28.04.2018 08:00

Ökonomen-Barometer: Ringen um die EZB-Spitze

Euro am Sonntag-Meldung: Ökonomen-Barometer: Ringen um die EZB-Spitze | Nachricht | finanzen.net
Jens Weidmann
Euro am Sonntag-Meldung
Folgen
Nur eine Minderheit führender Volkswirte glaubt an Jens Weidmann als Nachfolger von EZB-Chef Mario Draghi.
Werbung
€uro am Sonntag
von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag

Die Amtszeit von Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), endet im Herbst 2019. Die Nachfolgediskussion ist in vollem Gang: Neben Kandidaten wie dem französischen Notenbankchef François Villeroy de Galhau oder dem irischen Chefwährungshüter Philip Lane gilt Bundesbank-Chef Jens Weidmann bislang als aussichtsreichster Kandidat - und das nicht nur, weil nach dem Franzosen Jean-Claude Trichet und dem Italiener Draghi ein Deutscher turnusmäßig dran wäre. Doch die EZB-Spitzenpersonalie erweist sich als zunehmend brisant. Das zeigen auch die Antworten führender Volkswirte in der ­April-Umfrage des Ökonomen-Barometers von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv.


"Merkel stützt ihn nicht"
Fast 70 Prozent der befragten Experten sind zwar der Ansicht, dass Weidmann als EZB-Präsident das Vertrauen in den Euro gerade in jenen Ländern stärken würde, in denen sich Sparer durch die Niedrigzinspolitik der EZB geschädigt fühlten. Und immerhin 91 Prozent der Befragten würden mit Jens Weidmann eine restriktivere Geldpolitik verbinden als unter dem noch amtierenden Draghi. Dennoch rechnet nur eine Minderheit von 42 Prozent damit, dass Weidmann tatsächlich den Italiener beerbt.

Das hängt auch damit zusammen, dass die Besetzung des EZB-Postens eng verknüpft ist mit anderen, neu zu besetzenden europäischen Top-Positionen, insbesondere der des EU-Kommissionspräsidenten. Ein deutscher Kommissionschef als Nachfolger von Jean-Claude Juncker ist der Bundesregierung wohl wichtiger als ein deutscher EZB-Chef, der sich ohnehin in die komplexen EZB-Sachzwänge einfügen müsste.


"Angela Merkel wird sich nicht für Jens Weidmann einsetzen." Dieser Satz taucht in vielen Antworten der Ökonomen auf, etwa bei Wilfried Fuhrmann (Uni Potsdam), Karlhans Sauernheimer (Uni Frankfurt) oder Jürgen von Hagen (Uni Bonn). Und falls Weidmann es doch schafft?

Volker Nitsch (TU Darmstadt) verweist auf die Abstimmungsregeln im EZB-Rat, an denen der Deutsche mit seiner Politik scheitern würde. David Stadelmann (Uni Bayreuth) glaubt sogar, dass Weidmann seinen Bundesbank-Hut gleich ablegen und quasi im EZB-Mantel Draghis Erbe antreten würde.


"Weidmann wäre ein Gewinn"
Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim hielte einen Deutschen an der EZB-Spitze nichtsdestotrotz für einen Gewinn, selbst dann, wenn Weidmann die gleiche ­Politik machen würde wie Draghi. "Die deutschen Sparer könnten dem EZB-Chef nicht länger unterstellen, dass er expansive Geldpolitik nur deshalb betreibt, um sein eigenes Land vor dem Finanzkollaps zu retten."



_______________________
Bildquellen: Petronilo G. Dangoy Jr. / Shutterstock.com, Adam Berry/Getty Images
Werbung
Werbung
Werbung
Neue Funktionen als Erstes nutzen
Sie nutzen finanzen.net regelmäßig? Dann nutzen Sie jetzt neue Funktionen als Erstes!
Hier informieren!
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

Starke US-Arbeitsmarktdaten belasten: US-Börsen schließen kaum verändert -- DAX geht höher ins Wochenende -- Audi bereitet sich auf Formel1-Einstieg vor -- Lufthansa, CEWE, Twitter, BlackRock im Fokus

EZB-Chefvolkswirt: Zinserhöhung braucht einige Zeit bis Wirkung. CropEnergies produziert in Großbritannien zunächst weiter. Funkdienste sollen E.ON-Stromnetze sichern. Metzler stuft Shop Apotheke hoch. EMA prüft Zulassungsantrag für Bilharziose-Mittel von Merck. JPMorgan hebt Kursziel für Delivery Hero an. Ölverbrauch in Deutschland steigt wieder. Stabilus will Dividende deutlich erhöhen.

Umfrage

Wie hat sich Ihr Wertpapierdepot seit Jahresbeginn entwickelt?

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln