Hier stimmt was nicht! Eurofins - Hoher Preis für Wachstum

Investoren sind gern bereit, für wachstumsstarke Firmen stattliche Bewertungsprämien zu zahlen. Der Zinseszins-Effekt ist dabei der Werttreiber.
von Jörg Lang, Euro am Sonntag
Gelingt es einem Unternehmen, seinen Umsatz pro Jahr um zehn Prozent zu steigern, hat sich das Geschäft in sieben Jahren verdoppelt. Weil mit dem Zuwachs auch noch Skaleneffekte entstehen, dürfte sich der Gewinn sogar überproportional entwickeln. Die Aktie wird dem folgen, die Prämie kann sich dabei sogar noch ausweiten.
Die Börsenstory klappt aber schnell zusammen, wenn das Wachstum mit vertretbaren Mitteln nicht mehr dargestellt werden kann. Die Gefahr ist zuletzt gewachsen, dass das bei Eurofins der Fall sein könnte. Der Labordienstleister hat einen steilen Aufschwung hinter sich. Vor zehn Jahren setzten die Franzosen nicht einmal 700 Millionen Euro um. Im abgelaufenen Jahr waren es fast drei Milliarden. Noch stärker stieg der Unternehmenswert, nämlich um das 13-Fache.
Offensichtlich sind die Investoren der Meinung, dass Eurofins diese Serie in den nächsten Jahren halten kann. Das KGV beträgt 30. Der französische Bluechip-Index CAC40 ist nur halb so hoch bewertet. Heißt: Normalisiert sich das Wachstum, kann die Aktie auch 50 Prozent an Wert verlieren.
Eurofins ist vor allem durch den Kauf von Laboren gewachsen. Mehr als 40 Käufe waren es allein in den vergangenen zwei Jahren. Dies wurde durch Aktienemissionen 2016 und 2017, aber auch durch die Aufnahme von Schulden finanziert.
Mittlerweile steht das Unternehmen inklusive Hybridkapital mit gut zwei Milliarden Euro in der Kreide. Das entspricht mehr als dem Vierfachen des Betriebsergebnisses 2017. Offensichtlich reichen die verdienten Mittel bei Weitem nicht mehr, um die Wachstumsraten hoch zu halten. Es wird immer mehr Geld benötigt, um Wachstum zu erzeugen. Dabei sind in den vergangenen Jahren auch die Renditen aufs eingesetzte Kapital deutlich gefallen. Ein gefährlicher Mix. Wie lange zahlen Anleger noch für ihre eigene Bewertungsprämie?
Unser Kolumnist Jörg Lang beschäftigt sich seit 1988 mit dem Thema Aktien.
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