21.07.2016 03:00

Lebensmittel-Branche: Welche Aktien appetitlich sind

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Euro am Sonntag-Aktien-Check
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Immer mehr Menschen greifen zu gesünderen Bio-Produkten. Für die Branche ist das ein Glücksfall. Mit Übernahmen machen sich vor allem US-Konzerne fit.
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von Florian Westermann, Euro am Sonntag

Das Übernahmekarussell im Lebensmittelsektor dreht sich immer schneller. Doch wer ist der nächste Kandidat? Nicht wenige Anleger wetten auf den Nahrungsmittelriesen General Mills, dessen Aktie erst vor wenigen Tagen ein neues Allzeithoch markierte. Treibende Kraft könnte die Private-Equity-Firma 3G sein, die zusammen mit Investorenlegende Warren Buffett die Konsolidierung in dem Sektor entscheidend vorantreibt.


Im vergangenen Jahr erschuf das Gespann durch die Fusion von Heinz mit Kraft Foods die globale Nummer 5 in der Lebensmittelbranche. Jorge Paulo Lemann und seine Investmentgesellschaft 3G sind bekannt dafür, Firmen aufzukaufen und durch harte Sparmaßnahmen die Gewinne zu steigern. Die Analysten der Citigroup trauen 3G zu, die Profitabilität von General Mills deutlich zu verbessern, sollte der Finanzinvestor beim Hersteller von Häagen-Dazs-­Eiscreme, Frühstücksflocken oder Bio-Fertiggerichten zugreifen.

Branche erfindet sich neu

Befeuert werden die Spekulationen von den jüngsten Entwicklungen im Nahrungsmittelsektor. Gegenwärtig suchen die Marktführer nach neuen Rezepten für die Zukunft. Vor allem in den westlichen Märkten greifen viele Kunden immer öfter zu biologisch erzeugten oder vegetarischen Produkten. Das zeigt der Boom der Biomärkte. Immer mehr und immer größere Bioläden sprießen aus dem Boden. Allein in Deutschland vervierfachten sich die Erlöse mit Biolebensmitteln zwischen 2000 und 2015 auf knapp neun Milliarden Euro.


Auch in den USA, eher bekannt für ungesundes Essen und seine Fast-Food-Ketten, boomt der Biomarkt. Whole Foods, der Marktführer unter den Bioketten in den USA, setzte im zweiten Quartal 3,7 Milliarden Dollar um - ein Rekord. Dass die Aktie trotzdem das ­Dasein eines Nachtschattengewächses fristet, liegt an der harten Konkurrenz. Handelsriesen wie Walmart, Kroger oder Target haben den Trend längst ­erkannt und reißen den Handel mit Biolebensmitteln an sich.

Jährlich zweistellige Wachstumsraten in dem Segment sind schließlich zu verlockend. 2015 verzeichnete die Biobranche in den USA ein Plus von zwölf Prozent auf 37 Milliarden Dollar. Analysten rechnen damit, dass dieser Trend in den kommenden Jahren anhält.

Zukäufe als Dünger

Für die Lebensmittelkonzerne ist das ein Glücksfall. Bioprodukte sind nicht nur teurer, sondern versprechen auch eine höhere Gewinnmarge. Viele Nahrungsmittelhersteller setzen auf Übernahmen, um den Appetit der Verbraucher nach gesünderen Lebensmitteln zu stillen. Seit Anfang 2014 wurden in dem Sektor Deals im Wert von über 300 Milliarden Dollar eingefädelt. Der jüngste Coup: Für knapp 13 Milliarden Dollar schluckt der französische Lebensmittelriese Danone den Sojamilchhersteller Whitewave Foods. Mit dem Zukauf ­wären die Franzosen, die Produkte wie Actimel-Joghurt und Volvic-Wasser in ihrem Sortiment haben, auf einen Schlag einer der größten Anbieter veganer Produkte in den USA. Gleichzeitig könnte Danone das eigene Produktportfolio weltweit mit pflanzlichen Joghurts oder Quarks auffrischen.


Auch außerhalb des Biosegments tut sich einiges. Rund 23 Milliarden Dollar schwer wäre das Übernahmevolumen, sollte Mondelez beim Schokoladenriesen Hershey zum Zug kommen. Entstanden ist Mondelez vor gut drei Jahren aus einer Abspaltung des Nahrungsmittelherstellers Kraft Foods. Unter dem Dach von Kraft wurde das nordamerikanische Lebensmittelgeschäft gebündelt. Im Rest der Welt heißt der Hersteller von Philadelphia-Frischkäse, Milka-­Schokolade und Oreo-Keksen seither Mondelez. Der Plan: Mondelez sollte die internationalen Märkte erobern. Doch die Erwartungen wurden bislang nicht erfüllt. Von Margen, wie sie die Konkurrenten Unilever oder gar Nestlé erzielen, ist Mondelez weit entfernt.

Mit der Übernahme von Hershey will Mondelez-Chefin Irene Rosenfeld zu den Platzhirschen aufschließen. Rosenfeld setzt dabei besonders auf Synergieeffekte, die sich aus der Übernahme ergeben würden. Der Hershey-Vorstand lehnt die Offerte bislang aber geschlossen ab. Für die Hershey-Aktionäre ist Mondelez’ Gebot zwar eine zuckersüße Versuchung - die Aktie legte seit der Offerte um rund zehn Prozent zu. Ohne die Zustimmung des Hershey Trust, der ein Vetorecht besitzt, ist eine Übernahme aber undenkbar.

Die Familienstiftung sicherte Her­shey in der Vergangenheit schon öfters die Unabhängigkeit. Ganz chancenlos dürfte Mondelez trotzdem nicht sein - wenn denn der Preis stimmt, sagen zumindest Analysten. Das Analysehaus Stifel nennt eine mögliche Preisspanne von 120 bis 130 Dollar - bislang liegt die Offerte bei 107 Dollar. Sollte Mondelez mit dem Übernahmevorstoß aber, wie von vielen Investoren erwartet, scheitern, erscheint auch eine Wiedervereinigung mit der durch Heinz verstärkten Kraft Group, an der Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Ha­thaway und 3G mit über 50 Prozent beteiligt sind, nicht ausgeschlossen.

Feurige Spekulation

Auch der weltgrößte Gewürzehersteller McCormick könnte ins Visier eines der großen Lebensmittelkonzerne rücken, spekulieren einige Anleger. Die Aktie der Amerikaner markierte erst jüngst ein neues Allzeithoch. McCormick ist in der Vergangenheit selbst immer wieder als Käufer kleinerer Mitbewerber aufgetreten. Seit 2010 steckte der Konzern 850 Millionen Dollar in kleinere Übernahmen in den USA, Indien, China und Polen. Im Frühjahr aber biss sich Unternehmenschef Law­rence Kurzius am britischen Lebensmittelhersteller Premier Foods die Zähne aus. Gut zwei Milliarden Dollar wollte der McCormick-Boss auf den Tisch legen - offenbar zu wenig. Inzwischen wird McCormick selbst als Übernahmeziel gehandelt. Mit einem Börsenwert von rund 13 Milliarden Dollar sind die Amerikaner für einen Konzern wie Kraft Heinz, Unilever oder Nestlé nur ein Appetithäppchen.

Investor-Info

General Mills
Übernahmekandidat

Nach der Kursrally der vergangenen Monate ist die Branche nicht mehr günstig. Das gilt auch für General Mills. Allerdings erwarten Analysten einen Gewinnanstieg von zehn Prozent im laufenden Geschäftsjahr. Dem US-Konzern wird auch besonders viel Spielraum für Produktivitätssteigerungen zugestanden - für potenzielle Käufer interessant. General Mills zahlt seit über 100 Jahren eine mindestens gleichbleibende Dividende. Unser Favorit vor allem für Konservative.

Kraft Heinz
Buffetts Wahl

Die weltweite Nummer 5 der Branche dürfte die Konsolidierung weiter vorantreiben. Nach der Fusion mit dem Ketchuphersteller Heinz rechnen Analysten 2016 mit einem Anstieg beim bereinigten Nettogewinn um 44 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Für das kommende Jahr werden 4,7 Milliarden Dollar Gewinn erwartet. Konservative Langfristanleger halten es wie Investorenlegende Warren Buffett und finden: kaufenswerte Aktie.

McCormick
Duftender Gewürzriese

Für das laufende Jahr rechnen Analysten im Schnitt mit einem Gewinnplus von 18 Prozent auf 472 Millionen Dollar. Im kommenden Jahr soll das Ergebnis auf 520 Millionen Dollar klettern. Die hohen Wachstumsraten rechtfertigen auch die ambitionierte Bewertung. Außerdem könnte McCormick selbst Ziel einer Übernahme werden. Spekulativ.
Bildquellen: Lisa S. / Shutterstock.com, iStockphoto
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