ROUNDUP 2: Export in die USA bricht ein - Neue Sorgen wegen Grönland

20.01.26 12:38 Uhr

(neu: mehr Details)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Wegen des Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump sind die deutschen Exporte in die USA 2025 um fast zehn Prozent eingebrochen. Vor allem die Autobranche leidet unter dem Handelsstreit, der mit neuen Zolldrohungen Trumps im Grönland-Konflikt zu eskalieren droht. Ökonomen erwarten weitere Rückschläge für die deutschen Exporteure. Das gelte selbst dann, wenn es gelinge, den Streit um die Arktisinsel beizulegen, um den auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gerungen wird.

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Der Rückgang der Exporte in die USA dürfte nicht der letzte gewesen sein, meint Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. "Der US-Markt dürfte auf absehbare Zeit für deutsche Exporteure kein Wachstumsmarkt mehr sein, sondern ist zum Risikogeschäft mutiert."

Die Hoffnung, dass mit dem Zolldeal zwischen USA und EU von Sommer 2025 eine gewisse Stabilisierung im transatlantischen Handel eintreten würde, habe sich spätestens mit Trumps neuen Drohungen im Grönland-Streit zerschlagen. "Spätestens jetzt ist klar: Die USA sind bis auf weiteres kein verlässlicher Handelspartner und Absatzmarkt mehr."

Niedrigster Exportüberschuss mit USA seit Corona

Im vergangenen Jahr mussten deutsche Unternehmen in ihrem wichtigsten Exportland heftige Rückgänge einstecken. Von Januar bis November gingen Waren im Wert von rund 135,8 Milliarden Euro in die USA, knapp ein Zehntel (9,4 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum, wie neue Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Die Importe aus den USA nach Deutschland stiegen dagegen um 2,2 Prozent auf 86,9 Milliarden Euro.

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Unterm Strich schrumpfte so der Exportüberschuss Deutschlands mit den USA in den ersten elf Monaten 2025 auf 48,9 Milliarden Euro. "Dies ist der niedrigste Wert für diesen Zeitraum seit dem Pandemiejahr 2021", erklärten die Statistiker. Im Vorjahreszeitraum 2024 hatte es noch einen Rekord-Überschuss von 64,8 Milliarden Euro gegeben. Trotzdem blieben die USA das Land, mit dem Deutschland den weltweit höchsten Handelsbilanzüberschuss erzielte.

Hohe Einbußen für Autobauer

Besonders große Einbußen im US-Geschäft musste die deutsche Autoindustrie verkraften. Der Wert der exportierten Autos und Autoteile brach von Januar bis November 2025 um 17,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum ein auf 26,9 Milliarden Euro. Auch der Export von Maschinen in die USA ging zurück - um 9 Prozent auf gut 24 Milliarden Euro. Die Ausfuhren von Pharmazeutika wuchsen dagegen leicht auf rund 26 Milliarden Euro.

IMK-Ökonom Dullien erwartet, dass die Exporte in die USA weiter schwächeln - selbst, wenn die Zölle im Grönland-Streit abgewendet werden. Unternehmen könnten nicht mehr sicher wissen, welche Zollsätze und Bedingungen für die Exporte kommende Woche gelten.

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Mit Grönland-Konflikt droht Eskalation

Erst am Samstag hatte Trump unter Verweis auf den Grönland-Konflikt zusätzliche Zölle ab Februar gegen Deutschland und sieben weitere europäische Staaten angekündigt. Die gestaffelten Zölle von 10 Prozent ab 1. Februar und 25 Prozent ab 1. Juni sollen so lange gelten, bis eine Einigung über den "vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands" erzielt sei, so Trump.

Nun droht eine Eskalation im Handelsstreit: Die EU erwägt, ausgesetzte Zölle auf US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro in Kraft zu setzen. Brüssel könnte zudem weitreichende Strafmaßnahmen verhängen - die "Handels-Bazooka" gegen wirtschaftliche Nötigung. Das Zollabkommen mit Washington liegt bereits auf Eis.

Handelspolitisch ist die EU eine Macht: Die 27 Mitgliedstaaten exportierten von Januar bis November 2025 Waren im Wert von rund 516 Milliarden Euro in die USA, die Importe lagen bei fast 326 Milliarden Euro.

Mit Trumps Zöllen schaden sich die USA selbst, zeigt eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Demnach tragen ausländische Exporteure nur vier Prozent der Zolllast, während 96 Prozent auf US-Käufer abgewälzt werden.

China wird wichtigster deutscher Handelspartner

Der Handelsstreit verschiebt bereits den Welthandel. Da die deutschen Exporte in die USA schrumpften, ist China zum wichtigsten deutschen Handelspartner aufgestiegen. Von Januar bis November 2025 lag die Summe der Importe und Exporte im Handel mit der Volksrepublik bei rund 231 Milliarden Euro. Die USA kamen auf 222,8 Milliarden.

Dirk Jandura, Präsident des Exportverbands BGA, kritisierte: "Trump sägt am Ast, auf dem er sitzt". Weitere Strafzölle würden beide Seiten treffen. "Die Folge ist, dass sich unsere Händler von den USA abwenden und nach alternativen Absatzmärkten suchen. Die USA bleiben ein für uns sehr wichtiger Markt, aber nichts ist für die Ewigkeit."/als/DP/jha