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23.03.2019 16:00
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Talib Sheikh: Der 20-Milliarden-Fondsmanager

Euro am Sonntag-Interview: Talib Sheikh: Der 20-Milliarden-Fondsmanager | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Interview
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Wer künftig an den Finanzmärkten auskömmliche Renditen erzielen will, muss anders investieren als früher. Das behauptet Talib Sheikh, der lange Zeit einen 20 Milliarden Euro schweren Mischfonds managte. 2018 hat er den Neuanfang gewagt. Das empfiehlt er auch Anlegern.
€uro am Sonntag
von Uli Kühn, Euro am Sonntag

€uro am Sonntag: 2018 war ein schlimmes Jahr für Anleger. War es der Anfang vom Ende?
Talib Sheikh:
Nein, wir sind noch nicht am Ende des Zyklus angekommen, auch wenn immer mehr Leute eine an­stehende Rezession befürchten. Die schwierigen Zeiten Ende 2018 waren nur kurze Unterbrechungen in einem bisher ja sehr ertragreichen Konjunkturzyklus. Auch die Jahre 2014 und 2016 waren schwierig, aber danach ging es wieder ziemlich flott nach oben.


Klar, als Fondsmanager müssen Sie ­optimistisch bleiben …
Ich sage Ihnen aber auch, die Börsen werden deutlich stärker schwanken als früher, und wir werden uns nicht nur mit höherer Volatilität auseinandersetzen müssen. Zweistellige Renditen sind Geschichte. In allen Anlageklassen werden die Renditen künftig niedriger sein.


Warum das?
In den vergangenen zehn Jahren waren die Bewertungen relativ günstig, und es gab Notenbanken, die der Wirtschaft mit viel Geld unter die Arme griffen. Diese Hilfe wird nun aber eher ausbleiben. Die Zentralbanken normalisieren die Zinsraten, die globale Kreditwelle läuft langsam aus. Dazu kommt die hohe Bewertung bei vielen Aktien und vor allem Anleihen. Auch ist die globale Wirtschaft in den letzten zehn Jahren stark gewachsen, das ist ungewöhnlich lange. Aber mit der richtigen Strategie können Sie auch in diesem Jahr noch immer einstellige Renditen erreichen.

Was müssen Anleger dafür tun?
Die Strategien von gestern funktionieren nicht mehr. In den letzten zehn Jahren ließ sich schon mit statischen Invest­ments und Indexfonds gut Geld verdienen. Oft genügte ein relativ starres Portfolio mit Aktien und Anleihen, das hin und wieder neu justiert werden musste. Aber das ist nicht mehr das richtige Portfolio für die nächsten zehn Jahre. Anleger müssen jetzt viel fokussierter und flexibler sein. Sie müssen Papiere von smarten Unternehmen kaufen, die sie durch den deutlich volatileren Wirtschaftszyklus bringen können.


Welche Papiere brauchen wir denn?
Wir müssen uns viel mehr auf einzelne Bestandteile fokussieren. Beispielsweise versteckt sich noch viel Potenzial in US-Staatsanleihen. Diese Papiere liefern uns attraktive Zinsen von drei Prozent, aber auch eine attraktive Diversifizierung im Portfolio. Generell dürften Staatsanleihen in den kommenden Jahren wieder wichtiger werden. Auch Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern bieten Potenzial.

Droht in China nicht das Platzen einer Kreditblase?
Viele Investoren sind tatsächlich eher kritisch gegenüber China eingestellt. Ich denke aber nicht, dass eine Krise bevorsteht. Schauen Sie sich die Zahlen an: Es ging China zuletzt nicht nur weniger schlecht, sondern sogar ein bisschen besser. Mut machen auch einige positive Äußerungen der chinesischen Notenbank. Das wird vom Markt unterschätzt.

Wenn die Zentralbanken jetzt die ­Zinsen erhöhen, drohen dann nicht bei Anleihen Verluste?
Der Markt hat Zinserhöhungen schon stark eingepreist. Außerdem lassen sich solche Effekte in einem diversifizierten Portfolio auch abfangen. Auf die Kurse von Unternehmensanleihen im mittleren oder unteren Bonitätsbereich wirken sich Zinsänderungen meist gar nicht so stark aus. Bei diesen Anleihen zählt vor allem die Bonität. Wie gesagt: Auch im Anleihebereich gibt es noch genug Möglichkeiten.

Was ist mit politischen Risiken, zum Beispiel dem Brexit?
Eine meiner Regeln ist, dass ich als Investor keine politischen Risiken spiele. Natürlich habe ich auch ein Auge auf diese Risiken, mache mir allerdings in der Regel keine großen Sorgen.

Warum sind Sie so cool?
Aus Erfahrung. Den Märkten drohen ständig politische Risiken, aber oft treten sie dann gar nicht ein. Wohl deshalb bremsen politische Risiken die Börsen meist auch nicht aus. Ein Beispiel: In den vergangenen zwei Jahren war Südkorea einer der am besten laufenden Aktienmärkte, obwohl in dieser Zeit Nordkorea ja ein ziemliches Risiko darstellte.

Was treibt denn die Börsen?
Wichtig sind für mich eher makroökonomische Entwicklungen und wie der Markt diese einpreist. Dafür kombinieren mein Team und ich unsere Unternehmensanalysen mit einer fundamentalen Makrosicht und suchen lieber nach Potenzialen, statt uns nur auf mögliche Gefahren zu konzentrieren.

Wie investieren Sie beim Jupiter ­Flexible Income?
Wir stellen uns drei grundsätzlich verschiedene Fragen. Erstens: Was passiert langfristig in der Weltwirtschaft? Das sind dann Themen wie das Ende des Quantitative Easing. Zweitens: Was bedeutet das für die Kurse? Also wie teuer werden Aktien oder Anleihen, und wie wirken diese Veränderungen regional? Drittens: Wie sieht vor diesem Hintergrund das optimale Portfolio aus? Ich bin dabei verantwortlich für neue Ideen und wie wir diese in einen robusten Rahmen packen. Bei der Steuerung der Einzeltitelrisiken greife ich auf die Expertise meiner Kollegen zurück, die Teilportfolios für den Fonds verwalten.

Welche Ideen halten Sie im Moment für besonders attraktiv?
Es ist ein Mix aus allen Assetklassen. Aktuelle Treiber im Portfolio sind etwa europäische und amerikanische Hochzins­anleihen. Die bieten eine ordentliche Rendite und sind trotzdem eine eher statische Position. Wir haben aber auch wachsende Renditequellen im Portfolio.

Was meinen Sie damit?
Damit meine ich beispielsweise Aktien von Unternehmen, die nicht nur eine gute Dividende vorweisen, sondern deren Dividende auch in den nächsten Jahren noch steigen kann. Wir haben aber auch opportunistische Zinsquellen, beispielsweise Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets. Dazu kommen Investments in britische Infrastruktur, Finanzkredite etwa von US-Banken und eine flexible Hedging-Struktur.

Favorisieren Sie eine Anlageklasse?
Nein, auch weil heute alle Anlageklassen teurer sind als vor zehn Jahren. Als Multi-Asset-Investor müssen Sie sich ohnehin gut diversifizieren. Wir wetten daher nicht auf eine Anlageklasse, sondern setzen auf eine breite Mischung.

Geht das bei Ihrem neuen Fonds ­leichter als früher?
Die Strategie des neuen Fonds ist viel aktiver und fokussierter. Wir sind beim Jupiter Flexible Income zwar in neun verschiedenen Anlageklassen investiert, halten aber nur rund 450 verschiedene Positionen und nicht mehrere Tausend wie viele milliardenschwere Fonds. Mit unserem relativ schlanken Portfolio sind wir trotzdem gut diversifiziert, können aber viel flexibler reagieren und Investmentchancen zielgerichteter wahrnehmen.

zur Person:

Talib Sheikh
Koryphäe für stetige Erträge

Talib Sheikh war fast 20 Jahre lang als Managing Director und Fondsmanager für JP Morgan tätig. Dort lenkte er mit Kollegen unter anderem den Mischfondsriesen JPM Global Income und den Multi-Asset- Fonds JPM Global Macro Opportunities, der auch in unserem defensiven Fondsmusterdepot enthalten ist. Im Juni 2018 wechselte Sheikh zur britischen Gesellschaft Jupiter und managt dort seit September den Multi-Asset- Fonds Jupiter Flexible Income (ISIN: LU 184 671 425 8), mit dem er jährliche Renditen zwischen vier und sechs Prozent anstrebt.







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Bildquellen: Casey Moore/J.P.Morgan, Julian Mezger für Finanzen Verlag
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