12.04.2011 08:02

BRIC - Die Schattenseiten des Wirtschaftsbooms

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Brasilien, Russland, Indien und China, die sogenannten BRIC-Nationen, kämpfen mit hohen Inflationsraten. Was das für Anleger bedeutet.
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€uro am Sonntag
von Andreas Hohenadl, €uro am Sonntag

Zu Beginn eines jeden Jahres blicken Volkswirte gern mal über den Tellerrand der üblichen Prognosen. Sie lassen ihre Fantasie spielen und skizzieren einige mutigere Szenarien. Auch Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Münchner Fondsgesellschaft Assenagon, stellte vor gut drei Monaten seine „zehn Überraschungen 2011“ vor. Darin prognostiziert er unter anderem, dass nach dem Boom in der Dritten Welt der Boom in der Ersten Welt komme. „Die Rezession ist vergessen. Die Unternehmen stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Arbeitslosigkeit geht zurück.“ Doch diese erfreuliche Entwicklung befördere auch die Schattenseiten: „Rohstoffpreise steigen, die Inflation bekommt Beine.“

Fast drehbuchreif bestätigte die bisherige wirtschaftliche Entwicklung die Vorhersagen Hüfners. Tatsächlich hat sich der Fokus vieler Investoren in diesem Jahr wieder mehr in Richtung Industrieländer verschoben. Die größte Wirtschaftsmacht der Welt, die USA, nimmt an Fahrt auf, selbst vom krisengeplagten Arbeitsmarkt kommen Zeichen der Entspannung. Und auch auf dem Alten Kontinent schreitet die wirtschaftliche Erholung voran. Die deutsche Wirtschaft erlebt nach der Krise sogar den größten Boom seit Langem.

Der weltweite Konjunkturaufschwung treibt auch die Rohstoff- und Energienachfrage in die Höhe. Der Erdölpreis hat seit Januar um 30 Prozent zugelegt. Ein Barrel Brent-Öl kostet derzeit rund 123 Dollar. Zusätzlich angefacht wird der Preisauftrieb durch Ängste vor Versorgungsproblemen infolge der Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten. All das hat das Thema Inflation stark in den Blickpunkt gerückt und die Währungshüter der Eurozone jüngst zu einer Zinserhöhung bewogen.

Was EZB-Chef Jean-Claude Trichet einschreiten lässt – eine Inflationsrate von 2,6 Prozent –, wäre für seine Kollegen in Asien und Latein­amerika ein Traum an Preisstabilität. In den sogenannten BRIC-Ländern – Brasilien, Russland, Indien und China – hat die Teuerungsrate längst schon Werte zwischen fünf und zehn Prozent erreicht. Immer deutlicher zeigen sich dort die Schattenseiten starken Wachstums, das aufgrund der Niedrigzinspolitik in den Industrieländern auch von ausländischem Kapital befeuert wird.


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Speziell in Indien und China bereiten die stark gestiegenen Preise für Lebensmittel den jeweiligen Regierungen Kopfzerbrechen. Denn Nahrungsmittel machen dort fast 50 Prozent des Warenkorbs aus, der für die Inflationsmessung herangezogen wird. Zum Vergleich: In der Eurozone sind es nur rund zehn Prozent. Starke Preisanstiege bei diesen lebenswichtigen Gütern lassen die ohnehin knappen Einkommen großer Teile der Bevölkerung weiter schrumpfen. Die Gefahr sozialer Unruhen wächst, wie nicht zuletzt die Aufstände in Ägypten zeigten, denen massive Preiserhöhungen bei Brot, Reis und Bohnen vorangegangen waren.

So versucht China mit aller Macht, die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Viermal hob die Zentralbank seit Oktober 2010 schon den Leitzins an – zuletzt am Mittwoch um 25 Basispunkte auf 6,31 Prozent. Die Verbraucherpreise waren im Riesenreich nach amtlichen Angaben zuletzt um 4,9 Prozent gestiegen. Das Inflationsziel der Regierung liegt bei vier Prozent.

Bereits im Frühjahr 2010 begannen Indien und Brasilien, die Zinsen heraufzusetzen. Auf dem Subkontinent sind sie nach acht Erhöhungen aktuell bei 6,75 Prozent angekommen. Allein: Die Verbraucherpreise legten im Februar um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Auch in Brasilien, der mittlerweile fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt, zog die Inflationsrate zuletzt auf mehr als sechs Prozent an. Und das, obwohl die Notenbank ihren Referenzzinssatz in den vergangenen zwölf Monaten um drei Prozentpunkte auf mittlerweile 11,75 Prozent erhöht hat.

Am stärksten unter den BRIC-Nationen ist jedoch Russland von der Inflation betroffen. Das Land wurde im Herbst vergangenen Jahres von heftigen Waldbränden heimgesucht und litt in der Folge unter explodierenden Nahrungsmittelpreisen. Mittlerweile liegt die Teuerungsrate bei annähernd zehn, der Leitzins bei acht Prozent. Doch hohe Inflation und Zinsen sind nicht der entscheidende Faktor für den rohstofflastigen russischen Aktienmarkt. Wichtiger ist der Ölpreis, der die Börse in den letzten Monaten befeuerte.

In China, Indien und Brasilien ist ein Umfeld steigender Zinsen wesentlich problematischer. Denn es schürt die Furcht vor Wachstumseinbrüchen, weil Inlandskonsum und Investitionen leiden könnten. Dementsprechend erlebten Anleger an diesen Börsen seit Anfang 2010 wahre Achterbahnfahrten.

Allen drei Aktienmärkten gemeinsam ist, dass sie einen ziemlich schlechten Start ins neue Jahr hatten. Der Ausbruch der Unruhen in Nordafrika Mitte Januar rückte bei Anlegern wieder die Gefahren von Schwellenländerinvestments in den Blickpunkt. Viele Investoren zogen sich in der Folge aus Risikopositionen zurück, zu denen auch Aktien der BRIC-Länder zählen. Im ersten Quartal flossen nach Daten der Analysefirma EPFR Global 24,5 Milliarden US-Dollar aus Schwellenländer-Aktienfonds – davon rund zwei Milliarden Dollar aus BRIC-Fonds. Das waren die stärksten Abflüsse seit dem dritten Quartal 2008.

Doch zuletzt wendete sich das Blatt wieder. In der letzten März-­Woche verbuchten Aktienfonds der Emerging Markets Zuflüsse von 2,6 Milliarden Dollar – das ist der höchste Wert seit der ersten Januar-Woche. Anleger sind offenbar bereit, wieder mehr Risiko einzugehen. Ihre Annahme: Die an Schwung gewinnende globale Erholung lässt auch die Gewinne der Unternehmen in den Schwellenländern steigen. Vor allem die zuletzt überraschend gut ausgefallenen US-Arbeitsmarktzahlen schürten Zuversicht. Zudem rechnen einige Ökonomen damit, dass der Inflationsdruck noch in diesem Jahr nachlässt. „Die Geldpolitik greift, sodass ab dem zweiten Halbjahr keine weiteren Maßnahmen der Notenbanken mehr nötig sein werden“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank.

Den Höhepunkt des Preisauftriebs bei Energie- und Nahrungsmitteln sieht der Ökonom überschritten. Zudem geht er davon aus, dass auch der Ölpreis im Lauf des Jahres wieder zurückgeht. Notierungen um die 100 Dollar hält er für konjunkturell angemessen. „Momentan ist im Ölpreis eine hohe Risikoprämie enthalten. Verschwindet die, wird auch viel Inflationsdruck wegfallen.“

Doch noch zeichnet sich keine Lösung im Libyen-Konflikt und keine Entspannung bei den Ölpreisen ab. „Mit taktischen, kurzfristigen Engagements in den BRIC-Nationen sollten sich Anleger deshalb zurückhalten“, so Zeuner. Langfristig seien ­diese Länder aber ein klares strategisches Investment. „China, Indien und Brasilien entwickeln sich deutlich dynamischer als die etablierten Volkswirtschaften“, sagt Zeuner.

Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet bei den BRIC-Ländern mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 8,6 Prozent in diesem und 8,2 Prozent im kommenden Jahr. Den globalen BIP-Zuwachs prognostizieren die Experten mit 4,8 Prozent in 2011 und fünf Prozent in 2012.

Angesichts dieses Wachstumsvorsprungs kommen Anleger nicht an diesen Ländern vorbei. Doch sollten sie in den kommenden Monaten auch die US-Notenbankpolitik verfolgen. Im Juni endet das Anleihekaufprogramm der Fed, und sollte der US-Aufschwung sehr stark ausfallen, könnte die Fed die Zinsen früher anheben als gedacht. Das würde US-Dollaranlagen attraktiver machen und könnte Kapital aus Schwellenländern abziehen. Auch BRIC-Anleger müssen eben mehr denn je über den Tellerrand gucken.

Investor-Info

BRIC-Börsen
Russland toppt den Rest

Mit russischen Aktien konnte man seit Januar 2010 im Schnitt 30 Prozent Gewinn einfahren. Die Börsenindizes der anderen BRIC-Staaten wiesen aufgrund von Inflationsbefürchtungen und Zinserhöhungen eine deutlich geringere Dynamik auf. (pg)

HSBC BRIC Equity
Timberlake macht die Musik

Seit 2005 wird der Fonds HSBC BRIC Equity von Nick ­Timberlake gemanagt. Seither gehört sein Portfolio zu den besten BRIC-Fonds. Neben der Gewichtung der einzelnen Regionen im Portfolio stehen die Bewertungen der Unternehmen im Vordergrund. Mit knapp einem Drittel sind zurzeit russische Aktien am stärksten gewichtet. Größter Wert ist Russlands Energiegigant Gazprom. Wer den Fonds an der Hamburger Börse ordert, umgeht die hohen Mindestanlagesumme. (pg)

Market Access DAXglobal BRIC
Günstiger BRIC-Einstieg

Börsennotierte Indexfonds (ETFs) bieten einen kostengünstigen Weg, vom Wachstumspotenzial der Schwellenländer zu profitieren. Der ETF Market Access DAXglobal BRIC etwa enthält die 40 größten und liquidesten Unternehmen aus den BRIC-Staaten. Jedes Land ist mit zehn Unternehmen im Fonds vertreten. (pg)

Julius Bär EM Infl. Linked Bond
Gewinne durch steigende Preise

Wer vom generellen Inflationstrend in den Schwellen­ländern profitieren möchte, dem empfiehlt sich der ­Julius Bär Emerging Market Inflation Linked Bond Fund. Der Fonds investiert in Anleihen, deren Verzinsung direkt von den Teuerungs­raten in den jeweiligen Emittentenländern abhängt. So wird in jedem Fall eine reale Verzinsung erreicht. Zur Beimischung. (pg)

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