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23.09.2020 17:57

ams und OSRAM einigen sich auf Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag - OSRAM-Aktien beflügelt

Nach Übernahme: ams und OSRAM einigen sich auf Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag - OSRAM-Aktien beflügelt | Nachricht | finanzen.net
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Der Sensorenhersteller ams hat nach der im Juli abgeschlossenen Übernahme des deutschen Lichtkonzerns OSRAM mit diesem einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BGAV) abgeschlossen.
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Nach der bereits im Juli abgeschlossenen Mehrheitsübernahme des angeschlagenen Lichtkonzerns OSRAM treibt der österreichische Sensorspezialist ams die Integration weiter voran. Mit dem Traditionsunternehmen aus München sei nun ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BGAV) abgeschlossen worden, teilte ams am Dienstagabend in Premstätten in der Steiermark mit.

Mit dem erwarteten Schritt will ams-Chef Alexander Everke seinen Plan umsetzen, gemeinsam mit OSRAM einen europäischen Weltmarktführer für Sensoriklösungen und Photonik zu schmieden. OSRAM selbst stellte unterdessen die Anleger für das bald anbrechende neue Geschäftsjahr auf eine deutliche Verbesserung seiner Kennziffern ein.

ams hält derzeit rund 71 Prozent der Anteile an OSRAM. Dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag muss von mindestens 75 Prozent der anwesenden OSRAM-Aktionäre auf einer außerordentlichen Online-Hauptversammlung zugestimmt werden, die am 3. November einberufen wird. Zudem muss ein zuständiges Gericht den BGAV noch eintragen. ams zeigte sich zuversichtlich, die notwendige Zustimmung der Anteilseigner zu erhalten und bietet ihnen eine Barabfindung in Höhe von 44,65 Euro je Aktie an.

Der BGAV beinhaltet zudem eine jährliche Ausgleichszahlung an die verbliebenen Anteilseigner von 2,24 Euro pro Aktie. Dieser Nettobetrag werde unter Vorbehalt von persönlichen Steuern an die OSRAM-Aktionäre ausbezahlt.

Aus Sicht von Everke wird der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag "die schnelle und erfolgreiche Integration von ams und OSRAM in ein zusammengeführtes Unternehmen ermöglichen, das profitables Wachstum auf langfristiger Basis bietet". Everke sprach mit Blick auf den Vertrag von einem "wichtigen Schritt".

Von der Abführung künftiger OSRAM-Gewinne erhofft sich die deutlich kleinere ams eine Menge. Während die Geschäfte bei den Österreichern derzeit gut laufen, steckt OSRAM dagegen nicht erst seit der Corona-Krise in Schwierigkeiten. Schon vor der Pandemie bekam der Leuchtenhersteller unter anderem die anhaltend maue Autokonjunktur zu spüren und schrieb zuletzt tiefrote Zahlen.

Allerdings überraschten die Münchner vergangene Woche kurz vor Ablauf ihres Geschäftsjahrs 2019/2020 (Ende September) mit einer neuen und optimistischeren Prognose. So soll Umsatz im Vergleich zum Vorjahr nun etwas weniger stark zurückgehen als bisher angenommen und die bereinigte Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ebenfalls besser ausfallen als zunächst gedacht. OSRAM begründete dies mit zuletzt wieder besser laufenden Geschäften in China und den USA. Vor allem die Geschäftsbereiche Automotive und Opto Semiconductors hätten von einer verbesserten Lage in den Kernmärkten profitiert, hieß es.

Am Dienstagabend wagte OSRAM zudem bereits eine Prognose für das am 1. Oktober beginnende neue Geschäftsjahr 2020/2021. Demnach rechnet der Lichtkonzern mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum zwischen 6 und 10 Prozent sowie einer bereinigten Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 9 bis 11 Prozent. Damit würde sich OSRAM bei beiden wichtigen Kennziffern klar verbessern.

Der freie Barmittelzufluss (Free Cashflow) wird zudem im ausgeglichenen bis niedrig zweistellig positiven Millionen-Euro-Bereich erwartet. Der Free Cashflow ist vor allem für Investoren und Analysten wichtig, da er Aufschluss über die Finanzkraft eines Unternehmens gibt. Ist er negativ, wird quasi Geld verbrannt. OSRAM betonte im Hinblick auf den Ausblick allerdings, dass mögliche wirtschaftliche Folgen einer erneut verschärften Pandemielage darin nicht berücksichtigt seien.

ams-Chef Everke hatte die OSRAM-Übernahme gegen Widerstände der IG Metall und des OSRAM-Betriebsrats durchgesetzt, die unter anderem eine Zerschlagung des Konzerns und einen Stellenabbau befürchten. Dem milliardenschweren Deal waren Monate der Ungewissheit vorausgegangen. Nachdem ams Ende vergangenen Jahres im zweiten Anlauf die Mindestannahmeschwelle übersprungen hatte und einen Bieterkampf mit US-Finanzinvestoren für sich entscheiden konnte, sorgte die Corona-Krise bei Marktbeobachtern bis in den Sommer für Zweifel, ob die Übernahme überhaupt gelingen würde.

Zwischenzeitlich waren die Aktienkurse von OSRAM und ams abgestürzt. Anfang Juli konnte ams aber doch Vollzug melden, nachdem die EU-Wettbewerbshüter den Deal ohne Auflagen gebilligt hatten.

Hohe Ausgleichszahlung von ams beflügelt OSRAM-Aktien

Die laufende Integration von OSRAM in den österreichischen ams-Konzern scheint sich für die Anleger des deutschen Lichtkonzerns auszuzahlen. Nachdem die Österreicher den noch verbliebenen Aktionären von OSRAM überraschend hohe Ausgleichszahlungen angeboten hatten, schnellten die OSRAM-Aktien am Mittwoch via XETRA letztlich um 14,10 Prozent auf 49,52 Euro in die Höhe.

Damit notieren die OSRAM-Anteilsscheine mit einem Schlag wieder auf dem Niveau von Juni 2018. Zugleich hatten sie damit auch die Nase im festen Mittelwerte-Index MDAX klar vorn.

Händler zeigten sich entsprechend erfreut, da die OSRAM-Aktien am Dienstag im Xetra-Handel bei 43,40 Euro und damit unter der nun angebotenen Barabfindung geschlossen hatten. Ein Börsianer sagte, für die OSRAM-Anleger ergebe sich auf Basis der angebotenen Brutto-Kompensationszahlung eine sehr attraktive Aktienrendite - im Vergleich zu den Renditen von Anleihen anderer Autozulieferer mit Fälligkeiten in den Jahren 2026 und 2027.

Auch Analyst Mark Diethelm von der Bank Vontobel geht davon aus, dass ams auf der außerordentlichen OSRAM-Hauptversammlung die nötige Zustimmung für den Vertrag erzielen kann. Zwar seien die Barabfindung und die jährliche Ausgleichszahlung etwas höher ausgefallen als ursprünglich gedacht, nach der jüngsten Prognose-Erhöhung von OSRAM allerdings hätten diese angebotenen Zahlungen auch nicht überrascht. Diethelm geht davon aus, dass ams in nächster Zeit die Beteiligung weiter erhöhen wird, um mittelfristig die Minderheitsaktionäre aus OSRAM herausdrängen zu können.

Ähnlich äußert sich sein Kollege Andreas Müller von der Zürcher Kantonalbank. Der etwas höhere Abfindungspreis könne dazu führen, dass möglicherweise etwas mehr Aktien angedient werden, als er geschätzt habe. Die jährliche Abgeltung werde angesichts des Gewinnpotenzials der ams-Gruppe über die Jahre eine kleine Belastung darstellen. Vor diesem Hintergrund verzeichneten auch die in Zürich gelisteten Aktien von ams Gewinne von zuletzt immerhin 4,5 Prozent.

Die OSRAM-Papiere wiederum haben mit dem Sprung an diesem Mittwoch die Kursdelle vom März diesen Jahres endgültig ausgebügelt. Seinerzeit hatte eine Gewinnwarnung die Aktien auf ein Rekordtief von 20,50 Euro einbrechen lassen. Vom Anfang 2018 erreichten Rekordhoch bei 79,58 Euro aber sind die Papiere noch weit entfernt.

Auch aus charttechnischer Sicht haben sich die Perspektiven für den OSRAM-Kurs nun deutlich aufgehellt. Nach dem jüngsten Kurssprung notieren die Aktien wieder deutlich über den 21- und den 50-Tage-Linien, an denen sich die Papiere im September bis dato entlanggehangelt haben. Die beiden Kurven sind ein Indikator für den kurz- beziehungsweise mittelfristigen Trend.

UNTERPREMSTÄTTEN (dpa-AFX)

Bildquellen: AR Pictures / Shutterstock.com, ah

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