Vermögensverwalter-Kolumne

Deutsche Aktien - vor einer Übernahmewelle?

19.09.22 09:04 Uhr

Deutsche Aktien - vor einer Übernahmewelle? | finanzen.net

Deutsche Aktien sind fundamental sehr preiswert, meint Uwe Wiesner, Vermögensverwalter der Hansen & Heinrich Aktiengesellschaft in Berlin

Grund dafür sind die Kursrückgänge der Aktien in diesem Jahr. Ausgelöst wurden sie unter anderen durch geopolitische Spannungen, die sehr hohen Inflationszahlen und die europäische Energiekrise. Ein weiteres trägt die China-Orientierung und die Exportlastigkeit der Deutschen Industrie bei. Aktuell sind die kurzfristigen Gewinnaussichten der Unternehmen sehr belastet und unsicher. Eine Situation, die Investoren absolut nicht mögen. Andererseits sind viele deutsche Unternehmen Technologieführer und Marktführer in ihren jeweiligen Branchen und verfügen über ein hohes technologisches Entwicklungspotential in Basisindustrien.

Deutsche Unternehmen stehen darüber hinaus seit Jahrzehnten im Blick von strategischen und Finanzinvestoren. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die frühe Beteiligung Kuwaits an Daimler in den 70ziger Jahren und die Beteiligung Katars an der Deutsche Bank nach der Finanzkrise. Die Übernahme der Technologiefirma Kuka durch chinesische Investoren weist ebenfalls auf das hohe Interesse an deutschen Unternehmen durch zahlungskräftige Investoren hin.

Durch die Entwicklungen an den Aktienmärkten und den Devisenmärkten hat sich die Situation in diesem Jahr nochmals deutlich verändert. Im Jahr 2021 lag die Marktkapitalisierung von BASF bei rund 56 Mrd. Euro. Aktuell liegt sie bei rund 42 Mrd. Euro. Ein Rückgang von rund 25 Prozent. Für Investoren, die in US-Dollar denken, stellt sich die Situation noch viel attraktiver dar: Die Marktkapitalisierung von BASF in US-Dollar lag 2021 bei rund 65 Mrd. US Dollar. Heute liegt sie bei rund 42 Mrd. US Dollar. Ein Rückgang von rund 35 Prozent. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass deutsche Unternehmen für in US-Dollar denkende Investoren noch erheblich preiswerter sind, als es auf den ersten Blick erscheint. All dies wird globalen Investoren nicht verborgen bleiben und wird ihr Interesse hervorrufen. Ein weiterer Aspekt macht die Situation noch spannender:

Die Unternehmen Bayer, BASF, Gerresheimer und Jungheinrich, die alle einer unterschiedlichen Branche tätig sind und unterschiedlich groß sind, stehen beispielhaft für eine verbreitete Situation deutscher Unternehmen. Sie haben keinen Ankeraktionär und sind somit anfällig für Käufe/Übernahmen von Finanz- oder strategischen Investoren. Gleichzeitig weisen sie kurzfristig eine enttäuschende Kursentwicklung auf. Alle Unternehmen haben kurzfristige Probleme, beispielweise Bayer mit der Monsanto-Thematik und BASF mit ihrer Gasabhängigkeit und der Großinvestition in China. Langfristig hingegen sind die Unternehmen erstklassig aufgestellt, in Zukunftsthemen investiert, langfristig hervorragend geführt und Markführer zumindest in Teilsegmenten ihrer Märkte. BASF beispielsweise ist darüber hinaus seit vielen Jahren ein zuverlässiger Dividendenzahler. Erstklassig aufgestellte Unternehmen gibt es in Deutschland in einer Vielzahl, gemeinsam haben viele, dass sie keine Ankeraktionäre haben. Somit sind all diese Unternehmen erstklassige Ziele für Firmenjäger.

Dieser Aspekt, der in der aktuellen Börsensituation meines Erachtens vernachlässigt wird, ist zukünftig wichtig. Für die Unternehmen, die unabhängig bleiben wollen und für die Aktionäre, die bessere Zeiten und vor allem höhere Kurse sehen wollen. Letztlich auch für unsere Volkswirtschaft, denn ausländische Investoren haben ein geringeres Interesse für Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land. Daher sind Maßnahmen notwendig, die Unternehmenswerte schnell zu steigern. Denn eine Übernahmewelle deutscher Unternehmen ist wahrscheinlicher geworden. Mit weiteren Kursverlusten und einer weiter schwachen Währung steigt das Interesse und die Kaufkraft von US-Dollar Investoren.

Vor diesem Hintergrund sind deutsche Aktien deutlich interessanter als es aktuell aufgrund der kurzfristigen Probleme vermittelt wird. Neben den genannten Werten sind auch Titel aus dem Versicherungssegment (beispielsweise Münchener Rück und einzelne Autotitel (zum Beispiel Mercedes) und Technologietitel attraktiv. Zu betonen ist weiterhin, dass nicht nur DAX-Titel, sondern auch MDAX und SDAX-Werte zu den potenziellen Gewinnern gehören könnten.

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