ROUNDUP/Selenskyj: Treffen zwischen USA, Russland und Ukraine

22.01.26 16:39 Uhr

DAVOS/MOSKAU (dpa-AFX) - Vertreter der USA, der Ukraine und Russlands wollen in den Vereinigten Arabischen Emiraten über ein mögliches Kriegsende verhandeln. Das sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpenort Davos. Die Gespräche auf Expertenebene sollten schon am Freitag und Samstag stattfinden.

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Von diesen Gesprächen in Abu Dhabi hatte zuvor auch Trumps Sondergesandter Steve Witkoff gesprochen. Dieser soll am Abend zunächst nach Moskau fliegen, um mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu sprechen.

Selenskyj: Ist Moskau zu Kompromissen bereit?

Selenskyj sprach von einem ersten trilateralen Treffen, schraubte aber die Erwartungen zurück. Es sei eine Überraschung der Amerikaner. "Ich hoffe, dass die Emirate Bescheid wissen." Trotzdem sei es wichtig zu sehen, ob Russland zu Kompromissen bereit sei.

Direkte offizielle Treffen zwischen den beiden Kriegsparteien hat es seit mehreren Monaten nicht mehr gegeben, zuletzt war dafür Istanbul Schauplatz. Russische und ukrainische Militärs haben aber Abu Dhabi für informelle Treffen genutzt, bei denen es um den Austausch von Kriegsgefangenen ging.

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Trump nach Treffen: Haben noch Weg vor uns

Zum kurzfristig angesetzten Treffen zwischen Trump und Selenskyj in Davos machten beide Seiten nur spärliche Angaben. Einen Durchbruch gab es nach Trumps Angaben nicht. Man habe "noch einen Weg vor sich", sagte er vor Reportern.

Es sei ein gutes Gespräch mit Selenskyj gewesen. Man müsse sehen, wie das Gespräch seiner Unterhändler Witkoff und Jared Kushner mit Kremlchef Putin verlaufe. Dabei sei die Botschaft an Putin: "Der Krieg muss aufhören."

Auch Selenskyj sprach von einem guten Treffen. Man habe über Flugabwehr und "Dokumente" gesprochen. Damit dürften die geplanten Vereinbarungen über Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau des Landes gemeint sein. Das erste Treffen zwischen dem US-Präsidenten und Selenskyj in diesem Jahr dauerte nach Angaben beider Seiten etwa eine Stunde.

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Heftige Kritik an europäischen Verbündeten und Nato

Selenskyj nutzte die internationale Bühne des Weltwirtschaftsforums für Kritik an seinen europäischen Verbündeten und der Nato. Er warf ihnen vor, sein Land im Krieg mit Russland zu wenig zu unterstützen: "Europa diskutiert gern über die Zukunft, scheut sich aber davor, heute zu handeln - Handlungen, die darüber entscheiden, welche Art von Zukunft wir haben."

Selenskyj kritisierte auch die Nato. Das transatlantische Verteidigungsbündnis existiere lediglich aufgrund des Glaubens, dass die USA im Falle eines Angriffs nicht tatenlos zusehen, sondern helfen würden. "Doch niemand hat das Bündnis bisher in Aktion erlebt", sagte Selenskyj. Er forderte eine Aufstockung der Streitkräfte. Es habe erst den Druck von US-Präsident Donald Trump gebraucht, ehe die Verbündeten ihre Verteidigungsausgaben erhöht hätten.

In seiner Rede machte Selenskyj sich auch über die Solidaritätsbekundungen europäischer Staaten lustig, die im Grönland-Konflikt der USA mit Europa Einheiten auf die weltgrößte Insel geschickt hatten. Wenn man insgesamt 40 Soldaten entsende, was wolle man damit sagen? "Welche Botschaft geht an Putin, an China, und vor allem: Welche Botschaft sendet es an Dänemark, den wichtigsten engen Verbündeten?", sagte Selenskyj.

Trump: Selenskyj will einen Deal

Trump hatte sein Treffen mit Selenskyj am Mittwoch in Davos angekündigt und gesagt, er glaube, dass dieser einen Deal machen wolle. "Ich denke, ich kann sagen, dass wir einigermaßen nah dran sind." Der Republikaner wiederholte seine Forderung, dass der seit fast vier Jahren andauernde Ukraine-Krieg enden müsse. Putin und Selenskyj wären dumm, wenn sie sich nicht auf einen Deal einließen, sagte er.

Eine Reise Selenskyjs nach Davos war lange Zeit unsicher gewesen. Er hatte noch am Dienstag gesagt, dass er wegen der andauernden russischen Angriffe aus der Luft viel im eigenen Land zu tun habe. In der Hauptstadt Kiew waren nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko nach solchen Luftangriffen am Donnerstagmorgen noch etwa 3.000 Hochhäuser ohne Heizung./fko/DP/mis