18.04.2014 15:00

Mauna Kea Technologies: Geschärfter Blick

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Das französische Medizintechnik-Unternehmen Mauna Kea Technologies will die Diagnose von Krebs schneller und verlässlicher machen. Die Technologie ist weltweit einzigartig.
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von Julia Groß, Euro am Sonntag

Dem Klischee des schluffigen Physikers mit Kassenbrille und Polyacrylpulli entspricht Sacha Loiseau so gar nicht. Vielleicht mit ein Grund, warum der Liebhaber auffälliger Einstecktücher eine Karriere als Wissenschaftler im NASA-Forschungslabor an den Nagel hängte, um in Paris ein Medizintechnikunternehmen zu gründen.

Das war vor 14 Jahren. Jetzt ist seine Firma Mauna Kea Technologies in eine entscheidende Phase eingetreten: Die ersten 350 Instrumente für optische Biopsien sind verkauft, die nötigen Zulassungen und Er­stattungszusagen für den wichtigen US-Markt haben die Franzosen erhalten. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob das Produkt auch ein kommerzieller Erfolg wird. Eine interessante Einstiegsmöglichkeit für risikobereite Anleger.

Vom Weltall auf die Zellebene
In der winzigen Einbahnstraße in der Nähe des Gare de l’Est erinnert nur noch der Name an der Tür an Loiseaus Vergangenheit als Astrophysiker: Mauna Kea heißt ein Vulkan auf Hawaii, auf dessen 4.200 Meter hohem Gipfel eine Reihe von Teleskopen stehen. Aufgrund der dünnen, sauberen Luft lässt sich der Weltraum hier in extrem hoher Auflösung beobachten.

Vergleichbar exzellente Bedingungen will Mauna Kea Technologies auch für die Untersuchung innerer Organe schaffen. Das sogenannte Cellvizio soll zum Beispiel die Dia­gnose von Krebs und Krebsvorstufen erheblich sicherer und schneller machen. Dazu werden die dünnen, flexiblen Cellvizio-Sonden mit handelsüblichen Endoskopen kombiniert.

Bei Untersuchungen wie Magen-, Darm- oder Blasenspiegelungen führt der Arzt den Endoskopschlauch in die Organe ein und kann sie von innen betrachten. Allerdings lassen sich verdächtige Veränderungen im Gewebe mit diesem Verfahren bisher nicht immer erkennen, häufig müssen kleine Proben entnommen werden. Diese Biopsien schicken Ärzte ins Labor, wo sie aufgearbeitet und unter dem ­ Mikroskop untersucht werden. "Das Warten auf das Ergebnis dauert mitunter Wochen. Ergibt sich dabei ein Tumor, muss erneut gespiegelt werden, um die Stelle wiederzufinden und zu entfernen", erklärt Loiseau.

Die Cellvizio-Sonde aber macht das Endoskop gleichzeitig zum Mi­kroskop: Der Arzt setzt das kombinierte Instrument einfach auf die Oberfläche des Gewebes und sieht eine Vergrößerung auf Zellebene. Er kann auf der Stelle entscheiden, ob bösartige Veränderungen vorliegen - und diese gegebenenfalls auch sofort mit einer Mikrozange entfernen. "Das ist eine weltweit einzigartige Technologie", sagt Justin Smith, Analyst bei der Société Générale. Inzwischen ist das System für eine Vielzahl von Anwendungen im Verdauungstrakt und in der Lunge zugelassen.

US-Vertrieb restrukturiert
Auf dem wichtigsten Markt, den USA, hat Mauna Kea erstaunlich schnell auch die nötigen Abrechnungscodes für den Einsatz von Cellvizio erhalten - drei Jahre früher, als es der Société-Générale-Experte erwartet hatte. Das Verfahren wird von der staatlichen Versicherung Medicare in allen Staaten außer Florida übernommen. Jetzt kommt es ganz auf Marketing und Vertrieb an. Der erste Versuch verlief nicht optimal, die Franzosen haben ihre Verkaufsmannschaft neu aufgestellt und versuchen nun, über die Meinungsführer unter den Ärzten den Fuß in die Tür zu bekommen. "Das ist grundsätzlich die richtige Strategie", glaubt Cyrill Zimmermann von Adamant Biomedical Investments, einer auf den Gesundheitsmarkt spezialisierten Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft. "Im vierten Quartal dürfte sich zeigen, ob es funktioniert." Mit schwarzen Zahlen rechnen Analysten ab 2016.

Übernahme möglich
Momentan stammen noch rund drei Viertel von Mauna Keas Umsatz (zehn Millionen Euro 2013) aus dem Verkauf von Instrumenten. Die Franzosen müssen es nun schaffen, die Basis der installierten Systeme flächendeckend zu verbreitern. Dann sollten Verbrauchsmaterialien wie die einzelnen Sonden und Serviceleistungen zu den Hauptumsatzträgern werden. Dieser Übergang dürfte auch die Übernahmefantasie erhöhen. Für die Marktführer im Endoskopiebereich - Olympus, Pentax und Fujifilm - ist Cellvizio eine attraktive Ergänzung.

Eine große Chance sieht Zimmermann in urologischen Anwendungen, vor allem in der Integration von Cellvizio in das verbreitete Roboteroperationssystem Da Vinci. Dank der hochauflösenden Cellvizio-Bilder könnten Ärzten während einer OP besser zwischen gut- und bösartigem Gewebe unterscheiden. Das hilft, das Risiko von Impotenz oder Inkontinenz bei Eingriffen an Prostata oder Blase zu minimieren. "Ein echter Vorteil für den Patienten, da keine weiteren Abklärungen und Warte­zeiten notwendig sind und sich die Operationsqualität verbessern sollte", sagt Zimmermann. "Da sehe ich ein hohes Nachfragepotenzial."

Investor-Info

Mauna Kea Technologies
Spannende Wette

Die Franzosen befinden sich in einer interessanten Übergangsphase. In den kommenden Monaten muss der Sprung zur flächendeckenden Verbreitung der Anwendung gelingen. Die Firma ist mit 180 Millionen Euro schon recht hoch bewertet, der Umsatz betrug 2013 zehn Millionen Euro. Allerdings hat die Technologie großes Potenzial, auch Übernahme­fantasie ist vorhanden. Spekulativer Kauf.

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