KONJUNKTUR IM BLICK/EZB bestätigt Geldpolitik - Stärkeres US-Jobwachstum
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Zwei Zentralbanken und ein Arbeitsmarktbericht - so könnte man die Agenda der kommenden Woche zusammenfassen. Nachdem die US-Notenbank ihre Geldpolitik erwartungsgemäß unverändert gelassen hat, dürften am Donnerstag Bank of England (BoE) und Europäische Zentralbank (EZB) Gleiches beschließen - wobei die Situation der EZB ungleich komfortabler ist als die der BoE. Nach "harten" deutschen Konjunkturdaten für Dezember endet die Woche am Freitag mit den US-Arbeitsmarktzahlen für Januar, die ihrerseits mit Blick auf geldpolitische Implikationen analysiert werden dürften.
EZB lässt Leitzins unverändert und fühlt sich weiter gut aufgestellt
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte am Donnerstag beschließen, seine Geldpolitik unverändert zu lassen. Die Zinsentscheidung wird am Donnerstag (14.15 Uhr) kommuniziert, die Pressekonferenz mit Lagarde beginnt gegen 14.45 Uhr. Analysten erwarten, dass der Leitzins von 2,00 Prozent bestätigt werden wird und ebenso die Einschätzung, dass die EZB mit ihrer aktuellen geldpolitischen Ausrichtung gut positioniert sei, die weiteren Entwicklungen abzuwarten. Die sind durchaus ungewiss. Die EZB betont, dass neben einem relativ optimistischen Basisszenario mit mittelfristig 2 Prozent Inflation auch andere Szenarien denkbar seien, die nicht außer Acht gelassen werden dürften.
Wie fragil etwa die Zolleinigung mit den USA ist, zeigte die Drohung von US-Präsident Donald Trump, Europa mit neuen Strafzöllen einen Verzicht Dänemarks auf Grönland abzutrotzen. Auch die rasche Aufwertung des Euro dürfte der EZB zunehmend Sorgen bereiten. Handelsgewichtet befindet sich der Wechselkurs nämlich auf einem Allzeithoch. Lagarde hat allerdings deutlich gemacht, dass es für eine weitere Leitzinssenkung, die einige Beobachter erwarten, eine massiv negative Entwicklung bräuchte. Und von den bis zur Ratssitzung anstehenden Daten - Quartalsbericht zur Kreditvergabe und Verbraucherpreise - sind solche Überraschungen nicht zu erwarten.
EZB veröffentlicht Quartalsbericht zur Kreditvergabe
Die Kreditvergabe der Banken ist der wichtigste Transmissionsriemen der EZB-Geldpolitik. Deshalb findet der quartalsweise veröffentlichte Bericht zur Kreditvergabe weithin Beachtung. Im dritten Quartal hatten die Banken des Euroraums ihre Kreditstandards entgegen den Erwartungen gestrafft, während die Kreditnachfrage schwächer als erwartet zunahm. Auslöser dieser Entwicklung waren die unsicheren weltpolitischen Rahmenbedingungen, die vor allem deutschen Banken auf den Magen schlugen, während Frankreich, Italien und Spanien keine Veränderungen meldeten. Für das nun anstehende vierte Quartal (Veröffentlichung Dienstag, 10.00 Uhr) hatten die Institute unveränderte Kreditstandards in Aussicht gestellt und eine unveränderte Kreditnachfrage prognostiziert.
Euroraum-Inflation sinkt im Januar etwas
Der Inflationsdruck im Euroraum dürfte im Januar etwas abgenommen haben. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen erwarten, dass die Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 1,8 (Dezember: 1,9) Prozent gestiegen sind. Die Inflationsrate pendelt seit einiger Zeit um die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent. Besonderes Augenmerk liegt auf den Dienstleistungspreisen, deren Inflationsrate nur sehr langsam gesunken ist, und auf den Energiepreisen, deren negative Jahresveränderungsrate maßgebliche Ursache der eingedämmten Inflation ist. Die Daten werden am Mittwoch (11.00 Uhr) veröffentlicht.
Deutsche Produktion sinkt im Dezember
Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschlands dürfte im Dezember leicht gesunken sein. Volkswirte erwarten, dass der Output von Industrie, Bau- und Energiewirtschaft gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gesunken ist. Im Oktober hatte die Produktion um 2,0 Prozent zugelegt und im November um 0,8 Prozent. Mit den Dezember-Daten rundet sich nun das Bild für das vierte Quartal, wobei bereits bekannt ist, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt um 0,3 Prozent gestiegen ist. Die Daten werden am Freitag (8.00 Uhr) veröffentlicht, zusammen mit denen zum Außenhandel. Bereits am Donnerstag (8.00 Uhr) kommen Auftragseingang und Industrieumsatz.
US-Beschäftigungswachstum nimmt im Januar etwas zu
Die Beschäftigung in den USA dürfte im Januar etwas stärker als zuvor zugenommen haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft gegenüber dem Vormonat um 80.000 zugenommen hat - nach einen Zuwachs von 50.000 im Dezember. Unklar ist, wie stark Kälte und Schneestürme die Aktivität am Arbeitsmarkt beeinflusst haben. Die Arbeitslosenquote sehen die Analysten unverändert 4,4 Prozent und für die Stundenlöhne wird ein monatlicher Zuwachs von 0,3 (0,3) Prozent prognostiziert.
Bank of England hält Leitzins stabil
Ökonomen erwarten, dass die BoE bei ihrer anstehenden Sitzung den Leitzins bei 3,75 Prozent belässt. Nach der nur noch mit knapper Mehrheit beschlossenen Zinssenkung im Dezember signalisierte das Sitzungsprotokoll eine Verlangsamung des Lockerungstempos. Es wird voraussichtlich zu einem geteilten Abstimmungsergebnis (7-2 oder 6-3) kommen, wobei Swati Dhingra und Alan Taylor voraussichtlich für eine Senkung votieren werden, während die Führungsriege um Gouverneur Andrew Bailey eine Pause favorisiert dürfte.
Trotz rückläufigen Lohnwachstums und sinkender Inflationserwartungen mahnen robuste Konjunkturdaten zur Vorsicht. Die Ratsmitglieder dürften ihre Einschätzung bekräftigen, dass der Zinspfad zwar abwärts führt, jede Entscheidung jedoch eine knappe Sache bleiben dürfte. Eine weitere Senkung um 25 Basispunkte wird erst für die März-Sitzung erwartet. Die Zinsentscheidung wird am Donnerstag (13.00 Uhr) mitgeteilt.
Opec+ entscheidet über Förderpolitik
Die Organisation Erdöl exportierender Länder und ihre Verbündeten (Opec+) entscheiden an diesem Sonntag über ihre kurzfristige Förderpolitik. Früher geplante Förderausweitungen hatten sie wegen des Ölpreisrückgangs zwischenzeitlich eingestellt. Anfang Januar hatte das erweiterte Kartell beschlossen, die Produktion im Februar und März unverändert zu lassen.
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
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January 30, 2026 10:11 ET (15:11 GMT)