Euro am Sonntag-Aktien-Check

Wirecard: Ein bisschen davongekommen

09.04.19 09:08 Uhr

Wirecard: Ein bisschen davongekommen | finanzen.net

Die lang erwarteten Ergebnisse der Untersuchung einer Kanzlei in Singapur sind da. Sie entlasten den Wirecard-Konzern einstweilen. Doch es gibt neue Vorwürfe.

Werte in diesem Artikel
Aktien

0,02 EUR 0,00 EUR 0,00%

Indizes

18.132,2 PKT 64,0 PKT 0,35%

von Birgit Haas, Euro am Sonntag

Markus Braun würde am liebsten zum Tages­geschäft übergehen. Vergangene Woche konnte der Wirecard-Chef auch stark darauf hoffen. Der Bezahldienstleister aus Aschheim bei München hatte Teile einer externen Untersuchung der Anwaltskanzlei Rajah & Tann veröffentlicht. "Alles ist auf dem Tisch. Der Markt hat jetzt volle Transparenz", sagte Braun. Er war sich so sicher, dass er die britische Tageszeitung "Financial Times" (FT), die Artikel samt Betrugs- und Bestechungsvorwürfen publiziert hatte, auf Schadenersatz verklagt.

Sicher war sich Braun, weil seiner Darstellung nach die externe Untersuchung den schlimmsten Verdacht auf Umsatzbetrügereien im asiatischen Raum entkräftet hat. Danach soll durch ein Transaktionskarussell Umsatz generiert werden - ein Verfahren, das "Round-Tripping" genannt wird. Die wichtigste Aussage von ­Wirecard: "Die unabhängige Untersuchung hat zu keinen Feststellungen betreffend sogenannten Round-Trippings oder Korruption geführt." Es soll lediglich zu Fehlbuchungen in Höhe von insgesamt 5,5 Millionen Euro gekommen sein, die keine Auswirkungen auf die Bilanz haben sollen. Auch wenn Braun, anders als Ende Februar versprochen, nicht die Originaldokumente von Rajah & Tann veröffentlicht hat, stieg die Aktie in der Spitze um 26 Prozent.

Inzwischen hat die Finanzzeitung neue Vorwürfe veröffentlicht. Demnach soll Wirecard Vorgänge in Ländern, in denen das Unternehmen keine Lizenz hat, über nicht existierende Partner abgewickelt haben. Die FT führt als Beispiel einen auf den Philippinen lebenden Seemann im Ruhestand an, an dessen Anschrift Wirecard einen Bankauszug geschickt haben soll - adressiert an eine Firma namens Conepay. Eine Firma, von dem der Rentner angeblich noch nie etwas gehört hat.

Die FT hat überdies ein Foto des Briefs veröffentlicht, datiert auf den 29. März 2018. Ein Whistle­blower soll der FT verraten haben, dass solche Geschäftspraktiken beim Unternehmen System haben. Wirecard hat auf die neuen FT-Vorwürfe resolut reagiert: Die Informationen seien ungenau und es sei mit Absicht falsch zitiert worden. Diese Vorwürfe sind nicht neu, aber sie verstärken das Misstrauen gegen den DAX-Konzern. Ähnliches hatte ein Nachrichtendienst namens Gomopa bereits 2010 behauptet. Die Aktie legte am Freitag erneut den Rückwärtsgang ein.

Schon zuvor waren Fragen offengeblieben, weshalb viele Aktionäre mit dem Wiedereinstieg gewartet hatten. In Singapur etwa laufen Ermittlungen gegen sechs Mitarbeiter von Wirecard und elf Transaktionspartner, auf die Wire­card im Bericht über die externe Untersuchung nicht eingegangen ist. Die Bafin ermittelt ebenfalls, allerdings wegen des Verdachts, dass Wirecard meldepflichtige Informationen zurückgehalten haben könnte. Zudem gibt es Hinweise, dass die US-Börsenaufsicht aufmerksam geworden ist. Dass Wire­card die Bilanzpressekonferenz vom 4. auf den 25. April verschoben hat, nährt überdies Sorgen, dass die Wirtschaftsprüfer von EY womöglich kein uneingeschränktes Testat erteilen könnten.

Fazit: Wirecard will alle Ziele fürs Geschäftsjahr erreicht haben. Ob der Skandal ausgestanden ist, bleibt fraglich. Vorerst meiden.








_________________________

Ausgewählte Hebelprodukte auf Wirecard

Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Wirecard

NameHebelKOEmittent
NameHebelKOEmittent
Werbung

Bildquellen: Wirecard AG, Wirecard

Nachrichten zu Wirecard AG

Analysen zu Wirecard AG

DatumRatingAnalyst
26.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
25.06.2020Wirecard VerkaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
22.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
19.06.2020Wirecard ReduceOddo BHF
18.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
DatumRatingAnalyst
26.05.2020Wirecard buyBaader Bank
15.05.2020Wirecard kaufenIndependent Research GmbH
14.05.2020Wirecard buyBaader Bank
11.05.2020Wirecard buyBaader Bank
07.05.2020Wirecard buyBaader Bank
DatumRatingAnalyst
18.06.2020Wirecard Equal-WeightMorgan Stanley
08.06.2020Wirecard NeutralOddo BHF
08.06.2020Wirecard NeutralUBS AG
02.06.2020Wirecard NeutralUBS AG
26.05.2020Wirecard HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
DatumRatingAnalyst
26.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
25.06.2020Wirecard VerkaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
22.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
19.06.2020Wirecard ReduceOddo BHF
18.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Wirecard AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"