Kältebonus

Bauen im Winter: Warum der Kaltstart auf der Baustelle oft schneller und günstiger ist

16.01.26 23:24 Uhr

Antizyklisch bauen: Warum der Winter die günstigste Saison für Ihr Eigenheim ist | finanzen.net

Bauen im Winter? Das kann heute sogar Vorteile bringen: weniger Engpässe, schnellere Fertigstellung - und mit guter Planung bleibt die Qualität gleich hoch.

Winterbau statt Winterpause: Warum sich das Durcharbeiten lohnen kann

Wer an Hausbau denkt, verbindet damit oft die warmen Monate - doch dieser Gedanke ist längst überholt. Heute wird vielerorts auch in der kalten Jahreszeit weitergebaut, und das aus gutem Grund. Schließlich gilt auf dem Bau mehr denn je: Zeit ist Geld. Jede Woche, die früher fertiggestellt wird, bedeutet frühere Nutzung oder Mieteinnahmen, wie ntv betont.

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Die traditionelle Winterpause ist daher "lange passé". Entscheidend ist, dass Winterschutzmaßnahmen von Anfang an eingeplant werden, erklärt Erik Stange vom Bauherren-Schutzbund gegenüber ntv. Mit der richtigen Vorbereitung könne ein Bauvorhaben auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig voranschreiten.

Dass Winterbau kein Notbehelf, sondern eine echte Option ist, bestätigt auch Henning von Daake vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes: Technisch sei das Weiterarbeiten in der kalten Jahreszeit "möglich und sinnvoll", sofern Fachfirmen die Abläufe anpassen, so seine Einschätzung bei ntv.

Für Bauherren kann der Winter sogar zusätzliche Vorteile bieten: Viele Firmen haben in dieser Zeit freie Kapazitäten und sind leichter verfügbar - das erleichtert die Vergabe und kann sich auch preislich positiv auswirken, wie es weiter heißt.

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Technische Grenzen: 5-Grad-Regel, Frostgefahr und geeignete Bauphasen

Sinkende Temperaturen beeinflussen den Bauablauf spürbar. Besonders wasserbasierte Baustoffe wie Beton, Mörtel, Estrich, Putz oder Farben reagieren empfindlich auf Kälte - unter rund 5 Grad Celsius entwickeln sie ihre notwendige Festigkeit nicht, wie ntv hervorhebt.

Auch der Untergrund spielt im Winter eine zentrale Rolle. Bei gefrorenem Boden sollten Betonplatte, Keller- und Erdarbeiten möglichst vermieden werden, da hier hohe Schadensrisiken bestehen. Das Hausbauportal musterhaus.net verweist darauf, dass solche Arbeiten ansonsten nur mit Spezialbeton und aufwendigen Schutzmaßnahmen wie Thermomatten oder angewärmter Schalung möglich sind.

Für viele Tätigkeiten gilt deshalb: Außenarbeiten lassen sich nicht beliebig fortführen. "Witterungskritische Arbeiten" wie Verputzen, Betonieren oder Fassadendämmung erfordern bei Kälte entweder eine Pause oder zusätzlichen Schutz - darauf weist Henning von Daake hin, der die technischen Grenzen klar benennt.

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Im Gegensatz dazu sind Innenbereiche deutlich unkomplizierter. "Witterungsunkritische Arbeiten" wie Elektroinstallation, Heizungseinbau oder Bodenverlegung können erfolgen, sobald der Rohbau geschlossen und beheizt ist. Erik Stange betont weiter im Gespräch mit ntv, dass lediglich Estrich und Putz weiterhin oberhalb der 5-Grad-Marke verarbeitet werden sollten.

Planung, Sicherheit und Logistik: So wird Winterbau beherrschbar

Damit ein Bauprojekt auch in der kalten Jahreszeit zuverlässig vorankommt, braucht es eine präzise Vorbereitung. Winterschutzmaßnahmen wie das frostsichere Lagern von Baustoffen, das provisorische Schließen der Gebäudehülle oder das Bereithalten von Heizgeräten gehören laut ntv fest in die Kalkulation, wenn ganzjährig gebaut wird.

Hinzu kommt die Unberechenbarkeit des Winterwetters. Da Kälte und Niederschläge nur begrenzt vorhersagbar sind, müssen sich Baufirmen grundsätzlich auf Schlechtwetterzeiten einstellen. ntv verweist außerdem darauf, dass normale winterliche Witterung nach VOB nicht automatisch als "schlechtes Wetter" gilt und somit nicht ohne Weiteres Verzögerungen rechtfertigt.

Eine tragfähige Winterplanung umfasst daher Zeitpuffer, flexible Abläufe und kontinuierliche Wetterüberwachung. Das Bauunternehmen K&G Wohnbau betont, dass ein enges Projektmanagement entscheidend ist, um Arbeiten rechtzeitig anzupassen oder zu verschieben.

Neben der Planung steht die Sicherheit im Fokus. Schnee- und Eisfreiheit auf Wegen, rutschfeste Arbeitsflächen, geräumte Gerüste, ausreichende Beleuchtung sowie Winter-Schutzausrüstung und beheizte Pausenräume sind laut K&G unverzichtbar, um Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten zu schützen.

Auch der Umgang mit Material und Gerät erfordert im Winter zusätzliche Sorgfalt. K&G hebt hervor, dass Maschinen und Baustoffe frostfrei oder isoliert gelagert, regelmäßig gewartet und vor Feuchtigkeit geschützt werden müssen, da Kälte sowohl Materialien als auch Technik empfindlich beeinträchtigen kann.

Fazit für Bauherren: Wann der Winterbau zum echten Vorteil wird

Ein Baustart im Winter kann für Bauherren überraschend viele Pluspunkte bringen. Einer der wichtigsten ist der Zeitvorteil: Laut ntv wird der Bau oft früher fertiggestellt, weil im Frühjahr typische Engpässe und volle Auftragsbücher wegfallen.

Auch der Marktvorteil fällt ins Gewicht. Da viele Firmen in den Wintermonaten Kapazitäten frei haben, sind Handwerker und Materialien meist leichter verfügbar. Das reduziert Wartezeiten und erleichtert die Terminplanung.

Qualitativ müssen Bauherren ebenfalls keine Abstriche fürchten. Henning von Daake betont, dass ein fachgerecht geplanter Winterbau einem Sommerbau nicht nachsteht, sofern Winterschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden.

Ein oft unterschätzter Pluspunkt betrifft das Raumklima nach Fertigstellung. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer, erklärt bei ntv, dass Winterbauten den Vorteil haben, im folgenden Sommer intensiv getrocknet und gelüftet werden zu können - während ein im Sommer errichtetes Haus bei Fertigstellung im Winter mehr Heiz- und Lüftungsaufwand verursacht.

Am Ende lohnt sich Winterbau besonders dann, wenn Termindruck besteht oder die frühe Nutzung wirtschaftlich vorteilhaft ist.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Shutterstock / BOY ANTHONY