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13.04.2010 06:00

Solarland China blickt zur Sonne

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China, weltgrößter Exporteur von Solarzellen, könnte Deutschland schon bald als größten Solarmarkt ablösen. Eine Förderung nach deutschem Vorbild ist in Arbeit.
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€uro am Sonntag
von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Die dunkle Seite des Fünf­sternehotels im chinesischen Baoding ist aus Umweltsicht seine Schokoladenseite: Fast 4000 Solarmodule glitzern schwarz in der Sonne und machen das Power Valley Jinjiang International samt zugehörigem Konferenzzentrum zu einem Kraftwerk. Fast ein Megawatt Strom produziert die Anlage und füttert ­damit den Energiebedarf von Klimaanlage, Küchengeräten oder Fern­sehern.

Liansheng Miao ist der Besitzer des über 80 Meter hohen Gebäudes, und seine Vorliebe für grüne Energieerzeugung kommt nicht von ungefähr. Miao baut biodynamisches Gemüse an, ist Herr über 100 000 Bio­schweine und zugleich Chef von Yingli Green Energy, dem fünft­größten Solarzellenproduzenten der Welt.

Der Beitrag zum Energiebedarf des Gebäudes ist zwar mit rund zehn Prozent vergleichsweise bescheiden, dennoch ist das Sonnenhotel am Rande der Millionenmetropole, 130 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt, so etwas wie ein Wegweiser für Chinas energiepolitische Zukunft. Denn Beijing lässt sich den Ausbau der regenerativen Energien so viel kosten wie kein anderes Land auf dem Globus: Umgerechnet knapp 35 Milliarden Dollar gibt China laut Daten der US-Forschungsorganisation PEW pro Jahr für umweltschonende Energiekonzepte aus – in den USA sind es nur etwas mehr als halb so viel.

China legt nach

Neben der Windkraft ist die Solarenergie erklärter Favorit der Staatsregierung. Das Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen 20 Gigawatt Stromleistung aus der Sonnenkraft kommen. Das entspräche etwa der Menge, die 20 Atomkraftwerke jährlich an Strom erzeugen.

Noch ist China das Land, in dem weltweit die meisten Solarzellen hergestellt werden. Firmen wie Suntech Power, JA Solar, Trina Solar oder Yingli gehören global zu den Top Ten der Produzenten und exportieren in alle Welt. Und aufgrund ihrer Preisaggressivität gewinnen die Chinesen beständig Marktanteile hinzu: Rund 38 Prozent der weltweit produzierten Solarzellen kamen nach Angaben des Branchenblatts „Photon“ im vergangenen Jahr aus dem Reich der Mitte, 2008 waren es noch 32 Prozent (siehe Investor-Info).

Der größte Absatzmarkt allerdings ist immer noch Deutschland. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden in China gerade mal rund 400 Megawatt an Solarleistung installiert, etwa ein Sechstel dessen, was Schätzungen zufolge dank üppiger Förderung selbst im Krisenjahr 2009 hierzulande montiert wurde. Doch die Nachfrage aus China steigt rasant. Schließlich sponsert auch Beijing seit vergangenem Jahr die Solarbranche: So gibt es beispiels­weise Zuschüsse für die Errichtung von Solaranlagen auf Gebäuden.

Im Rahmen des „Golden Sun“-Programms werden Freiflächenanlagen mit 50 bis 70 Prozent der gesamten Projektinvestition subventioniert. Für die Zukunft ist jedoch auch eine Einspeisevergütung nach deutschem Vorbild vorgesehen. In der Branche rechnet man mit 1,15 bis 1,20 Yuan pro Kilowatt, also umgerechnet rund elf bis zwölf Eurocent. Das ist für chinesische Verhältnisse durchaus reizvoll. Bereits zur Weltausstellung im Mai könnte die För­derung offiziell werden. Der Anlass würde passen: Schließlich stellt die Regierung ihre klimapolitische Sonnenseite mit einem aufwendigen Solarpark auf dem Expo-Gelände in Shanghai zur Schau.

Ausländische Produzenten setzen auf China

Die Produzenten stehen schon in den Startlöchern. „Wenn die chinesische Regierung Einspeisevergütungen einführt und somit ein weiteres wirkungsvolles Förderprogramm für die Solarindustrie etabliert, wird die Branche in China definitiv einen Boom erleben“, sagt Yingli-Chef Miao.

Auch ausländische Firmen positionieren sich bereits auf dem Zukunftsmarkt. Die amerikanische Nummer 1 der Branche, First Solar, will in der inneren Mongolei bis zum Jahr 2019 den weltgrößten Solarpark bauen. In der letzten Ausbaustufe soll die Anlage zwei Gigawatt Leistung liefern – genug für etwa drei Millionen Haushalte.

Unter Branchenbeobachtern gilt es jedoch als offenes Geheimnis, dass die Chinesen selbst von einem Solarboom in China am meisten profitieren dürften. „Die heimischen Hersteller haben hier zweifelsfrei Vorteile“, sagt ein Branchenkenner.


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Die Sonne ist für China offenbar mehr als eine Energiequelle. Die Regierung betrachtet die Solarindust­rie als strategisch wichtig, fördert Unternehmen auch mit günstigeren Steuersätzen. „China hat eine langfristige, nach vorn gerichtete Strategie auf dem Solarmarkt. Es versucht vermutlich, hier eine Vormachtstellung zu erreichen“, sagt Robert Hartung, Chef von Centrotherm, einem deutschen Anlagenbauer, der auch Chinas Solarindustrie beliefert.

Hartung stellt fest, dass China als Markt an Bedeutung gewinnt. „Die Kunden erzählen zunehmend von Projekten in China. Man spürt, das sich etwas entwickelt, was vor zwei Jahren noch niemand erwartet hat“, sagt der Manager.

Für den Umweltunternehmer Miao, der zwei Kilometer von seinem Hotel entfernt eine der modernsten Solarzellenfabriken der Welt betreibt, ist es keine Frage, ob China ein bedeutender Markt wird. €uro am Sonntag sprach mit Miao über die Perspektiven der Solarindustrie in der aufstrebenden Volkswirtschaft.

€uro am Sonntag: Wieviel Kraft hat die Sonnenenergie in China?
Liansheng Miao: Der Markt entwickelt sich sehr dynamisch. Wenn die chinesische Regierung Einspeisevergütungen einführt und ein weiteres wirkungsvolles Förderprogramm für die Solarindustrie etabliert, wird die Branche in China definitiv einen Boom erleben. Ich kann nur alle Geschäftspartner von Yingli in Deutschland, insbesondere die Rohstofflieferanten und Ausrüster, aber auch die Installateure und Projektierer von Solarparks, dazu ermuntern, hierher­zukommen und ihr Geschäft aufzubauen. Es wird sich lohnen.

Deutschland ist derzeit der größte Solarmarkt der Welt. Kann China eines Tages wichtiger für die Branche werden?
Ich glaube, dass der Solarmarkt in China gemessen an neu installierter Leistung bereits 2012 ein größeres Volumen haben wird als der deutsche. Es gibt auf staatlicher Ebene das Ziel, die Solarkapazität des Landes bis zum Jahr 2020 auf 20 Gigawatt Spitzenleistung auszubauen. Auch die Provinzen sind gerade dabei, ihre eigenen Förderprogramme zu entwickeln. €uro am Sonntag: Haben Ihre deutschen Konkurrenten wie Solarworld oder Q-Cells überhaupt Chancen auf dem chinesischen Markt? Es kommt nicht darauf an, woher man kommt. Was zählt, sind Qualität und Kostenkontrolle. Wenn man nicht in der Lage ist, seine Kosten zu optimieren, dann kann man auch kein Geld verdienen.

Wie wichtig sind gute politische Kontakte für Ihr Geschäft in Ihrem Heimatmarkt?
Nicht nur in China, sondern überall auf der Welt braucht man gute politische Kontakte, um Geschäfte zu machen. Die USA fördern grüne Technologien gerade mit über vier Milliarden Dollar. In Deutschland gab es die Förderung schon früher. Deutschland und Europa sind die Märkte von heute, in China und den USA liegt die Zukunft. Ich bin im Übrigen Deutschland sehr dankbar für den großen Beitrag, den es zur Entwicklung der Solarmärkte geleistet hat. Deutschland wird seinen Beitrag zurückbekommen.

In welcher Form?
Wir haben gerade eine ganze Reihe von Schmelzöfen für unsere Siliziumfabrik bei einem in der Nähe von Frankfurt ansässigen Unternehmen bestellt. Es gibt derzeit niemanden, der bei Anlagen und Ausrüstungen für die Solarindustrie so gut ist wie die Deutschen.

Wollen Sie die Nummer 1 in China werden?
Für uns spielt es keine Rolle, ob wir Nummer 1, 2 oder was sonst immer sind. Wir wollen beste Qua­lität liefern, und zwar zu möglichst günstigen Preisen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass das Unternehmen finanziell solide dasteht und pro­fitabel ist. Vor allem nach der Finanzkrise ist für uns finanzielle Stabilität absolut übergeordnet. Wir werden unseren Anteil auf dem Weltmarkt in diesem Jahr von acht auf zwölf Prozent steigern, das ist unser Ziel.

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Investor-Info

Solarzellenproduktion China beliefert die Welt

Die große Zeit der deutschen Solarindustrie gehört nach jüngsten Marktdaten schon der Vergangenheit an. Im vergangenen Jahr kamen bereits knapp 40 Prozent der weltweiten Solarzellenproduktion aus China, ein Großteil davon wurde ins Ausland exportiert. Die deutschen Hersteller wie Solarworld oder Q-Cells lieferten rund 15 Prozent, im Vorjahr waren es noch über 18 Prozent. Chinas Bedarf am Weltmarkt entspricht derzeit lediglich drei bis vier Prozent. Die Tendenz ist aber stark steigend.

Yingli Green Energy Aufstrebender Spieler

Yingli zählt zu den stark wachsenden Unternehmen der Branche. Die Chinesen, derzeit Nummer 5 der Welt, wollen ihren Marktanteil dieses Jahr von acht auf zwölf Prozent steigern und Nummer 3 werden. 2009 belasteten Kreditrückzahlungen und Investitionen. 2010 soll Yingli laut Europachef Stuart Brannigan um rund 70 Prozent beim Umsatz zulegen. Auch die Profitabilität soll deutlich steigen. 2011 sind Analysten zufolge knapp 20 Prozent Zuwachs beim Gewinn drin. Spekulativ.

Suntech Power Chinas Nummer 1

Suntech ist das größte Solarunternehmen Chinas und weltweit Nummer 2 hinter der amerikanischen First Solar. Suntech gewinnt rasch Marktanteile und hat wie Yingli auf dem Heimatmarkt gute Karten. 2009 lief dank eines guten Schlussquartals ordentlich. Im laufenden Jahr soll sich der Gewinn Analysten zufolge gegenüber 2009 verdoppeln, der Umsatz um rund 40 Prozent zulegen. Für 2011 werden rund 25 Prozent Gewinnplus geschätzt. Daran gemessen noch nicht zu teuer.

Solarzertifikat Zehnerkarte auf China Solar

Wer sein Risiko streuen möchte, ist mit dem Indextracker auf den S-Box-China-Solar-Index der Deutschen Bank gut bedient (ISIN: DE 000 DB2 CSL 4). Der Index enthält die zehn größten Solarwerte des Landes, also neben Suntech Power und Yingli auch JA Solar, LDK Solar, Trina Solar oder ReneSola, die zugleich die am stärksten gewichteten Unternehmen im Aktienkorb sind. Auf ein Jahr gerechnet hat das Papier über 90 Prozent zugelegt. Der Spread beträgt rund 1,5 Prozent, hinzu kommt allerdings eine Managementgebühr von 1,5 Prozent pro Jahr.

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09.09.2015Yingli Green Energy SellROTH Capital Partners, LLC
09.09.2015Yingli Green Energy Sector PerformRBC Capital Markets
08.06.2015Yingli Green Energy NeutralROTH Capital Partners, LLC
28.11.2014Yingli Green Energy NeutralROTH Capital Partners, LLC
05.12.2012Yingli Green Energy neutralCredit Suisse Group
02.08.2012Yingli Green Energy buyJefferies & Company Inc.
04.06.2012Yingli Green Energy overweightPiper Jaffray & Co.
23.02.2012Yingli Green Energy buyJefferies & Company Inc.
14.02.2012Yingli Green Energy buyBanc of America Securities-Merrill Lynch
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28.11.2014Yingli Green Energy NeutralROTH Capital Partners, LLC
05.12.2012Yingli Green Energy neutralCredit Suisse Group
30.11.2012Yingli Green Energy sector performRBC Capital Markets
09.09.2015Yingli Green Energy SellROTH Capital Partners, LLC
12.09.2012Yingli Green Energy sellGoldman Sachs Group Inc.
31.08.2012Yingli Green Energy reduceNomura
03.08.2012Yingli Green Energy reduceNomura
23.02.2012Yingli Green Energy sellCitigroup Corp.

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