Historischer Sieg

Nikkei 225 im Rallymodus: Neues Rekordhoch nach klarem Wahlsieg von Sanae Takaichi

09.02.26 10:05 Uhr

Klarer Wahlsieg, klare Marktreaktion: Nikkei 225 rast auf neues Allzeithoch | finanzen.net

Die Börse in Tokio ist nach dem fulminanten Wahlsieg der japanischen Regierungspartei von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi am Montag auf ein Rekordhoch gestiegen.

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Der Nikkei 225 legte am Montag im Handelsverlauf zeitweise um bis zu knapp sechs Prozent auf 57.337,07 Punkte zu und erreichte damit ein neues Allzeithoch.

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Das Niveau konnte der Index im Anschluss nicht ganz halten, lag zum Handelsschluss aber bei 56.363,94 Punkten und damit um 3,89 Prozent höher.- Seit Ende 2025 zog der Nikkei 225 damit bereits wieder rund zwölf Prozent an, nachdem er im vergangenen Jahr 26 Prozent zugelegt hatte.

Historischer Wahlsieg

Japans Regierungspartei hat unter Führung der stramm nationalkonservativen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi den größten Wahlsieg ihrer Geschichte errungen. Als erste Partei seit dem Zweiten Weltkrieg gewann die Liberaldemokratische Partei (LDP) bei der Wahl zum Unterhaus allein mehr als zwei Drittel der 465 Sitze in der mächtigen Parlamentskammer. Der überragende Sieg verschafft der rechtsgerichteten Regierungschefin enorme Macht, denn damit kann sie selbst dann Gesetze verabschieden, wenn diese vom Oberhaus abgelehnt werden. Als erste Frau an der Spitze der Regierung ist Takaichi erst seit Ende Oktober im Amt. Takaichi gilt als Befürworterin höherer staatlicher Ausgaben zur Ankurbelung der Konjunktur und präferiert zugleich eine lockere Geldpolitik, was die Börse freut.

Die LDP baute ihre Sitzzahl im Unterhaus von zuvor 198 auf 316 Mandate aus und überschritt damit als erste Partei im Nachkriegsjapan die Zweidrittelmehrheit. So kann sie nun Verfassungsänderungen vorantreiben und Gesetze verabschieden, selbst wenn diese vom Oberhaus abgelehnt werden. In der zweiten Kammer des nationalen Parlaments ist die Regierungskoalition der LDP und ihres neoliberalen Juniorpartners Ishin weiterhin in der Minderheit.

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Die seit ihrer Gründung 1955 fast ununterbrochen regierende LDP hatte wegen eines Parteispendenskandals sowie der Unzufriedenheit im Volk über die steigenden Preise und die Einwanderungspolitik bei den vorherigen Wahlen sowohl im Unterhaus als auch im Oberhaus die Mehrheit verloren. Gestützt von Ishin regierte sie zuletzt nur mit einer hauchdünnen Mehrheit. Ihren jetzt überragenden Wahlsieg hat die LDP Takaichis enormer Popularität zu verdanken.

So bewerten Analysten den Wahlsieg

"Eine zentrale Herausforderung für die Regierung Takaichi wird es sein, eine konstruktive wirtschaftliche Beziehung zu Peking aufrechtzuerhalten und gleichzeitig ihr Ziel zu verfolgen, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und anderen regionalen Verbündeten zu vertiefen", so die Analysten von Morningstar DBRS. Die bilateralen Beziehungen zu China, einem der größten Handelspartner Japans, haben sich seit Takaichis Amtsantritt im Oktober verschlechtert.

"Der Sieg der Koalition verschafft Takaichi mehr Freiheit bei politischen Entscheidungen und stärkt ihre Fähigkeit, wirtschafts- und außenpolitische Ziele zu verfolgen", kommentieren die Analysten der ING. Die Märkte erwarteten, dass Takaichis Regierung verstärkte öffentliche Ausgaben, Steueranreize und Maßnahmen zur Anhebung von Löhnen und Unternehmensinvestitionen initiieren werde, begleitet von anhaltender Unterstützung für strategische Sektoren wie Technologie, Verteidigung und Energie.

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Die Sorge vor ein er ausufernden Staatsverschuldung sorgt daher am Anleihemarkt für fallende Kurse, also steigende de Renditen. "Proaktivere fiskalische Ausgaben, die auf eine Reflationierung der Wirtschaft abzielen, könnten sowohl das fiskalische als auch das inflationäre Risiko erhöhen", so Marktstratege David Chao von Invesco.

Überschwängliche Glückwünsche vom US-Präsidenten

Die von Takaichi angestrebte Revision des Pazifismusartikels 9 der seit 1947 unveränderten Verfassung, der Japan sicherheitspolitische Schranken auferlegt, wird nun realistischer. In dem Artikel verzichtet Japan "für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten".

Als sicherheitspolitische Hardlinerin befürwortet Takaichi engere Beziehungen zur Schutzmacht USA. US-Präsident Donald Trump gratulierte ihr auf seiner Plattform Truth Social überschwänglich. "Herzlichen Glückwunsch an Ministerpräsidentin Sanae Takaichi und ihre Koalition zum ERDRUTSCHSIEG", schrieb Trump. "Sanae: Es war mir eine Ehre, Sie und Ihre Koalition zu unterstützen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer konservativen Agenda Frieden durch Stärke."

Takaichi habe "keinerlei Berührungsängste" gegenüber Trump, sagte Axel Klein, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. Ihr "fast enthusiastischer Umgang mit ihm gilt ihrer Wählerschaft als Beweis für diplomatisches Geschick", erklärte Klein.

Takaichi will Japans Militär kräftig aufrüsten, um in Asien ein Gegengewicht zum Machtstreben Chinas zu schaffen. Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt war sie mit der Führung in Peking aneinandergeraten, als sie sagte, ein Angriff Chinas auf die demokratische Inselrepublik Taiwan würde eine "existenzbedrohende Situation" für Japan darstellen, was zu einer militärischen Reaktion führen könne.

Takaichi punktet mit harter Haltung gegenüber China

China reagierte mit scharfer Kritik, gestrichenen Flugverbindungen und einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte. Anstatt ihre Wahlchancen zu schmälern, steigerte ihre harte Haltung gegenüber Japans geopolitischem Rivalen Takaichis Popularität eher noch. Sie habe es verstanden, über soziale Medien und im Fernsehen gezielt das Bild einer starken Führungskraft zu vermitteln, die das Land wieder nach vorn bringt, erklärte Experte Klein.

Im Wahlkampf hatte Takaichis Partei vor allem "das Ausländerproblem" in den Mittelpunkt gestellt. Ausländer hielten sich nicht an die Regeln, das Volk fühle sich unwohl und unsicher, dies werde man "frontal" angehen, versprach die LDP. Mit dem Thema gelang es der Partei offenbar, konservative Wähler zurückzugewinnen, die sich der rechtsextremen und offen ausländerfeindlichen Kleinpartei Sanseito zugewandt hatten. Die Sanseito vervielfachte ihre Mandate am Ende zwar von 2 auf 15, kann Takachis Partei aber nicht gefährlich werden.

Oppositionsbündnis erleidet schwere Verluste

Mit der kurzfristig einberufenen Neuwahl hatte Takaichi die Opposition kalt erwischt. Die stärkste Oppositionskraft, die Konstitutionelle Demokratische Partei, und der langjährige LDP-Partner Komeito schlossen sich hektisch zur Zentristischen Reformallianz zusammen. Die neue Partei versteht sich als liberale Alternative zur rechten Takaichi. Das Kalkül der Regierungschefin ging jedoch auf: Das neue Oppositionsbündnis erlitt schwere Verluste, die Zahl der Mandate schrumpfte von zusammengerechnet 167 Sitzen vor der Wahl auf nur noch 49 Sitze.

Ungeachtet der schon jetzt extrem hohen Staatsverschuldung verspricht Takaichi, die Wirtschaft ihres Landes mit einer aggressiven Fiskalpolitik wiederzubeleben. Das freut die Börse: Der Nikkei-Index schoss zum Handelsauftakt nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses erstmals über die Marke von 57.000 Punkten.

Mit einer Senkung der Benzinsteuer sowie Zusagen, das Nettoeinkommen vor allem junger Familien mit niedrigeren Einkommen durch Steueränderungen zu erhöhen, wandte sich Takaichi im Wahlkampf gezielt an die Jüngeren. Nach ihrem historischen Sieg sagte die Regierungschefin dann: "Wir tragen eine außerordentlich große Verantwortung, uns darauf zu konzentrieren, die von uns gemachten Wahlversprechen konsequent umzusetzen."

dpa-AFX / Dow Jones Newswires

Bildquellen: tony740607 / Shutterstock.com, Jim Barber / Shutterstock.com

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