

Nicht nur das Sortiment wurde bei ALDI einer massiven Ausweitung unterworfen - auch das Absatzgebiet vergrößerte sich im Laufe der Jahrzehnte. 1968 begab sich die ALDI Unternehmensgruppe erstmals auf internationalen Boden, als ALDI Süd die österreichische Unternehmensgruppe Hofer und deren rund 30 Filialen aufkaufte. Seitdem folgten bis heute weitere Filialen in zahlreichen Ländern. Im Jahre 2017 kam mit China ein weiteres Absatzgebiet hinzu.

Durch ALDI Nord zählen acht weitere europäische Länder mit über 2.000 Filialen zur Unternehmensgruppe. ALDI Süd ist neben sechs weiteren europäischen Ländern und der Schweiz seit 2017 mit fünf Filialen in China, seit 2001 mit rund 550 Filialen in Australien und seit 1976 mit rund 1.980 Filialen in den USA vertreten. Das bedeutet, dass ALDI neben Deutschland in insgesamt 18 Ländern auf insgesamt vier Kontinenten operiert. Insgesamt sind mehr als 190.000 Mitarbeiter weltweit in über 9.000 ALDI-Filialen angestellt.

Deutschlands umsatzstärkster Discounter

Eine Erhebung des Marktforschungsinstitut Kantar unter Berufung auf die "Wirtschaftswoche" platziert die ALDI Gruppe mit einem weltweiten Umsatz von 110,6 Milliarden US-Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 auf Platz 8 der größten Einzelhandelsunternehmen der Welt. Karl Albrecht starb im Jahr 2014 im Alter von 94 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war er laut der Forbes-Liste mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden US-Dollar der reichste Mann Deutschlands. Sein Bruder Theo Albrecht, der vier Jahre zuvor im Alter von 88 Jahren verstarb, rangierte im selben Jahr noch auf Rang 3 der wohlhabendsten Deutschen.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: graham parton / Shutterstock.com, SeanPavonePhoto / Shutterstock.com

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