12.05.2022 06:16

Die Betriebliche Altersvorsorge wird von Geringverdienern kaum genutzt

DIW-Studie: Die Betriebliche Altersvorsorge wird von Geringverdienern kaum genutzt | Nachricht | finanzen.net
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Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass in Deutschland nicht einmal jeder fünfte Arbeitnehmer die Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge nutzt.
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bAV-Lösungen ungenutzt

Bereits seit 2002 gilt in Deutschland das Recht auf eine betriebliche Altersvorsorge, welches jedem deutschen Arbeitnehmer erlaubt, auf eine betriebliche Altersversorgung (bAV) zu bestehen. Auf diesem Weg haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, Teile ihres Gehalts in Geld für den Ruhestand umzuwandeln. Doch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt nun, dass hierzulande nicht einmal jeder fünfte Arbeitnehmer diese Chance der Altersvorsorge nutzt, während Geringverdiener die bAV-Lösungen nach wie vor fast gar nicht nutzen. Das Problem liegt oftmals bei den Arbeitgebern, die immer seltener bereit sind, die Beiträge auf sich zu nehmen, da sie ihnen entweder in Zeiten der Zinsflaute zu risikobehaftet oder schlicht zu teuer sind. Diese Einstellung wird auch aus den Studienergebnissen ersichtlich, da der Anteil ausschließlich arbeitgeberfinanzierter bAV-Lösungen im Jahr 2001 noch bei 54 Prozent lag, während heutzutage nicht einmal jeder vierte Arbeitgeber die Kosten alleine trägt.

Die Möglichkeit der Entgeltumwandlung

Zwar wird innerhalb der bAV-Verordnung die Möglichkeit der Entgeltumwandlung angeboten, jedoch ermittelte die Studie des DIW, dass beispielsweise im Jahr 2014 lediglich 19 Prozent der Arbeitnehmer diese Möglichkeit auch in Anspruch nahmen, sodass durchschnittlich nur 1.328 Euro umgewandelt wurden. Bei der Entgeltumwandlung wird der entsprechende Lohn nicht ausgezahlt, sondern in bAV-Ansprüche umgewandelt. Arbeitnehmer haben auf diesem Wege in diesem Jahr die Chance, Einzahlungen bis zu 3.408 Euro sozialabgabenfrei und bis zu 6.816 Euro steuerfrei in eine Pensionskasse, einen Pensionsfonds oder eine Direktversicherung zu zahlen und so in ihre Altersvorsorge zu investieren.

Besonders Geringverdiener nutzten die bAV nicht

Neben der allgemein geringen Anzahl an Arbeitnehmern, die die Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge nutzen, hat die Studie noch ein weiteres gravierendes Problem in diesem Sachverhalt aufgedeckt. Denn besonders Geringverdiener nutzen nur in den seltensten Fällen die bAV-Lösungen und das, obwohl diese Arbeitnehmergruppe in den meisten Fällen ohnehin einen größeren Vorsorgebedarf aufgrund ihrer zu erwartenden geringeren Renten haben. Laut Studie liegt ihr Anteil im Gastgewerbe bei nicht einmal 5 Prozent und auch im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen sind es gerade einmal knapp über fünf Prozent, die die bAV-Lösungen in Anspruch nehmen. Lediglich in Branchen mit tendenziell höheren Verdienstmöglichkeiten, wie beispielsweise dem Bankwesen, liegt der Wert bei mehr als 50 Prozent.

Experte fordert Reform

Für den DIW-Rentenexperten Johannes Geyer ist deshalb klar, dass längst die Zeit für Reformen gekommen ist. Für Geyer sei es nicht ausreichend, dass Arbeitgeber bei Neuverträgen lediglich dazu verpflichtet sind, ersparte Sozialversicherungsbeiträge pauschal (15 Prozent) an die Beschäftigten weiterzureichen. Geyer schlägt vor, dass stattdessen künftig lieber Schulfächer im Bereich der Vorsorge und des Finanzwesens in die Lehrpläne integriert werden sollten, um langfristig für genug Wissen und Eigeninitiative zu sorgen. Außerdem ist der Rentenexperte der Meinung, dass von Seiten des Staates mehr Geld in die bAV fließen müsse, damit das sinkende Rentenniveau und der Wegfall von Rentenbeiträgen aufgrund der Entgeltumwandlung ausgeglichen werden kann. "Die Arbeitgeber könnten den Beschäftigten mit zusätzlichen Beiträgen helfen, eine Altersvorsorge aufzubauen." Außerdem könnten dazu "auch staatliche finanzielle Zuschüsse und Anreize beitragen", erklärt Geyer gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: 1eyeshut / Shutterstock.com, Daniela Staerk / Shutterstock.com
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