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20.02.2020 09:21

TINA und FOMO treiben die Kurse

Vermögensverwalter-Kolumne: TINA und FOMO treiben die Kurse | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
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Tina hat viele Bedeutungen. Es ist aber auch ein Akronym und steht für die Abkürzung There Is No Alternative ("Es gibt keine Alternative").
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Geprägt wurde es von dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu und er entwickelte das gleichlautende Prinzip. Das TINA-Prinzip, die Mutter aller Totschlagargumente. Der politische Slogan "there is no alternative" wurde von der britischen Premierministerin Margaret Thatcher genutzt, um ihre Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zu legitimieren. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verwendete 2009 häufig die deutsche Entsprechung "alternativlos", um damit einige politische Entscheidungen zu rechtfertigen.

Aber nicht nur in der Politik wird TINA gerne genutzt, auch an der Börse ist TINA eine beliebte Begründung für den langanhaltenden Aufwärtstrend. Denn manchmal kann man sich als Beobachter nur wundern. Noch vor wenigen Monaten rumpelte es heftig am Aktienmarkt. Der Handelsstreit zwischen den USA und China, der unklare Brexit sowie unerfreuliche Konjunktursignale verunsicherten die Investoren. An den Märkten ging es krachend abwärts. Der DAX durchbrach die 12.000 Punkte Grenze nach unten. Wenige Wochen später startete eine Aufholjagd. Ohne dass sich die grundlegenden politischen Rahmenbedingungen entscheidend verändert hätten, beendet der DAX das Börsenjahr 2019 mit einem Plus von etwa 25 Prozent. Auch das neue Jahr startete gleich mit einem Rekord. Am Mittwochmorgen, den 22. Januar, sprang der Dax auf bis zu 13.626 Punkte, so hoch wie nie zuvor seit seinem Bestehen. Als Begründung hörte man von Experten häufig nur ein Schulterzucken und ein Wort: TINA.

Viele Experten waren zu defensiv

Denn der positive Verlauf im letzten Börsenjahr hatte viele Experten auf dem falschen Fuß erwischt. Mit einer so schnellen Erholung hatten die wenigsten gerechnet. Auch für 2020 waren viele Analysten zu Beginn sehr skeptisch. Aber die Aufwärtsbewegung an den Börsen ist scheinbar nicht zu bremsen. Noch nicht einmal das Coronavirus konnte bis jetzt den positiven Trend stoppen. Denn mittlerweile bekommt TINA Unterstützung. Ihre "kleine Schwester" FOMO wird im Hintergrund aktiv.

FOMO ist ein Phänomen, das die Angst beschreibt, etwas zu verpassen. Dabei ist FOMO die Abkürzung für Fear Of Missing Out. Gerade im Zeitalter sozialer Netzwerke wird FOMO für viele immer mehr zum Problem. Durch die permanente Informationsflut leben viele Menschen in der ständigen Angst falsche Entscheidungen zu treffen. Schließlich kann man offline so viel verpassen. Sei es das großartige Selfie der Arbeitskollegin aus dem Urlaub, der letzte Tweet von Donald Trump, oder das neueste Video des Lieblings-YouTubers. Oder man wird zu einer Party eingeladen und entscheidet sich dagegen. Stunden später sieht man die Bilder und man weiß, man verpasst gerade die vermutlich beste Party des Jahres. Eine solche Erkenntnis sorgt für Unzufriedenheit.

FOMO an der Börse

Auch an der Börse ist FOMO präsent. Gerade in Phasen steigender Börsen merkt man dies sehr gut und vor allem immer häufiger, je länger der Aufwärtstrend anhält. Oft hört man Anleger lamentieren, dass sie doch besser in Aktie X investiert hätten. Sie hätten ja schließlich gewusst, dass die Aktie innerhalb von vier Monaten um 100 Prozent zulegen würde. Das "Hätte-Depot" ist vielen Investoren nur zu gut bekannt. Dabei besteht natürlich die Gefahr das FOMO eine besondere Dynamik entwickeln kann. Denn die Angst davor, ständig falsche Entscheidung zu treffen, kann irgendwann dazu führen, dass die Ratio vollständig aussetzt. Dann will man einfach nur dabei sein, um nichts zu verpassen. Wenn das in der Breite passiert, so kommt es im schlimmsten Fall zur Blasenbildung an den Börsen. Eine solche Entwicklung endet selten gut. Wenn FOMO die Überhand gewinnt und die Börsenkurse den fairen Wert übersteigen, dann kommt es früher oder später zu einer Korrektur der Bewertungen.

Es fehlen alternative Anlagemöglichkeiten

Soweit ist es allerdings noch lange nicht. Im Zeitalter von Negativzinsen gilt für Anleger TINA in Bezug auf Aktien. Denn die lockere Geldpolitik der Notenbanken versorgt die Märkte weltweit mit reichlich Liquidität. Für die Euro-Zone etwa hält die Europäische Zentralbank die Leitzinsen bereits seit Jahren auf niedrigstem Niveau. Ähnliches gilt für Großbritannien und Japan. Auch in den USA, wo die Notenbank Fed 2017 und 2018 bereits mit Zinssteigerungen begonnen hatte, gab es eine erneute Kehrtwende. Die US Zinsen befinden sich ebenfalls wieder im Sinkflug. Liquidität ist der zentrale Treibstoff, den die Börsen für ihren anhaltenden Höhenflug der Börsenkurse brauchen. Auf der anderen Seite sind die wirklichen Alternativen rar gesät. Bei Anleihen haben Investoren die Kurse vielfach schon so weit nach oben getrieben, dass die Rendite kaum noch messbar ist. Die Immobilienpreise steigen seit Jahren schneller als die Mieten. Für renditeorientiere Anleger verliert die Assetklasse zunehmend an Reiz. Bankanlagen, des Deutschen liebste Anlageform, bringen schon seit Jahren keine Zinsen mehr. Im Gegenteil, der Negativzins wird immer mehr zur Realität.

Das TATA-Prinzip

Ob Gold oder Kryptowährungen (Bitcoin) wirkliche Alternativen darstellen ist umstritten. Zumindest in der Vergangenheit zeichneten sich beide Anlageformen durch eine starke Schwankungsanfälligkeit aus. Anleger sollten stattdessen das TATA-Prinzip der französischen Politologin Susan George beherzigen. Das Akronym, als Gegenentwurf zu TINA entwickelt, steht für There Are Thousands of Alternatives. Der globale Aktienmarkt bietet entsprechend tausende von unterschiedlichen Aktien. Ein breit diversifiziertes Aktienportfolio ist langfristig allen alternativen Anlageformen überlegen. Man muss sich nur entscheiden und endlich investieren. TINA und FOMO geben vorerst genügend Rückenwind.

Von Markus Richert, CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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