SPD gegen Abrücken von telefonischer Krankschreibung
BERLIN (dpa-AFX) - Die mitregierende SPD lehnt es ab, telefonische Krankschreibungen abzuschaffen. Sie entlaste Hausarztpraxen, schütze Patienten vor unnötigen Ansteckungsrisiken und sichere eine niedrigschwellige medizinische Versorgung, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Christos Pantazis. "Wer diese Regelung pauschal infrage stellt, ignoriert die Realität in den Praxen und riskiert zusätzliche Bürokratie, Wartezeiten und Fehlsteuerungen."
Pantazis warnte: "Politik darf nicht auf "Arbeitgebermärchen" hereinfallen, sondern muss sich an Daten, Versorgungspraxis und Patientenschutz orientieren." Eine Überprüfung der Arbeitsunfähigkeitsregelungen ohne neue Erkenntnisse sei Symbolpolitik und schade dem Vertrauen in das Gesundheitssystem. Es gebe keine belastbaren Belege für systematischen Missbrauch.
Regelung soll auf den Prüfstand
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte einen aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand beklagt und die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung infrage gestellt. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die Regelung zu überprüfen. Pantazis sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die SPD stehe zur Vereinbarung im Koalitionsvertrag, dass Missbrauch ausgeschlossen werden solle. Er wandte sich aber dagegen, die telefonische Krankschreibung reflexhaft zum Sündenbock zu machen.
Seit Ende 2023 können Patientinnen und Patienten auch telefonisch und ohne Praxisbesuch eine Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen - unter der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren Krankheitssymptome hat. Krankschreiben lassen kann man sich für bis zu fünf Kalendertage. Braucht man dann noch eine Folgebescheinigung, muss man aber in die Praxis gehen.
Dauerhafte Regelung nach Corona-Krise
Geregelt ist dies in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken. Vorbild war eine Sonderregelung, die es in der Corona-Krise gab, um Ansteckungen zu vermeiden./sam/DP/mis