ROUNDUP: Venezuelas Militär stellt sich hinter Vizepräsidentin
CARACAS (dpa-AFX) - Inmitten der Unsicherheit über die politische Zukunft Venezuelas haben sich die Streitkräfte hinter Vizepräsidentin Delcy Rodríguez gestellt. Nach der Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro durch US-Spezialeinheiten übernehme sie verfassungsgemäß die Führung des Landes, sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino umgeben von uniformierten Soldaten in einer Videobotschaft. Das Militär ist der entscheidende Machtfaktor in Venezuela, das Maduros linksautoritärer Regierung bislang treu ergeben war.
Im gesamten Staatsgebiet würden Einheiten der Streitkräfte und der Polizei aktiviert, um die "imperialistische Aggression" der Vereinigten Staaten zurückzuschlagen, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Gefangenennahme von Maduro sei eine "feige Entführung" gewesen, bei der die US-Spezialkräfte einen Großteil von Maduros Sicherheitsteam, Soldaten und unschuldige Bürger kaltblütig getötet hätten.
Maduro ist in New York in Haft
Die USA hatten in der Nacht auf Samstag eine Reihe von Zielen in Venezuela angegriffen, den autoritären Präsidenten Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht. Ihm soll nun in New York wegen Drogendelikten der Prozess gemacht werden.
Die politische Zukunft des ölreichen Landes ist indes unklar. US-Präsident Donald Trump sagte, die Vereinigten Staaten würden Venezuela vorübergehend führen und Vizepräsidentin Rodríguez sei zur Kooperation bereit. Diese hingegen gab sich unbeugsam. Sie forderte Maduros Freilassung und bezeichnete den US-Angriff als Verstoß gegen die UN-Charta. "Wir werden nie wieder Sklaven sein", sagte sie in Richtung Trump.
Rodríguez gilt als treue Gefolgsfrau Maduros
Es gibt bislang keine Anzeichen, dass Rodríguez mit den USA zusammenarbeiten möchte. Die 56-Jährige gilt als eine der loyalsten Figuren aus Maduros Machtzirkel. Als Außenministerin (2014-2017) prägte Rodríguez den konfrontativen Kurs gegen die USA, den sie als Vizepräsidentin fortsetzte.
Verteidigungsminister Vladimir Padrino ist einer der wichtigen Akteure im venezolanischen Machtgefüge. Neben dem Militär kontrolliert der 62-Jährige auch Schlüsselbereiche der Wirtschaft und Verwaltung, darunter Häfen, die Lebensmittelverteilung und staatliche Programme. Damit ist er nicht nur Garant für die Loyalität des Militärs, sondern auch ein entscheidender Pfeiler der Stabilität der Regierung.
Militär soll laut US-Regierung auch in Drogenhandel verstrickt sein
Nach Einschätzung der US-Regierung ist das venezolanische Militär ebenso wie Maduro in den Drogenhandel verstrickt. Bei dem "Cartel de los Soles" (Kartell der Sonnen) soll es sich um ein Verbrechersyndikat aus Offizieren der venezolanischen Streitkräfte handeln. Der Name ist den Sonnen auf den Schulterklappen venezolanischer Generäle entlehnt.
Sicherheitsexperten sind sich allerdings uneins, ob das Kartell als hierarchisch organisierte Gruppe überhaupt existiert. Wesentlich wahrscheinlicher ist nach Einschätzungen von Beobachtern vielmehr, dass ranghohe Militärs gegen Schmiergeld bereits etablierte Verbrechersyndikate in Venezuela operieren lassen und ihnen gegebenenfalls Schutz anbieten./dde/DP/he