Neuer Super-Zyklus in den Emerging Markets?

Lange Zeit galten Schwellenländer als das notorische Sorgenkind im globalen Portfolio: chronisch underperformend gegenüber dem US-Markt, anfällig für Währungsschwächen und politische Turbulenzen.
Doch das Bild hat sich gewandelt. Seit Mitte 2025 zeigen die Emerging Markets in ihrer Gesamtheit eine bemerkenswerte Stärke und es mehren sich die Argumente, dass es sich dabei nicht bloß um eine zyklische Gegenbewegung handelt, sondern um den Beginn eines strukturellen Superzyklus.
Die treibenden Kräfte sind vielfältig. Ein schwächerer US-Dollar, historisch bislang der wichtigste Katalysator für Schwellenländer-Rallys, erhöht die Kaufkraft der lokalen Währungen und verbilligt die Rückzahlung von Dollarschulden. Gleichzeitig wächst bei internationalen Investoren der Wunsch, ihre massive Übergewichtung amerikanischer Aktien abzubauen und geografisch breiter zu diversifizieren. Dazu kommt eine strukturell neue Nachfrage: Die globale KI-Revolution braucht Hardware, und ein Großteil dieser Hardware entsteht außerhalb der westlichen Hemisphäre, von Halbleitern in Südkorea bis zu Batterietechnologie und seltenen Erden in China und Lateinamerika.
Selbst in der Geopolitik zeigen sich überraschend konstruktive Signale: Saudi-Arabien öffnet seinen Kapitalmarkt für ausländische Direktinvestoren und sogar Venezuela wird als potenzielle Restrukturierungsgeschichte neu entdeckt. Emerging Markets sind kein monolithischer Block mehr - sie sind ein facettenreiches Anlageuniversum, das unterschiedliche Strategien zulässt.
Für Anleger stellt sich deshalb die Frage nicht mehr ob, sondern wie sie von dieser Entwicklung profitieren wollen. Drei ETFs bieten dafür eine komplementäre Kombination.
Den Kern bildet der Amundi MSCI Emerging Ex China UCITS ETF Acc (ISIN LU2009202107 / WKN LYX99G). Mit einem Fondsvolumen von 3.697 Mio. Euro und einer besonders niedrigen Gesamtkostenquote (TER) von 0,15 Prozent ist er einer der günstigsten seiner Klasse. Der Fonds bildet den MSCI Emerging Markets ex China Index synthetisch über Swaps nach und reinvestiert Erträge thesaurierend. Er deckt damit das gesamte Schwellenländeruniversum ohne China ab. Die 1-Jahres-Performance beträgt 34,47 Prozent bei einer vergleichsweise moderaten Volatilität von 15,69 Prozent, was ein attraktives Rendite-Risiko-Profil ergibt.
China selbst sollte trotz der sichtbaren Marktrisiken nicht fehlen, aber separat gesteuert werden können. Der aiShares MSCI China UCITS ETF USD (Acc) (ISIN IE00BJ5JPG56 / WKN A2PGQN) ermöglicht mit 560 Positionen einen breiten Zugang zu chinesischen Unternehmen - von A-Shares über H-Shares bis zu Red Chips. Das Fondsvolumen beträgt 3.234 Mio. Euro, die TER liegt bei 0,28 Prozent. Der ETF repliziert physisch und thesauriert. Die Portfoliostruktur spiegelt die Eigenart des chinesischen Marktes wider: Tencent (17,51 Prozent) und Alibaba (11,63 Prozent) allein machen fast 30 Prozent aus. Die 1-Jahres-Rendite von 2,13 Prozent zeigt, dass China noch Nachholpotenzial gegenüber anderen EM-Märkten besitzt, was das Chance-Risiko-Verhältnis für antizyklisch denkende Anleger durchaus interessant macht.
Das Thema KI-Hardwarezyklus setzt der HSBC MSCI Korea Capped UCITS ETF USD (ISIN IE00B3Z0X395 / WKN A1JJU5) mit einem Fokus auf Südkorea um. Mit 440 Mio. Euro Fondsvolumen und einer TER von 0,50 Prozent bildet er den MSCI Korea 20/35 Index physisch und vollständig nach; Dividenden werden halbjährlich ausgeschüttet, die aktuelle Ausschüttungsrendite liegt bei rund 1,12 Prozent. Samsung Electronics (26,80 Prozent) und SK Hynix (16,30 Prozent) bestimmen das Portfolio entscheidend. Mit einem Technologieanteil von 55,05 Prozent ist dieser ETF ein konzentriertes Exposure auf Südkoreas Stärke als Hardware-Lieferant der KI-Ära.
Fazit: Die Kombination ist strategisch stimmig. Der Amundi-ETF bietet eine breite Schwellenländer-Diversifikation ohne chinesisches Konzentrationsrisiko, der iShares China-ETF ermöglicht einen gezielten Zugang zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mit attraktivem Nachholpotenzial und der HSBC Korea-ETF setzt auf die Lieferkette der KI-Revolution. Wer an den Beginn eines Superzyklus glaubt, findet hier drei komplementäre Bausteine, um daran zu partizipieren.
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