18.11.2019 10:00
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"Elektrifizierung der Mobilität ist der wahrscheinlich am schnellsten wachsende Megatrend" - Investment-Advisor Claes Orn im Interview

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Warum die Deutschen das Rennen auf dem Elekrofahrzeugmarkt machen werden, welche Materialien entlang der Wertschöpfunskette vielversprechend sind und wie er die besten Unternehmen für seinen Thematica Global Battery & Electric Vehicle-Fonds auswählt verrät Investment Advisor Claes Orn in unserem Interview.
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Der Thematica Global Battery & Electric Vehicle-Fonds investiert in Unternehmen, die an der Elektrifizierung der Mobilität sowie des Energiespeichersektors beteiligt sind. Warum ist dieser Markt aus Ihrer Sicht vielversprechend?

Ich glaube, dass der genannte Trend der wahrscheinlich am schnellsten wachsende Megatrend ist, den wir aktuell haben. Er ist nicht mehr wegzudenken, da alle politischen Entscheidungsträger engagiert sind und jede unabhängige Untersuchung bestätigt, dass elektrische Fahrzeuge die umweltfreundlichsten für eine nachhaltige Zukunft sind. Auf der IAA in Frankfurt sagte der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, dass Elektrofahrzeuge die beste Lösung sind, um individuelle Mobilität CO2-frei zu machen. Was er damit meint, sind die CO2-Emissionen, die von dieser Beförderungsart produziert werden.
Weiterhin gibt es einige sehr starke Treiber dieses Trends auf dem Markt und in der Gesellschaft. Hierzu zählt beispielsweise das Pariser Abkommen, das darauf abzielt, die Emissionen von Gasen zu verringern, die zur globalen Erwärmung beitragen. Ich glaube ebenfalls, dass es in den kommenden Jahren eine Diskussion über den vollständigen Produktionsstopp der Diesel- und Benzin-Verbrennungsmotoren geben wird.
Bereits jetzt steigt die Anzahl der autofreien Zonen in Städten, besonders in Europa weiter an. In Norwegen sind bereits 50% der verkauften Neufahrzeuge Elektroautos. Sie können damit auf Taxispuren fahren und bekommen steuerliche Vergünstigungen und Rabatte beim Kauf der Elektrofahrzeuge. Letztlich möchte niemand ein Auto mit Verbrennungsmotor kaufen, welches er am Ende nicht mehr fahren darf. Viele Autohersteller verpflichten sich auf der ganzen Welt, Verbrennungsmotoren in verschiedenen Zeitrahmen in Elektrofahrzeuge umzuwandeln. Einige gehen dabei aggressiver vor als die anderen. Bei den Deutschen sticht vor allem Volkswagen hervor. Dabei sprechen wir von einem vielversprechenden Zeithorizont von nur ein paar Jahren.

Sehen Sie diese Entwicklung als eine Chance oder ein Risiko für den deutschen Markt?

Auf den ersten Blick könnte es wie ein Risiko aussehen. Wir sehen es allerdings auf Grund von großen Investitionen und Umrüstaufwand etwas anders: Grundsätzlich spielt der deutsche Markt eine führende Rolle bei der Herstellung von Autos. Sie haben ein hohes technologisches Niveau, eine lange Tradition und sind berühmt für ihre Qualität. Aus unserer Sicht ist Deutschland in einer guten Position, auch wenn sie noch einen weiteren Weg vor sich haben. Das ist allerdings momentan für alle Wettbewerber und Länder gleich. Grundsätzlich haben sich alle deutschen Autohersteller dazu verpflichtet, ihren Fuhrpark umzustrukturieren und die Umstellung auf die elektrische Produktion zu beschleunigen. Sie sind bereits weit auf diesem Weg vorangeschritten und haben einsatzbereite Fahrzeuge. Eine große Veränderung zu diesem Thema erleben wir beim Vergleich der Motorshow in Genf der letzten beiden Jahre. Die Messe ist bedeutend stärker auf hybride und Elektrofahrzeuge ausgerichtet. Die gesamte Motorshow war dieses Jahr quasi elektrisch. Ganz zu schweigen von der Frankfurter Automobilmesse. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel wies in ihrer Eröffnungsrede darauf hin, dass die Notwendigkeit, die Elektrifizierung zu beschleunigen, ein starker Schwerpunkt ihrer Politik sei. Weiterhin sieht man vor allem in Deutschland die grüne Bewegung und den Aufschwung der grünen Parteien, auch in konservativen Regionen wie in Brandenburg oder Sachsen. Auch andere Parteien wollen an dem politischen Trend partizipieren.
Besonders Volkswagen mit dem ID3 hat auf der IAA dominiert. Auf dieser neuen Plattform können ca. 50 neue Modelle aufbauen. Damit ist VW bereits gut für den Weg gerüstet. Weiterhin auffällig waren der Porsche Taycan und Audi E-tron. Die große Veränderung ist, dass diese Autos jetzt bereits in der Produktion sind und bestellt werden können. Anders als vor 2 Jahren, als es noch Concept oder Fantasy Cars waren. Daimler kündigte an, die Entwicklung von Verbrennungsmotoren einzustellen und sich auf das ebenfalls neue Elektroauto zu konzentrieren. Sie werden in 2,5 Jahren, also bis 2022 alle Mercedes- und Smart-Modelle in elektrischen Versionen anbieten. Es geht also alles sehr, sehr schnell.

Wenn Sie Deutschland mit anderen Ländern vergleichen. Gibt es Länder, die in der Entwicklung oder Akzeptanz von Elektrofahrzeugen bereits weiter fortgeschritten sind?

In den USA haben sie Tesla, die mit die ersten waren. Tesla ist zwar führend, aber hat als amerikanisches Auto weniger Qualität und Komfort. Wir mögen die Modelle sehr, da sie eine bessere Reichweite als andere E-Fahrzeuge haben. Das Aufladen funktioniert sehr schnell und sie haben eine gute Infrastruktur. Ich denke allerdings, dass die Deutschen die Branche einholen und das Rennen machen werden.

Welche Unternehmen oder Materialien sind in der Wertschöpfungskette dieses Marktes vielversprechend?

Wir suchen nach Unternehmen in der gesamten Wertschöpfungskette. Diese ist auf der Akkuseite recht lang. Sie haben den Abbau von Lithium, Nickel, Graphit und Kobalt. Für Letzteres stellen wir sicher, dass es ethisch absolut einwandfrei abgebaut wird. Weiterhin haben Sie die chemischen Elemente, die bestimmen, wie weit Sie mit dem Auto fahren können und wie schnell es laden kann. Also die Komponenten rund um die Batterie und die zugehörige Software. Schließlich gibt es noch das Recycling.
Wir schauen uns diesen Energiespeicherteil nicht nur für Elektrofahrzeuge, sondern auch für die Haushalte an, die mit Sonnenkollektoren und Wärmeenergie ausgestattet sind. All diese erneuerbaren Energien müssen gespeichert werden, da die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht.
Wenn wir über Akkus reden, müssen wir auch das Thema Wasserstoff ansprechen. Wenn Sie immer wieder zwischen A und B hin und her pendeln und eine Tankmöglichkeit haben, ist dies eine sehr grüne Lösung, da beim Verbrennen nichts als Wasser entsteht. Es ist zwar nicht wirklich für unseren privaten Gebrauch einsetzbar, da Sie zu Hause kein Gas tanken können. Für Fähren oder Busse ist es gut geeignet.
Wir konzentrieren uns auf Themen, bei denen wir einen Mehrwert sehen. Wir entscheiden uns für Unternehmen, bei denen wir einen Großteil der Gewinne in unserem Thema sehen. Wir können uns beispielsweise nicht für GE oder ABB entscheiden, weil sie so viele andere Dinge tun. Wir wählen Unternehmen aus, bei denen mindestens 40% aus unserer Thematik kommen. Gleichzeitig bemühen wir uns auch, Bottlenecks in der Wertschöpfungskette zu identifizieren aus denen wir Preiserhöhungen ableiten können. Aktuell haben wir ein großes Angebot an Lithium. In naher Zukunft wird mit weniger Angebot und einer erhöhten Nachfrage gerechnet, so dass der Lithiumpreis wahrscheinlich stark steigen wird. Daher versuchen wir diese Unternehmen mit vielversprechender Preiserhöhung auszuwählen.

Haben Sie einen Investitionsprozess?

Absolut! Unser Universum ist in Bezug auf Größen und Regionen nicht eingeschränkt. Wir möchten gute Wachstumsunternehmen finden. Unser Prozess ist also der Top-down-Ansatz, bei dem wir attraktive Segmente entlang der Wertschöpfungskette identifizieren. Wir suchen nach guten Unternehmenswerten, die über ein bewährtes Verfahren und bewährte Produkte verfügen. Wir müssen wissen, dass jemand deren Produkt kauft und sie einen zuverlässigen Prozess haben, um sich weiter zu entwickeln. Die Suche nach starken Partnern, Aktionären und einem Joint Venture oder einem großen Netzwerk ist uns dabei wichtig. Das Unternehmen muss finanziell stark sein. Wir sprechen in unserem Umfeld manchmal von Off-Take-Vereinbarungen. Das Unternehmen muss eine feste Vereinbarung haben, innerhalb der der Kunde das Produkt nach Fertigstellung kaufen wird. Viele der Unternehmen sind zu jung, als dass sie bereits heute Produkte absetzen. Wir müssen also sicherstellen, dass sie ein Angebot haben, das der Markt in Zukunft abnehmen wird.
Gleichzeitig suchen wir für unser Portfolio nach einem Gleichgewicht zwischen Diversifikation und Alpha-Generierung.

Das Anlageuniversum des Fonds ist offen für alle Unternehmensgrößen und Länder, um Aktien im Zusammenhang mit dem Megatrend in das Portfolio aufnehmen zu können. Der Fonds investiert entlang der gesamten Wertschöpfungskette und deckt Bereiche wie kritische Batteriematerialien (Lithium, Kobalt, Graphit, Nickel, Kupfer und Vanadium), Batteriezellen-/ Pack-Hersteller und Endanwendungen wie Elektromobilität und Stromspeicher ab. Der Fonds verfolgt einen fundamentalen Bottom-up-Ansatz mit hoher Überzeugungskraft und investiert in ein konzentriertes Portfolio von 25 bis 50 börsennotierten Wertpapieren, von denen jedes einen erheblichen Teil seiner Erträge aus den genannten Branchen erzielt.

Der Fonds ist auch bestrebt, kleine, innovative und schnell wachsende Unternehmen entweder organisch oder als Akquisitionsziele zu identifizieren.

Besuchen Sie einige Firmen persönlich?

Das persönliche Kennenlernen der Unternehmen ist uns sehr wichtig. Um einen Vorteil gegenüber den ETFs zu haben, müssen wir uns das Management in Person anschauen, da dies ein entscheidender Teil des Unternehmenserfolgs ist. Wir möchten wissen wo sie waren, was sie getan haben und dass sie sich auskennen. Wenn wir ein Unternehmen nicht besuchen können, führen wir Telefonkonferenzen durch.
Das exzellente Analystenhaus namens Mineral Intelligence unterstützt und leistet einen sehr guten Beitrag. Sie arbeiten eng an den Rohstoffen und können uns bei Analysen zum Angebot und der Nachfrage unterstützen.

Warum haben Sie sich entschieden, Anlageberater zu werden?

Wir haben Leute mit Bergbauerfahrung im Vorstand und Minenbetreiber oder Personen aus der Bergbauindustrie in unserem Netzwerk. Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns mit diesem Thema und haben den Prozess vor vier Jahren begonnen. Seitdem gehen wir immer tiefer und stellen immer wieder fest, dass dieser Ansatz wirklich etwas ganz Besonderes ist. Dieses Thema ist aktuell unterrepräsentiert. Sie finden es in keinem Fonds oder ETF. Es gibt einige ETFs auf Lithium, aber dann haben Sie ausschließlich diesen Rohstoff. Es gibt Anbieter, die sich auf autonome Autos spezialisieren. Aber das ist nicht unser Fokus. Wir konzentrieren uns wirklich auf die Akkuseite: das Laden, die Lagerung und alles, was dazu gehört. Mit unserem Fonds können Anleger von diesem Thema profitieren und haben eine Möglichkeit zu investieren. Wir können diese Wertschöpfungskette im Verlauf des Fonds ausbalancieren, da es Bestandteile geben wird, die zu bestimmten Zeiten eine hohe Wertentwicklung haben werden und zu anderen Zeiten eben weniger. Wir versuchen, permanent an den richtigen Stellen der Wertschöpfungskette zu investieren.
Weiterhin können wir den Anlegern einen Zugang zu kleineren Unternehmen mit geringerer analytischer Erschließung ermöglichen. Dies ist für normale Investoren normalerweise schwierig, deshalb halte ich das für sehr wichtig.
Wir sehen ein jährliches Wachstum von 30% pro Jahr bei Elektrofahrzeugen. Das ist ziemlich viel und schwer am Markt zu finden. Aktuell haben wir einen Neuabsatz von rund 1 Mio. Elektrofahrzeugen pro Jahr. 2030 sollen bis zu 30 Millionen neue Verkäufe pro Jahr getätigt werden. Das ist eine Explosion innerhalb von 10 Jahren. Wenn wir uns Batterieproduktion anschauen: Jetzt werden Batterien und Akkus mit 300 Gigawatt pro Jahr hergestellt. 2023, das sind 3,5 Jahre, sind wir bei bis zu 1200 Gigawatt. Wir sind der Meinung, dass dies eine tolle Gelegenheit ist, eine grünere Welt zu schaffen und in unseren Fonds zu investieren.

Claes Orn verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im Private Banking, Asset Managing, Finanzdienstleistungen und Fondsadministration. Er berät den Thematica Global Battery & Electric Vehicle-Fonds und ist zudem der CEO/ Managing Partner bei Orn & Cie SA Asset Management in Genf, Schweiz.

Bildquellen: IPConcept, IPConcept, IPConcept
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