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17.09.2011 08:30

Dem Aufschwung geht die Puste aus

Folgen
Deutschland steht nach Einschätzung der führenden deutschen Volkswirte vor einer deutlichen Konjunkturabkühlung.
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€uro am Sonntag
von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag

Das geht aus dem aktuellen Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv hervor. Demnach sank der Prognosewert, der die erwartete wirtschaftliche Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten widerspiegelt, im September gegenüber dem Vormonat um 16 Prozent auf 47,7 Punkte und damit erstmals seit Juni 2010 wieder unter die wichtige Marke von 50 Punkten. Werte unter 50 Punkten weisen auf eine schrumpfende Wirtschaft hin, Werte oberhalb dieser Marke auf eine Expansion. Auch die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage fiel im September mit einem Minus von 8,9 Prozent auf 61,9 Punkte schlechter aus als noch im Vormonat. Der jüngste Rückgang im Ökonomen-Barometer ist bereits das dritte Minus in Folge. Damit ist der seit Juni 2009 anhaltende Aufwärtstrend gebrochen.

Die zuletzt deutlich gestiegene Skepsis der Volkswirte reflektiert die Sorgen um die Schuldenkrise sowie die jüngsten Börsenturbulenzen. Zuletzt hatten mehrere deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für das laufende Jahr und 2012 gesenkt. Erst am Mittwoch hatte etwa das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erklärt, die Wirtschaft werde im Winter erstmals seit Anfang 2009 wieder schrumpfen. Angesichts dessen deckel-te das IWH seine Wachstumserwartung für 2011 bei 3,0 Prozent nach bislang 3,6 Prozent. Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sagt einen Abschwung voraus. „Die Rezessionsgefahr hat sich vergrößert“, warnte RWI-Präsident Christoph M. Schmidt. Ungeachtet des Abschwungs lehnen 88 Prozent der im Ökonomen-Barometer befragten Experten ein staatliches Hilfspaket zur Stützung der deutschen Konjunktur ab. Zuvor hatte die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, mit Blick auf rückläufige Frühindikatoren ein Stützungspaket für die deutsche Konjunktur gefordert. „Wenn der Export, auf dem das deutsche Wirschaftsmodell beruht, einbricht, dann könnte die Bundesregierung gegensteuern“, sagte die Französin dem „Spiegel“. Demgegenüber mahnte Volker Hofmann vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) zu einer Politik mit Augenmaß. Nicht jeder Exportrückgang habe „zwangsweise eine Rezession zur Folge“. Die Konjunkturprogramme nach dem Lehman-Schock seien richtig gewesen. Man dürfe aber nicht in jeder Situation „pro­phylaktisch“ nach staatlichen Konjunktur­hilfen rufen.

Zudem erinnerten mehrere Volkswirte an die angespannte Haushaltslage: „Für Hilfspakete fehlt das Geld“, erklärte etwa der Chefvolkswirt der Postbank, Marco Bargel. Daher sollte derzeit die „Haushaltskonsolidierung absolute Priorität“ haben. Auch der frühere Chef des Sachverständigenrats, Professor Juergen B. Donges, hält ein staatliches Konjunk­turpaket für verfehlt. „Keynesianische Expansionspolitik ist nicht gerade besonders effektiv.“ Außerdem passe sie „nicht in eine Zeit, in der der Staat Schulden abbauen muss, um die Wachstumsgrund­lagen für die Zukunft zu festigen“.


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Auf große Skepsis stoßen auch Über­legungen innerhalb der US-Notenbank, die US-Konjunktur neben einer fortgesetzten Niedrigstzinspolitik mit weiteren Anleihekäufen zu stützen. Die Fed hatte bereits 2008 (Quantitative Easing, QE1) und 2010 (QE2) Hypothekenverbriefungen und US-Staatsanleihen gekauft. Inzwischen wird eine dritte Runde (QE3) erwogen. Allerdings glauben viele Ökonomen, dass ein solcher Schritt weitgehend wirkungslos verpuffen könnte: Gemessen an den Erwartungen, habe bereits „QE2 relativ wenig gebracht“, erklärte Professor Helmut Wagner von der Fern-Uni Hagen. Professor Ulrich van Suntum von der Uni Münster sagte, die Nullzinspolitik bis 2013 sei bereits sehr weitgehend. „Weitere Liqui­di­tätszuflüsse könnten neue Vermögenspreisblasen hervorrufen.“ Stattdessen sollte die Fed lieber auf eine mittelfristig orientierte Politik umstellen. Diese würde „mehr Vertrauen schaffen als das ständige hektische Ankurbeln der Notenpresse“.

Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 7. bis zum 14. September mehr als 600 Volkswirte in Banken, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

Die vollständigen Kommentare der Volkswirte finden Sie hier (PDF)

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