01.09.2014 09:51

Value-Stocks - General Motors: Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Vermögensverwalter-Kolumne: Value-Stocks - General Motors: Wer hat Angst vorm bösen Wolf? | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
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Zugegeben, ausgerechnet die Aktie von General Motors zum Gegenstand einer Kolumne über Substanzwerte zu machen, nachdem sich für Altaktionäre der Wert ihrer Unternehmensanteile im Jahr 2009 in Luft aufgelöst hat, ist gewagt.
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von Susanne Woda, Portfoliomanagerin der GVS Financial Solutions GmbH in Dreieich

Der Konzern bewies nicht gerade die Art von Substanz, die sich Besitzer von Value-Aktien vorstellen. Doch den fundamentalen Bewertungskennziffern nach gehört die Aktie zu den günstigen Werten in den USA. Nach dem neuerlichen Börsengang wurden die Karten neu gemischt - oder könnte sich die Geschichte doch wiederholen?

Vor vier Jahren, am 18. November 2010, erlebte die Börsenwelt die Wiederauferstehung eines Riesen. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern Insolvenz nach "Chapter 11" angemeldet, die Aktien wurden von der Börse genommen und die Altaktionäre quasi enteignet. Das US-Insolvenzrecht macht es möglich, dass der Konzern wieder an der Börse ist, als wäre nichts gewesen. Die Rückkehr aufs Börsenparkett wurde furios gefeiert, die Aktie war sogar mehrfach überzeichnet und US-Präsident Barrack Obama würdigte das Ereignis als Meilenstein in der Geschichte der USA.

Kein Wunder, größter Profiteur war der amerikanische Staat, er wurde vom Gläubiger zum Mehrheitseigner. Das Magengrummeln bei diesem Rückblick ist nachvollziehbar und Anleger neigen dazu, den Automobilkonzern bei ihrer Investmentauswahl ungesehen zur Seite zu schieben. Hier spielt uns unsere Psyche einen Streich. Die Möglichkeit einer Wiederholung der Geschehnisse ist objektiv betrachtet nicht höher als bei anderen Aktiengesellschaften, denn sie ist nicht von der Vergangenheit abhängig, sondern von der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Wer heute investiert, sollte sich deswegen auf Rentabilität, Geschäftsaussichten und angemessene Bewertung fokussieren.

Weil die US-Konjunktur an Schwung gewinnt, läuft auch der Automobilverkauf in den Staaten wieder rund. Die sinkende Arbeitslosigkeit macht sich positiv bemerkbar und die Verbraucher können wieder größere Ausgaben stemmen. Im Juli 2014 wurden so viele Autos verkauft, wie seit acht Jahren nicht mehr. Die gute Stimmung auf dem Heimatmarkt bekommt auch dem Branchenführer General Motors gut. Setzt sich die Belebung fort, wird der Konzern von der Kauflaune der Verbraucher profitieren. Das sehen auch die Analysten so, für 2015 erwarten sie eine Gewinnsteigerung bei GM von 65 Prozent.

Schon auf Basis der aktuellen Gewinne ist die Aktie mit einem KGV von 12,6 recht günstig bewertet, das 2015er KGV von 7,6 liegt im Schnäppchenbereich. Auch auf Cash-Flow-Basis ist die Aktie mit einem KCV von etwas über 5 günstig bewertet. Seit 2014 wird sogar wieder eine Dividende ausgeschüttet, sie rentiert mit ca. 3,5 Prozent. Stehen also alle Zeichen auf Kauf?

Nicht ganz: den Erfolg müssen sich die Automobilkonzerne zu Lasten der Rentabilität hart erarbeiten. Im Vorjahresvergleich nahmen die Rabatte um 8,4 Prozent zu, Branchenbeobachter konstatieren so hohe Preiszugeständnisse wie zuletzt im Jahr 2010. Dementsprechend zeigt die Gewinnentwicklung bei GM seit der Neuauflage in 2010, trotz steigender Umsätze, nach unten. Die Rentabilität sinkt kontinuierlich. Und Gegenwind gibt

es reichlich. Immer neue Rückrufaktionen belasten das Image. Der verstärkte Protektionismus der chinesischen Automobilwirtschaft durch die Regierung bringt Druck auf die Margen. Und auch die politischen Unsicherheiten rund um Russland bedrohen die Expansionsaussichten. Der russische Automobilabsatz sinkt und im 2008 eröffneten St. Petersburger Werk stehen derzeit die Bänder still. Ob die hochgesteckten Erwartungen tatsächlich erfüllt werden können, muss sich erst noch zeigen.

Wer dennoch auf die Trendwende setzt, kann mit dem im April begonnenen Aufwärtstrend sein Glück versuchen. Aber Achtung: Kann das letzte Hoch bei 37,50 US-Dollar nicht überwunden werden, gewinnt der Abwärtstrend die Oberhand und wird bei Unterschreiten von Kursen unter 32,80 US-Dollar an Dynamik gewinnen.

Dieser Text spiegelt die Meinung des Kolumnisten wider und stellt keine Anlageempfehlung dar.

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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