Euro am Sonntag

Frauenquote: Finanzfrauen verzweifelt gesucht

14.02.16 17:00 Uhr

Frauenquote: Finanzfrauen verzweifelt gesucht | finanzen.net

Trotz der Diskussion um die Frauenquote und bester Qualifizierung ist der Anteil der Frauen in der Finanzbranche noch zu gering.

€uro am Sonntag

von Mark Burgess, Gastautor von Euro am Sonntag

Dass ein höherer Frauenanteil Unternehmen positiv beeinflussen kann, lässt sich wissenschaftlich nachweisen. So zeigt eine Studie des Credit Suisse ­Research Institute aus 2014, die Managementstrukturen von über 3.000 Unternehmen weltweit umfasst: Mehr Frauen im Senior Management führen zu einer Verbesserung des Finanzergebnisses und zu höheren Aktienmarktrenditen. Demnach haben große Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über zehn Milliarden US-Dollar und mit ­mindestens einer Frau im Verwaltungsrat von Anfang 2005 bis Juni 2014 eine Überrendite von insgesamt 3,3 Prozent im Vergleich zu Unternehmen ohne Frau im Verwaltungsrat erzielt.



Auch die Eigenkapitalrendite (RoE) von Unternehmen, in denen Frauen im Verwaltungsrat vertreten sind, ist der Studie zufolge höher als bei anderen ­Gesellschaften. Die daraus resultierenden höheren Renditen spiegeln sich in den Kurs-Buchwert-Verhältnissen der ­Unternehmen wider, sprich: Anleger ­erwarten von den entsprechenden ­Unternehmen offenbar eine höhere Wertschöpfung aus vorhandenem Vermögen.

Zudem liegt der als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttete Gewinn­anteil - die sogenannte Pay-out-Ratio - in Unternehmen, in denen der Anteil von Frauen im Topmanagement über zehn Prozent beträgt, über dem von ­Unternehmen mit weniger Frauen in Spitzenpositionen.


Die oft als typisch weiblich beschriebenen Eigenschaften wie ausgewogene, langfristige Perspektiven und ein weniger egozentriertes, dafür stärker am Teaminteresse ausgerichtetes Handeln scheinen sich also zu bewähren. Dies verdeutlicht, wie wichtig ein Blick auf die Geschlechterverteilung in Unternehmen für Assetmanager ist, um das Potenzial aktiven Portfoliomanagements umfassend zu heben.

Aber während die Branche die Geschlechterverteilung bei der Suche nach attraktiven Werten für ihre Portfolios inzwischen vielfach als Kriterium berücksichtigt, genießt das Thema bei den Assetmanagern intern noch nicht immer den angemessenen Stellenwert. Und das, obwohl die Branche in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht hat.


Bei Columbia Threadneedle Investments ist der Frauenanteil in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) im Vorstand zwischen 2013 und 2015 von 13 auf 22 Prozent gestiegen. Auf ­ Geschäftsführungsebene hat der Anteil von elf auf 19 Prozent zugenommen, bei den Investment Professionals von 21 auf 28 Prozent. Mit diesen Zahlen steht ­Columbia Threadneedle im Vergleich zu anderen Assetmanagern gut da, doch insgesamt bleibt die Branche hinter anderen Berufsgruppen deutlich zurück.

Frauen sollten Qualifikationen noch
besser einbringen können

Dabei bietet das Assetmanagement ­sowohl Männern als auch Frauen ein ­attraktives Arbeitsumfeld. So ist der ­Arbeitsalltag vielfach geprägt von Team­arbeit, Langfristigkeit und festen Handelszeiten. Diese Bedingungen schaffen ein sehr gutes Arbeitsklima. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Experten gewinnt der Einzelne an Flexibilität, die für viele Menschen heute einen sehr ­hohen Stellenwert besitzt. Um dem Anspruch an flexible Arbeitsmöglichkeiten über den Teamansatz darüber hinaus gerecht zu werden, haben Assetmanager die technischen Voraussetzungen geschaffen, damit Mitarbeiter mobil arbeiten können, etwa von zu Hause aus.

Assetmanagement verfolgt in der Regel langfristige Ziele, auch Anlageerfolg und Know-how werden langfristig ­gemessen. Daher ist im Arbeitsalltag ­reflektiertes, strategisches und gedul­diges Handeln wichtig - die als branchentypisch betrachtete Hektik ist nicht die Regel. Und durch die festen Handelszeiten ist der Arbeitstag gut planbar.

Assetmanager sollten noch stärker an einem Strang ziehen, um die Vorteile des Berufsbilds zu betonen und die Bedingungen weiter zum Positiven zu verändern. Geschlechterverhältnisse offen­zulegen verstärkt die Transparenz und ist damit ein erster Schritt auf dem Weg hin zur Verbesserung. Denn es ist wünschenswert, dass Frauen ihre Qualifikationen in der Finanzbranche noch stärker einbringen - zum Wohl der Branche und der Anleger.

Kurzvita

Mark Burgess, Globaler Aktienchef bei
Columbia Threadneedle Investments

Burgess ist Chief Investment Officer für Europa, den Nahen ­Osten und Afrika sowie für die ­Anlagestrategie der Fondsgesellschaft zuständig. Burgess verfügt über rund 30 Jahre Erfahrung in der Fondsbranche.
Columbia Threadneedle Investments ist eine führende globale Vermögensverwaltungsgruppe, die ein breites Spektrum aktiv gemanagter Anlagestrategien und -lösungen für institutionelle und private Anleger bietet.

Bildquellen: Threadneedle, Gabi Moisa / Shutterstock.com