11.04.2022 08:30

Cannabis-Aktien: Warum es sich lohnt, die Aktien im Auge zu behalten

Voreilig im Rauschzustand: Cannabis-Aktien: Warum es sich lohnt, die Aktien im Auge zu behalten | Nachricht | finanzen.net
Voreilig im Rauschzustand
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Hoffnungen auf eine schnelle Legalisierung in den Vereinigten Staaten dürften sich nicht erfüllen. Trotzdem weist die Cannabisbranche langfristig attraktive Perspektiven auf.
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von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Wie bekifft verhielten sich zuletzt die Cannabisaktien in Nordamerika. Einige Titel sprangen innerhalb einer Woche um 20 bis 50 Prozent nach oben - so als ob sie high wären. Dazu zählten etwa die Branchengrößen Tilray, Aurora oder Canopy Growth.

Grund für den enormen Kursanstieg war, dass bald ein Gesetzentwurf zur landesweiten Legalisierung von Cannabis ins Repräsentantenhaus eingebracht wird. Der Entwurf heißt Marijuana Opportunity Reinvestment and Expungement Act, abgekürzt MORE Act. Dieser sieht eine Legalisierung der Hanfprodukte, eine Bundessteuer darauf und die Rehabilitation bisher verurteilter Straftäter vor. Der Gebrauch, Besitz und Verkauf von Cannabis in den USA ist durch Bundesrecht verboten. Es darf nicht über die Grenze eines Bundesstaates geschafft werden - Cannabis, das in einer Provinz verkauft wird, muss dort angebaut und verarbeitet worden sein.

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Dennoch haben bisher 18 der 50 amerikanischen Bundesstaaten sowie Washington, D. C., Cannabis als Rauschmittel für Personen ab 21 Jahren legalisiert. Eine weitreichende Marktliberalisierung im ganzen Staat könnte in den USA ein landesweites Cannabisfieber auslösen und Firmen, die in diesem Segment tätig sind, kräftige Umsatzerhöhungen bescheren. Das erklärt die Freudensprünge der Cannabisaktien.

Die Vereinigten Staaten wären nicht das einzige Land, in dem Cannabis legal wäre. In Kanada und Uruguay ist das bereits länger der Fall. In weiteren Ländern wird darüber diskutiert - nicht zuletzt deswegen, um Steuereinnahmen zu erzielen und die Justiz zu entlasten.

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Mehrheit ist für Freigabe

Der neue Gesetzesvorstoß in den USA kommt nicht von ungefähr. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Gallup befürworten zwei Drittel der US-Amerikaner die Freigabe von Cannabis. Die Demokraten, die den Gesetzentwurf einbringen, können somit auf die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung verweisen.

Allerdings sind die Chancen, dass das Gesetzesvorhaben umgesetzt wird, gering. Schon im Dezember 2020 erhielt ein ähnlicher Entwurf im Repräsentantenhaus eine Mehrheit, wurde aber im Senat abgelehnt. Auch dieses Mal rechnen Wall-Street-Analysten damit, dass sich das Szenario wiederholen wird. "Wir erwarten, dass der MORE Act das Repräsentantenhaus erneut passieren wird, aber wir betrachten es in erster Linie als Messaging-Bill, da es kaum Chancen hat, durch den Senat zu kommen", sagt Isaac Boltansky, Stratege beim Brokerhaus BTIG. Als Messaging Bill wird ein Gesetzentwurf bezeichnet, der darauf abzielt, dass Kandidaten im Wahlkampf mit der Initiative zu einem Thema punkten können, für den aber nicht unbedingt mit Mehrheiten kalkuliert wird. Zum Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, wie die Abstimmung im Repräsentantenhaus ausging.

Neben der Gesetzesinitiative hatten zuletzt aber auch mehrere große Übernahmen innerhalb des Sektors den Aktien Schwung verliehen: Cresco Labs wird Columbia Care für zwei Milliarden US-Dollar erwerben, während Aurora ankündigte, TerraFarma für rund 30 Millionen Dollar zu kaufen. Zudem hatte die Eindeckung von Leerverkäufern zu den Kurssprüngen beigetragen. Denn Cannabisaktien sind im Vorjahr wie auch andere risikobehaftete Segmente stark unter Druck geraten. So sind die Titel von nordamerikanischen Branchengrößen wie Tilray, Canopy Growth oder Aurora in den letzten zwölf Monaten um mehr als 50 Prozent in die Knie gegangen. Einige Branchenbeobachter sehen sie daher bewertungsmäßig nun wieder auf preiswertem Niveau.

Denn die Wachstumsaussichten sind gut. Das Marktforschungsunternehmen BDS Analytics rechnet damit, dass der legale Cannabisumsatz in den USA 2022 die 30-Milliarden-Dollar-Marke überschreiten wird, nach etwa 24 Milliarden Dollar im Vorjahr. Bis 2026 könnten es 50 Milliarden Dollar werden. Europa steckt im Vergleich dazu zwar noch in den Kinderschuhen, weist aber hohe Wachstumsraten auf. 2020 wurden auf dem legalen europäischen Cannabismarkt 230,7 Millionen Euro umgesetzt. Laut Prognose des Datenanbieters Statista könnten sich die Umsätze bis zum Jahr 2025 auf 3,1 Milliarden Euro mehr als verzehnfachen.

Viele ältere Konsumenten

Laut Statista konsumieren weltweit 256 Millionen Menschen Cannabis. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist das ein zweistelliger Anstieg. Diese Zahl dürfte sich weiter erhöhen. Immer weniger Jugendliche bewerten Cannabis nämlich als gefährliche Droge. Während das Rauchen von Zigaretten out ist, ist Marihuana in. Zudem wird der Stoff schon lange nicht mehr nur von jungen Menschen nachgefragt, sondern zunehmend greifen Ältere darauf zurück, um Alltagssorgen zu entfliehen oder Schmerzen zu lindern.

Da in vielen Ländern das Rauchen von Joints noch illegal ist, entzünden sich daran bisher aber nur beschränkt Kursfantasien. Besonders der Verkauf von Cannabisprodukten ohne berauschende Wirkung interessiert Investoren, da dieser in vielen Staaten bereits zugelassen ist. Ob als Hautpflegeprodukt im Kosmetikbereich oder in der Medizin als Schmerz- oder Schlafmittel - die Beliebtheit der Hanfpflanze wächst. Gleichzeitig erfährt die Lebensmittelindustrie einen Nachfrageboom nach cannabishaltigen Produkten. Derzeit laufen überdies Studien, die die positive Wirkung des Einsatzes von Medizin-Cannabis bei Haustieren belegen sollen. Auch Hunde und Pferde könnten so von der neuen Therapieform profitieren - und Tierbesitzer rund um den Globus gelten als besonders zahlungskräftig und -willig.

Nur etwas für risikobereite Anleger

Das Segment ist für Anleger also attraktiv, auch weil neben den schon erlaubten Anwendungsmöglichkeiten noch die Legalisierungsoption als Fantasie hinzukommt. Allerdings ist die Branche hochriskant. Die Aktien schwanken sehr stark. Solide Angebots- und Nachfragestrukturen müssen sich erst noch entwickeln. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen ist schwer zu prognostizieren. Der Großteil macht noch Verluste. Auch die Anlagekategorie ist noch ziemlich neu. Die Marktkapitalisierung der Unternehmen ist meist gering. Überdies ist nicht klar, welche Firmen aus dem zu erwartenden Konsolidierungsprozess als Sieger hervorgehen werden.

Einige kanadische Firmen, die auch stark in den USA tätig sind, haben sich bisher als größere Player herausgebildet. Dazu zählen Canopy Growth, Aurora und Tilray. Im Medizinsektor ist die irische Jazz Pharmaceuticals eine Branchengröße. Doch selbst diese Titel bewegen sich heftig auf und ab.

Da der MORE-Act im Senat wahrscheinlich scheitert, ist kurzfristig eher mit einer Konsolidierung bei den Aktien der Branche zu rechnen. Danach ist aber ein Einstieg mit einem geringen Portfolioanteil für spekulative Anleger erwägenswert. Sind doch die langfristigen Aussichten positiv: Die Wachstumsraten sind hoch und immer mehr Staaten dürften Cannabis legalisieren.


INVESTOR-INFO

Tilray

Gut gerüstet

Die kanadische Firma befasst sich weltweit mit Anbau, Produktion, Vertrieb und Verkauf von Cannabisprodukten für den medizinischen und Freizeitgebrauch sowie Wellness. Zudem hat sie neben der Cannabis- noch eine Pharma- und Alkoholsparte. Im vierten Quartal 2021 erzielte sie einen Nettogewinn von sechs Millionen US-Dollar, was in der defizitären Cannabisbranche selten ist. Tilray ist gut gerüstet, um durch Akquisitionen auf dem US-Markt zu wachsen, wenn dort die Cannabisliberalisierung voranschreitet.

Jazz Pharmaceuticals

Gut gefüllte Pipeline

Der irische Pharmahersteller ist 2021 durch die Übernahme des britischen Unternehmens GW Pharmaceuticals, welches sich auf cannabisbasierte Medikamente konzentriert, in den Hanfsektor eingestiegen. Das kombinierte Unternehmen besitzt mit Epidiolex und Nabiximols zwei Arzneimittel mit Cannabiswirkstoffen gegen Epilepsie und Multiple Sklerose. Epidiolex ist bereits auf dem Markt und hat Blockbusterpotenzial, Nabiximol ist in der letzten Testphase vor der Zulassung.

Cannabis-ETF

Breit aufgestellt

Der Medical Cannabis and Wellness Equity ETF von HANetf bietet Zugang zu börsennotierten Firmen, die über bedeutende Geschäftsaktivitäten in der legalen Cannabis- und Hanfbranche verfügen - vorrangig Medizin und Wellness. Top-Positionen sind Jazz und Arena Pharmaceuticals. Aktuell wird zu drei Viertel in Nordamerika investiert, der Rest in Europa. Der ETF schwankt stark, in den letzten zwölf Monaten betrug die Volatilität 30 Prozent. Es gibt ein Währungsrisiko.











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