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04.07.2013 21:44

Fischindustrie boomt: Attraktive Aktien angeln

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Die Nachfrage nach dem proteinhaltigen Lebensmittel steigt, doch das Angebot aus den Weltmeeren stagniert. Um die Lust nach Fisch zu stillen, gewinnt die Zucht der Tiere an ­Bedeutung.
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von Astrid Zehbe, Euro am Sonntag

Die erste Auktion des Jahres auf dem Tokioter Tsukiji-Markt hat es traditionell in sich: Dann geht es auf dem weltgrößten Fischmarkt nicht darum, wie viel für den zum Verkauf stehenden Blauflossenthunfisch bezahlt wird, sondern wer bereit ist, ein Vielfaches des üblichen Marktpreises für den vom Aussterben bedrohten Edelfisch zu blechen. In den vergangenen Jahren hat stets einer das Rennen gemacht: Kiyoshi Kimura, Chef einer großen japanischen Sushikette, für den die Fischauktion vor allem eins ist: ein grandioser Marketing-Coup. Anfang Januar bezahlte er für ein 222 Kilo schweres Exemplar umgerechnet 1,3 Millionen Euro. Fast dreimal so viel wie noch im Jahr zuvor. Rekord.

Von diesem Niveau sind die marktüblichen Fischpreise zwar meilenweit entfernt, doch der Trend ist klar: Fisch wird teurer. Mitte Juni ist der von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berechnete Fischpreisindex auf ein neues Allzeithoch geklettert. Die wachsende Lust auf Fisch und das bei vielen Arten knappe Angebot macht die Branche zu einem lukrativen Zukunftsmarkt.

Besonders in Schwellenländern boomt die Nachfrage. Der wirtschaftliche Aufstieg von Hunderten Millionen Menschen lässt den Appetit steigen. Vor allem in asiatischen und südamerikanischen Ländern nimmt der Verbrauch zu. Doch auch in der westlichen Welt erfreut sich das proteinhaltige Nahrungsmittel aus Gesundheitsgründen immer größerer Beliebtheit: Es ist kalorienärmer als Fleisch, gut verdaulich und die in Fisch reichlich vorhandenen Omega-3-Fettsäuren schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Heute beträgt der globale Fischkonsum 128 Millionen Tonnen im Jahr — pro Kopf sind das durchschnittlich 18,4 Kilogramm. Vor 50 Jahren waren es noch knapp zehn Kilo. Prognosen der FAO zufolge könnte jeder Mensch im Jahr 2020 durchschnittlich mehr als 20 Kilogramm Fisch verspeisen.

Neue Wege in der Zucht
Mit klassischem Fischfang ist die Nachfrage längst nicht mehr zu befriedigen: Seit Jahren liegt die Fangquote bei relativ stabilen 90 Millionen Tonnen Fisch im Jahr, von denen allerdings nur 60 Millionen tatsächlich auf den Tellern der Verbraucher landen. Der Rest ist Ausschuss oder wird weiterverarbeitet zu Futtermitteln wie Fischöl oder Fischmehl. Angesichts von Fangquoten und Überfischung vielerorts lässt sich die Menge auch kaum noch steigern. Ganz im Gegenteil: Viele Arten, darunter auch der Blauflossenthunfisch, sind vom Aussterben bedroht.

Um den stetig wachsenden Hunger der Weltbevölkerung nach Fisch dennoch zu stillen, gewinnt das sogenannte Aquafarming an immer größerer Bedeutung. Darunter versteht man die kontrollierte Aufzucht von im Wasser lebenden Organismen wie Fischen, Muscheln, Krebsen oder Algen. Seit 2009 kommt mehr als die Hälfte des weltweit konsumierten Fischs aus diesen Wasserfarmen. Vor allem Süßwasserfische, die oft in großen Teichanlagen gehalten werden, stammen aus der Zucht. Doch auch die Produktion von Salzwasserfischen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Bislang ist es so, dass die Fische zunächst in Binnengewässern- oder Teichen heranwachsen. Ist eine bestimmte Größe erreicht, werden die Tiere in riesige Netzgehege im offenen Meer umgesetzt. Dort bleiben sie bis zur Schlachtreife. Um qualitativ hochwertige Fische heranzuziehen und zusätzlich auch Kosten zu sparen, versuchen die Züchter, den Lebensraum der Fische möglichst genau nachzubilden.

Ein Beispiel dafür ist das Forschungszentrum im norwegischen Ålesund. Dort, wo zahlreiche Fischereiunternehmen angesiedelt sind, erforscht das Münchner Gasunternehmen Linde, wie sich ideale Zuchtbedingungen umsetzen lassen. Vor allem bei der Sauerstoff­versorgung besteht Verbesserungsbedarf, da oft Tausende Fische auf engstem Raum gehalten werden. Weil sich das Gas im Wasser schlecht löst, hat Linde ein Verfahren entwickelt, mit dem reiner Sauerstoff in die Becken gepumpt wird und sich gleichmäßig unter geringem Energieaufwand verteilt.

Die Massentierhaltung unter Wasser hat sich zu einem gigantischen Geschäft entwickelt. 130 Milliarden Dollar soll das Handelsvolumen für gezüchteten Fisch Schätzungen zufolge dieses Jahr erreichen. 30 Milliarden Dollar mehr als noch vor fünf Jahren. Seit den 60er-Jahren ist die Fischproduktion pro Jahr im Schnitt um fast neun Prozent gestiegen — zweimal dynamischer als in der Fleischbranche. Gleichzeitig sind die Produktionskosten niedriger. Um ein Kilo Fisch zu züchten, ist ein Kilo Futtermittel nötig. Bei Fleisch ist es ein Vielfaches mehr.

Milliardengeschäfte im Meer
Es sind vor allem norwegische Unternehmen, die in der Fischzucht den Ton angeben. Firmen wie Marine Harvest, Cermaq oder Leroy machen jedes Jahr Milliardenumsätze mit dem Handel von Fischen und Futtermitteln. Wie heiß umkämpft der Markt ist, zeigt der jüngste Übernahmeversuch der weltweit unangefochtenen Nummer 1 im Geschäft: Marine Harvest.

Das Unternehmen, das vor allem im Lachsgeschäft zu Hause ist, hat versucht, seinen Konkurrenten Cermaq zu übernehmen. Das ebenfalls in Norwegen ansässige Unternehmen ist nicht nur Züchter, sondern produziert auch Futtermittel. Gerade letzterer Bereich wäre für den Platzhirsch eine lohnenswerte Erweiterung gewesen, um unabhängiger am Markt agieren zu können. Ende Mai hat Marine Harvest darum ein Übernahmeangebot für Cermaq in Höhe von 1,3 Milliarden Euro vorgelegt. Gleichzeitig zeigten die Beteiligungsgesellschaften Bain Capital und Altor Interesse, die Fischzuchtsparte von Cermaq für 825 Millionen Euro zu kaufen. Angesichts der Spartengröße war dies ein deutlich attraktiveres Angebot als die Offerte von Marine Harvest für den Gesamtkonzern.

Mehr bieten wollte das Unternehmen aus Bergen jedoch nicht. Stattdessen verkaufte das Management von Marine Harvest vergangene Woche den Großteil der Cermaq-Aktien und plant, mit den mehr als 40 Millionen erlösten Euro ab sofort vierteljährlich eine Dividende auszuzahlen. Das Unternehmen kann es sich leisten: Die Lachspreise befinden sich nach mageren Jahren wieder auf hohem Niveau und sollen gegenüber dem Vorjahr um mehr als ein Viertel steigen. Auch für den gesamten Fischmarkt ist die FAO optimistisch: Bis 2021 soll sich der Rohstoff um fast die Hälfte verteuern. Eine Tonne Fisch könnte dann im Schnitt 2.500 Dollar kosten. Für Investoren bietet dieses Szenario interessante Anlagechancen (siehe Investor-Info).

Das beste Investment ist jedoch das von Kiyoshi Kimura. Weil der erste auf dem Tsukiji-Markt ersteigerte Fisch des Jahres in Japan als Glücksbringer gilt, hätte der Geschäftsmann die umgerechnet 6.000 Euro pro Kilo Blauflossenthun­fisch gar nicht besser anlegen können. Denn Glück ist ja bekanntlich unbezahlbar.

Investor-Info

FischpreisIndex
Fisch wird immer teurer

Fisch und Meeresfrüchte werden teurer. Vor allem bei einzelnen Arten steigen die Preise. So kostet Thunfisch zwölf Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Für Shrimps und Austern müssen Verbraucher 20 Prozent tiefer in die Tasche greifen, für Lachs gar 27 Prozent.

Marine Harvest
Brummendes Lachsgeschäft

Auch 2014 dürften die Lachspreise steigen. Grund sind die mäßigen Wachstumsraten beim Lachsrohwarenangebot bei gleichzeitig stark steigender Nachfrage. Wegen des gescheiterten Übernahmeangebots hat die Aktie des Lachsunternehmens Marine Harvest Federn gelassen. Abwarten.

Cermaq
Die Kombination macht’s

Die zwei Geschäftssparten Fischzucht und Futtermittel machen Cermaq weniger krisenanfällig als reine Fischzuchtunternehmen wie den Wettbewerber Marine Harvest. Nicht umsonst wird das Unternehmen immer wieder als potenzieller Übernahmekandidat gehandelt. Als Beimischung geeignet.

DJE Agrar & Ernährung
Viel Fisch im Fonds

Der DJE Agrar & Ernährung investiert in Unternehmen, die direkt oder indirekt in einem oder mehreren Bereichen der Nahrungsmittelkette tätig sind. Neben Marine Harvest und Cermaq sind weitere Unternehmen aus dem Bereich Fischzucht im Portfolio. Seit 2011 hat der Fonds um 60 Prozent zugelegt. Trotz Einbruch seit Mai ein empfehlenswerter Fonds.

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