Beginnende Abwärtssprirale

Tesla am Abgrund: Wie lange hat der einstige Börsenstar noch?

19.04.24 22:11 Uhr

NASDAQ-Titel Tesla-Aktie vor dem Aus? Vom Abstieg eines Börsenstars | finanzen.net

Der E-Autobauer Tesla hat ohne Frage Großes geleistet und sich vielen Zweiflern zum Trotz von einem unprofitablen Unternehmen mit großen Träumen zum wertvollsten Autohersteller der Welt gemausert. Doch das Wachstum des einstigen Börsenstars stockt - steht sogar bald schon das Ende bevor?

• Tesla mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert
• Schwächelnde Nachfrage und starke Konkurrenz belasten
• Fehlende neue Produkte und Innovationen lassen Anleger zweifeln

Wie ein Märchen liest sich die Erfolgsgeschichte Teslas. Seit seiner Gründung im Jahr 2003 durch mehrere Ingenieure hat sich der Elektroautobauer mittlerweile zum wertvollsten Autobauer der Welt entwickelt. Großen Anteil daran hat Tesla-CEO Elon Musk, der 2004 zu dem damals noch jungen Unternehmen stieß und dessen Name heute eng mit dem E-Autopionier verknüpft ist.

Dabei hat Tesla in seiner Geschichte bereits tiefe Täler durchschritten. Lange war es die mangelnde Profitabilität, die den Autobauer immer wieder zurück warf und dazu führte, dass der Musk-Konzern lange als Randerscheinung belächelt wurde.

Doch schließlich gelang Tesla der nachhaltige Sprung in die Gewinnzone und das Unternehmen wurde zum Geheimtipp unter Anlegern. Denn die positive Entwicklung des Autobauers blieb auch der Wall Street nicht verborgen, sodass die Tesla-Aktie in den letzten Jahren unvermittelt in ungeahnte Höhen schoss. Ihren absoluten Höhepunkt erreichte die Tesla-Aktie im November 2021, als der Titel 409,97 US-Dollar erreichte. Mehrmals wurden zur optischen Vergünstigung der Tesla-Aktie gar Aktiensplits durchgeführt.

Negativnachrichten häufen sich

Doch in den letzten Jahren häufen sich die Negativnachrichten rund um den einstigen Börsenstar. Das Wachstum schwächt sich ab, neue Produkte lassen auf sich warten und die Nachfrage nach Elektroautos generell sieht sich einem Abwärtstrend gegenüber. All dies lastet auch auf Tesla, was die Frage aufkommen lässt, ob der E-Autobauer seinen Zenit wohl überschritten hat.

Für große Ernüchterung unter Anlegern und Analysten gleichermaßen sorgten besonders die letzten Quartalszahlen des E-Autobauers. Hier wurde das Ausmaß der Nachfrageflaute des Unternehmens erst richtig deutlich. So stieg der Quartalsumsatz im Jahresvergleich um drei Prozent auf 25,17 Milliarden US-Dollar und bliebt damit hinter den Erwartungen zurück. Damit verzeichnet der Autobauer das geringste Wachstum in mehr als drei Jahren. Der Quartalsgewinn kletterte derweil von 3,7 auf 7,9 Milliarden US-Dollar nach oben, was jedoch ebenfalls unter den Vorabschätzungen lag.

Wachstumsrate schwächt sich ab

Für lange Gesichter sorgte außerdem die Warnung Teslas, die Wachstumsrate des Absatzes könnte 2024 "deutlich geringer" ausfallen als noch in 2023. Dabei hatte Tesla schon im Vorjahr lediglich ein Absatzplus geschafft, weil das Unternehmen mehrmals Preissenkungen bei seinen Modellen vornahm. So erreichte Tesla zwar sein Absatzziel von 1,8 Millionen Fahrzeug-Auslieferungen in 2023, für das Jahr 2024 wollte der Autobauer jedoch gar kein Ziel mehr ausgeben.

Tesla-Chef Musk fand für die ernüchternden Aussagen jedoch eine Erklärung: So befände sich das Unternehmen aktuell zwischen zwei Wachstumswellen und arbeite derzeit an einem "revolutionären" Produktionssystem, welches Tesla zum wertvollsten Unternehmen der Welt machen könne.

Tesla-Aktie tiefrot

Anleger ließen sich mit diesen Versprechungen jedoch nicht besänftigen und schmissen die Tesla-Aktie nach der Quartalsvorlage letztlich großzügig aus dem Depot. Insgesamt zeigt sich die Bilanz der Tesla-Aktie in diesem Jahr bisher tiefrot: So ging es seit Jahresbeginn im NASDAQ-Handel 39,66 Prozent nach unten.

Und auch anhand der Auslieferungszahlen für das erste Quartal 2024 zeichnete sich keine Trendwende ab, denn auch diese blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dabei sieht sich Tesla insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Absatzmarkt einer immer stärkeren Konkurrenz durch heimische Autobauer gegenüber.

Nachfragesorgen belasten

Nach den Preisnachlässen, die schon im letzten Jahr für Spekulationen sorgten, Tesla könne mit Nachfragesorgen kämpfen, machte der E-Autokonzern erst kürzlich mit der Ankündigung einer großen Entlassungswelle Schlagzeilen. So kündigte Musk angesichts der E-Automarktflaute und der schwachen Verkäufe an, jede zehnte Stelle bei Tesla streichen zu wollen. Wie die Deutsche Presse-Agentur anhand einer internen Mail des CEOs berichtete, sei es wichtig, das gesamte Unternehmen mit Blick auf Kosten und Produktivität zu durchleuchten.

Veraltete Produktpalette

Darüber hinaus blickt Tesla auf eine zunehmend veraltete Produktpalette. Der groß angekündigte und immer wieder verschobene Launch des Cybertrucks droht zum Flop zu werden. Denn die technischen Details des futuristisch anmutenden Elektrotrucks können nicht mit jenen anderer Rivalen mithalten. Gleichzeitig hat sich die 2019 angekündigte Reichweite mittlerweile deutlich reduziert, während der Kaufpreis in die Höhe schnellte. Zudem werden rund um den Cybertruck immer wieder Nutzerberichte rund um Produktionsfehler öffentlich. So ging erst kürzlich ein Video viral, bei dem ein Fahrer über eine lose Abdeckung des Gaspedals berichtete, die sich so verklemmt hatte, dass der Truck unkontrolliert beschleunigte. Hier hat sich nun auch die US-Verkehrsbehörde NHTSA eingeschaltet und Kontakt mit Tesla aufgenommen.

Günstiges Kompaktmodell gecancelt?

Tesla benötigt schleunigst neue Produkte, mit denen das Unternehmen die Massen ähnlich begeistern kann wie mit seinen vorherigen Modellen. Hier gab es Pläne seitens des E-Autobauers einen günstigen Stromer zu entwickeln, der es mit Rivalen im niedrigpreisigen E-Autosegment aufnehmen kann. Im Earnings Call Teslas nach den jüngsten Quartalszahlen hieß es noch, der Produktionsstart sei für die zweite Jahreshälfte 2025 avisiert. Wie die Nachrichtenagentur Reuters Anfang April jedoch exklusiv mit Verweis auf drei verschiedene Quellen und interne Unternehmensnachrichten berichtete, hätte Tesla seine Pläne vom günstigen Kompaktmodell mittlerweile wieder verworfen. Elon Musk konterte den Bericht via X damit, dass "Reuters (wieder) lügen" würde.

Stattdessen arbeite der E-Autobauer mit Hochdruck an Robotaxis, deren Enthüllung Musk kurz nach seinem Reuters-Statement für den 8. August ankündigte. Allerdings kommt es auch bei dem Fahrassistenzsystems Teslas, welches den Namen "Autopilot" trägt und mit dessen Weiterentwicklung letztlich das autonome Fahren ermöglicht werden soll, immer wieder zu Unfällen und Problemberichten seitens Nutzern.

Auch ein weiteres wichtiges Standbein Teslas bleibt mit Innovationen hinter der Konkurrenz zurück: Teslas eigene Batterieproduktion. Im Rahmen des Battery Days in 2020 stellte der E-Autobauer ambitionierte Pläne vor aus denen bis 2024 nicht viel geworden ist, sodass Tesla weiterhin auf Akkus von CATL, Panasonic und selbst von seinem größten Konkurrenzen BYD zurückgreifen muss. Es scheint die Investments in Forschung und Entwicklung sind in den letzten Jahren zu kurz gekommen.

Umstrittener CEO Musk

Darüber hinaus entwickelt sich auch Tesla-Chef Musk immer mehr zum Problem für den E-Autobauer. Der Tausendsassa steht mittlerweile einer ganzen Riege von Unternehmen vor, weshalb sich Anleger sorgen, Tesla könne nicht die nötige Aufmerksamkeit seitens des Visionärs bekommen. Hierbei sorgte insbesondere die medienwirksame milliardenschwere Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter für Stirnrunzeln. Dabei will Musk um jeden Preis auch weiterhin Teil der wichtigen Entscheidungen bei Tesla sein und strebt laut einem X-Post von ihm eine Beteiligung von rund 25 Prozent an, um den E-Autobauer "zum einem Vorbild in KI und Robotik" zum machen. Deshalb wolle er genug Entscheidungsgewalt besitzen "um Einfluss zu nehmen, aber nicht so viel, dass ich nicht überstimmt werden kann". Wenn er dieses Zeil jedoch nicht erreiche, ziehe er es vor "Produkte außerhalb von Tesla" zu bauen.

Angesichts dieser Masse an Herausforderungen, denen sich der E-Autobauer gegenüber sieht, könne man von einer beginnenden Abwärtsspirale sprechen, wie Frank Wunderlich-Pfeiffer in einem Beitrag bei Golem erklärt. Weil die Nachfrage nach Tesla-Stromern abnimmt, können die Werke nicht voll ausgelastet werden, wodurch die Produktionskosten in die Höhe schießen, man die Preise aber nicht entsprechend anziehen kann. Gleichzeitig ist die Aussicht auf neue Produkte oder andere Innovationen ungewiss. Ob Tesla also dem Anfang vom Ende gegenüber steht oder das Ruder noch einmal herumreißen kann, bleibt letztlich abzuwarten.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Andrei Tudoran / Shutterstock.com, betto rodrigues / Shutterstock.com

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30.04.2024Tesla Equal WeightBarclays Capital
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