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Ökonomen-Barometer: Wohnen wird noch teurer

31.03.18 08:00 Uhr

Ökonomen-Barometer: Wohnen wird noch teurer | finanzen.net

Die Volkswirte sind sich einig: In Deutschland sind Anzeichen von Preisübertreibungen bei Wohnimmobilien deutlich erkennbar.

von Sonja Funke, €uro am Sonntag

Immer höher, immer weiter: Die Immobilienpreise in Deutschland werden nach Einschätzung führender Volkswirte auch in den kommenden fünf Jahren teils drastisch weiter steigen. Vor allem in den Ballungsgebieten wird sich die Situation verschärfen, ist die einhellige Meinung der für das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv befragten Experten.



Knapp die Hälfte von ihnen erwartet, dass die Preise in den kommenden fünf Jahren um mindestens fünf Prozent steigen. 13 Prozent rechnen sogar mit einem Anstieg um mehr als 15 Prozent. Mit drei Viertel der Befragten erkennt die Mehrheit deutliche Anzeichen von Preisübertreibungen bei Wohnimmo­bilien in Deutschland.

Sinkende Preise erwartet nur jeder achte Befragte für die sogenannten Top-7-Städte - das sind Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf.


Die Lösung der Wohnraummisere läge nach Ansicht der Volkswirte in der Ausweitung von Bauland und der Vereinfachung von Bauvorschriften. "Die fehlende Umwidmung von Agrarflächen in urbane Flächen bestimmt die Knappheit an Baufläche", sagte etwa Thomas Gries, Professor für Internationale Wachstums- und Konjunkturtheorie der Universität Paderborn: "Dies ist der zentrale Preistreiber für Wohnraum." Wer wirklich die Angebotsseite des Wohnungsmarkts verbessern wolle, müsse an den benötigten Standorten, den urbanen Zentren, mehr Flächen generieren beziehungsweise eine Gesetzgebung schaffen, die dies schnell ermögliche.

Mietpreisbremse abschaffen
Auch bei den Mieten erwarten die befragten Volkswirte ein steigendes Niveau: 79 Prozent rechnen für die kommenden drei bis fünf Jahre mit Teuerungen. Von der Mietpreisbremse halten die meisten Ökonomen wenig: "Abschaffen!", lautet ihre Forderung mehrheitlich. Vordringlich sei eine Deregulierung des Mietwohnungsmarkts, "damit sich Investitionen in Wohnimmobilien in den Städten rentieren", ist Horst Schellhaaß von der Uni Köln überzeugt. Viel effizienter sei es ­außerdem, einkommensschwachen Haushalten mit Wohngeld zu helfen.


Auch andere Ökonomen wettern gegen die Mietpreisbremse: "Die Politik sollte die Mietpreisbremse abschaffen", sagt Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Diese verschärfe die Wohnungsknappheit: "Es ist bemerkenswert, dass die Politik oft das Gegenteil behauptet. Aber künstlich niedrige Mieten führen nur dazu, dass die einen in zu großen Wohnungen bleiben und die ­anderen in die Röhre schauen. Eine sozialpolitisch zielgenaue Wohnungspolitik sollte bedürftige Mieter fördern und nicht die Rationierung von knappem Wohnraum über den Preismechanismus behindern."







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Bildquellen: Tobias Machhaus/Thinkstock