20.08.2022 22:43

Starke Zahlen, große Sorgen: Was von deutschen Unternehmen jetzt zu erwarten ist

Gegenwind wird stärker: Starke Zahlen, große Sorgen: Was von deutschen Unternehmen jetzt zu erwarten ist | Nachricht | finanzen.net
Gegenwind wird stärker
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Viele deutsche Unternehmen überraschen mit guten Geschäftsergebnissen. Warum Börsianer trotz des Umfelds hoffen dürfen.
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von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Deutschlands Topkonzerne bewegen sich zwischen zwei extremen Welten. Am deutlichsten zeigt sich das bei BASF. Konzernchef Martin Brudermüller kann sich über gute Geschäftszahlen freuen: Der Umsatz des weltgrößten Chemiekonzerns ist in den Monaten April bis Juni um 16 Prozent gestiegen, beim bereinigten operativen Gewinn wurde das Vorjahresniveau gehalten. Und weil es gut läuft, hat BASF seine Jahresprognose angehoben.

Aber da ist auch diese andere, finstere Realität: Krieg in Europa, ausufernde Inflation, Pandemie, die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas. In einem extremen Szenario müsste BASF sogar die Produktion am Hauptstandort Ludwigshafen stoppen. "Derzeit werden alle unsere Produktionsstätten in Europa entsprechend ihrem Bedarf mit Erdgas beliefert", bekräftigt Brudermüller. Allein die Tatsache, dass so etwas erwähnt werden muss, verdeutlicht die Brisanz.

Zwei Drittel der DAX-Mitglieder hat inzwischen Geschäftsergebnisse zum zweiten Quartal veröffentlicht. Es ist die erste Berichtssaison, deren Zahlen komplett in den Schatten des Ukraine-Kriegs und dessen ökonomische Begleiterscheinungen fällt. Die Daten des Finanzdiensts Bloomberg zeigen: Drei Viertel der DAX-Konzerne haben die Gewinnerwartung der Analysten übertroffen.

"Man sieht, dass viele Unternehmen aus dem DAX Preissetzungsmacht haben und darum höhere Kosten an die Kunden weitergeben können. Man sieht aber auch erste Bremsspuren, die im zweiten Halbjahr stärker werden könnten", beobachtet Sven Streibel, der Chef-Aktienstratege der DZ Bank.

Gegenwind wird stärker

Selbst in den zyklischen, also für externe Störungen besonders sensiblen Branchen laufen die Geschäfte fast so, als gäbe es keine Krise. Engpässe in der Produktion sind für Mercedes-Benz sogar hilfreich. Weil die Nachfrage nach Nobelkarossen das Angebot übersteigt, können die Schwaben auf die in der Branche üblichen Rabatte weitgehend verzichten.

Auch Volkswagen und BMW schnitten im Quartal besser ab als von Analysten erwartet. Insbesondere BMW aber verweist auf die Gefahren auf der vorausliegenden Strecke. Zusätzlich zu den anhaltenden Versorgungsengpässen sieht Konzernchef Oliver Zipse einen "zunehmenden wirtschaftlichen Gegenwind" aufziehen. Solche Aussagen werden an der Börse registriert: BMW sei das erste Unternehmen der Branche, das Vorsicht bei der Nachfrage signalisiere, hebt das Analysehaus Bernstein hervor.

Skepsis auch über die Grenzen des DAX hinaus zeigt sich in Frühindikatoren wie dem Geschäftsklimaindex. Das Konjunkturbarometer des Münchner ifo-Instituts, für das jeden Monat mehrere Tausend Unternehmen befragt werden, ist im Juli eingebrochen - besonders deutlich ist der Absturz bei den Geschäftserwartungen. "Hohe Energiepreise und drohende Gasknappheit belasten die Konjunktur. Deutschland steht an der Schwelle zur Rezession", beschreibt das Institut die größten Sorgen in den Unternehmen.

Auch Börsianer sehen nach vorn. Als Faustregel gilt, dass die Aktienmärkte sechs Monate in die Zukunft blicken. Auf diese Distanz lassen sich Prognosen noch relativ seriös aufstellen. Was Börsianer in dieser nahen Zukunft sehen, veranschaulichen Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Dieses KGV, berechnet auf Basis der von Analysten für die kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinne, lag im Juni 2020 bei 17 und damit auf einem im historischen Vergleich sehr hohen Niveau. Inzwischen ist der Wert auf elf gefallen und liegt damit rund 15 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Börsianer haben also bereits eine Abkühlung vorweggenommen.

Die Zurückhaltung der Investoren konnten die überwiegend guten Geschäftsergebnisse zum zweiten Quartal ein wenig aufweichen. Seit Start der Zahlenserie im Juli hat der DAX leicht an Wert gewonnen und seine Talfahrt damit gestoppt. Bei einzelnen Aktien gab es stärkere Ausschläge.

Der größte Gewinner

Fast acht Prozent legte die Aktie von Sartorius am Tag des Quartalsberichts zu. Der Laborausrüster war einer der Pandemiegewinner, weil das Unternehmen als Zulieferer der Pharmaindustrie von der Impfstoffentwicklung profitiert. Trotz Entschärfung der Pandemie bleibt Sartorius auf Wachstumskurs, zeigen die aktuellen Zahlen.

Mit deutlichen Kursgewinnen - in der Spitze mehr als vier Prozent am Tag der Zahlenbekanntgabe - wurde auch die Bilanz von RWE honoriert. Dank ergiebiger Geschäfte mit Gas, Wasser, Biomasse und auch im Energiehandel hat der Energiekonzern die Prognose für das laufende Jahr angehoben und stellt sogar schon jetzt für 2023 eine "Fortsetzung der positiven Ergebnisentwicklung" in Aussicht.

Besonders groß war die Enttäuschung über die Zahlen von Fresenius Medical Care. Fast 15 Prozent stürzte die Aktie des Dialysespezialisten ab, nachdem der Vorstand wegen Personalmangels und steigender Kosten die Jahresprognose kürzte. Die Analysten von JPMorgan stimmen Börsianer bei FMC bereits auf anhaltende Herausforderungen auch im kommenden Jahr ein.

Wie sensibel Börsianer im aktuellen Umfeld reagieren, zeigte sich bei Siemens Healthineers. Nach schwachen Quartalszahlen stürzte die Aktie zunächst um mehr als neun Prozent ab, konnte sich dann aber weitgehend erholen, nachdem der Vorstand trotz des schwächeren zweiten Quartals seine Jahresprognose bestätigte.

Bei adidas enttäuscht der Ausblick. Die für das zweite Halbjahr einkalkulierte Erholung des China-Geschäfts ist bislang ausgeblieben. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld, vor allem in China, bleibe schwierig, warnte Konzernchef Kasper Rorsted. Die Quittung der Investoren gab es bereits: Die Aktie des Sportartikelkonzerns hat in diesem Jahr doppelt so stark verloren wie der DAX.

INVESTOR-INFO

BASF

Eine heiße Spekulation

Die Aktie des Chemiekonzerns ist die derzeit wohl heißeste Spekulation im DAX. BASF ist moderat bewertet, die Dividendenrendite hoch. Das Problem ist klar: Die Chemieindustrie verbraucht viel Energie und ist damit stark von der Gaskrise betroffen. Im schlimmsten Fall würde BASF als Zulieferer für viele Branchen vermutlich bevorzugt beliefert. Sollte sich die Krise entspannen, hätte BASF deutliches Aufwärtspotenzial.

RWE

Gewinner der Energiewende

Der Versorger gehört in turbulenten Zeiten zu den ruhigeren Investments im DAX. Gerade hat RWE die Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben und die Analystenerwartung übertroffen. Der Aktienkurs unterschätze die signifikanten Wachstumsaussichten im Bereich der erneuerbaren Energien, kalkulieren die Analysten von Barclays.

Sartorius

Gesunde Vorsicht

Gute Ergebnisse, keine großen Sprüche. Der Biotech-Ausrüster hat seinen operativen Gewinn (Ebitda) im ersten Halbjahr um mehr als ein Viertel auf 697 Millionen Euro gesteigert. An der bisherigen Prognose hält das Management von Sartorius fest: Anvisiert wird einen Umsatzanstieg von 15 bis 19 Prozent, bei einer operativen Ebitda-Marge von rund 34 Prozent. Sartorius ist ein defensiver Wachstumswert und nach dem Kursrücksetzer ein Investment wert.




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22.09.2022BASF HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
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