21.08.2021 23:25

Wie Private Equity-Firmen mit Beteiligungen ein Vermögen machen

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Abseits der Börse fließen derzeit Rekordsummen in Unternehmensbeteiligungen. Wie Anleger dennoch mitverdienen.
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von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Französischer Milliardär kauft deutsche Kultmarke." Es sind Zeitungsmeldungen wie diese, die ein Schlaglicht werfen auf eine meist abseits der Öffentlichkeit operierende Branche: Private Equity oder privates Beteiligungskapital. Im Februar übernahm der Unternehmer Bernard Arnault zusammen mit der französisch-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft L Catterton bei dem deutschen Schuhhersteller Birkenstock die Mehrheit. Details des Deals wurden nicht bekannt, Branchenkenner taxieren den Wert der Sandalenfirma aber auf rund vier Milliarden Euro.

Mehr als das Dreifache dieser Summe kam auf den Tisch, als im Mai Finanzinvestoren Teile des französischen Abfall- und Wasserkonzerns Suez übernahmen. Mit 12,5 Milliarden Euro markiert diese Transaktion den größten Private- Equity-Deal der ersten sechs Monate 2021 in Europa. Überhaupt trägt das zurückliegende Halbjahr völlig zu Recht den Titel "Rekord". Denn Private-Equity-Investoren haben in dieser Zeit auf dem alten Kontinent mehr investiert als je zuvor seit Beginn der Statistik 1980.

Wie die "Börsenzeitung" auf Basis von Daten des Analysehauses Refinitiv berichtet, stieg das Volumen der angekündigten Deals von 59,1 Milliarden US-Dollar in der ersten Hälfte 2020 auf 155,8 Milliarden Dollar im ersten Semester dieses Jahres. Die Anzahl der Transaktionen kletterte von 991 auf 1585.

Auch weltweit feiert die Private-Equity-Branche Rekorde. Finanzinvestoren wie KKR, Ares oder die Partners Group beteiligten sich von Januar bis Juni mit 513 Milliarden Dollar an Unternehmen. Fast 6.300 Transaktionen gaben die Gesellschaften seit Jahresanfang bekannt und sorgten damit für das stärkste Halbjahresergebnis seit 1980.

Was sorgt für diesen gewaltigen Run in die Anlageklasse Private Equity? Die simple Antwort: viel Geld auf der Suche nach rentablen Anlagemöglichkeiten. Die Geldschleusen der Notenbanken sind weit offen, Regierungen haben billionenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt, und die Renditen für festverzinsliche Wertpapiere bewegen sich weiterhin am Boden. Das spült viel Kapital in die Kassen der Private-Equity-Häuser.

Dazu kommt, dass privates Beteiligungskapital, Infrastrukturinvestments oder Kredite außerhalb des Bankensektors (Private Debt) für mehr und mehr professionelle Investoren keine Nische mehr sind, sondern ein fester Bestandteil des Portfolios. Denn insbesondere bei Private Equity locken hohe Ertragschancen. In der Regel verdoppelt eine Beteiligungsgesellschaft innerhalb von drei Jahren ihr eingesetztes Kapital.

Von regional zu international

Um hohe Wertsteigerungen zu erzielen, entwickeln Private-Equity-Häuser "ihre" Unternehmen weiter. Markus Pimpl, Managing Director bei der Schweizer Partners Group, nennt das Beispiel der Firma Schleich, die für ihre detailgetreuen Spielfiguren bekannt ist. "Nachdem wir eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen erworben hatten, richteten wir ziemlich rasch einen Onlineshop ein, was in der Corona- Zeit extrem wichtig war", so Pimpl. "Daneben erschließen wir neue Märkte: Italien, Spanien, USA. Als Investor muss ich solchen Entwicklungen Zeit geben. Dann bekomme ich auch mehr Geld, wenn ich die Firma wieder veräußere."

Zweifellos hat sich die Private-Equity- Branche in den vergangenen zwei Dekaden stark verändert. In den 90er- und Anfang der 2000er-Jahre war es das übliche Vorgehen, mit wenig Eigen- und viel Fremdkapital in ein Zielunternehmen einzusteigen, auf Wertsteigerungen zu hoffen und dann zu verkaufen. "Das ist altes Private Equity", sagt Pimpl zu dieser Beteiligungsform, die der Branche einst ihren zweifelhaften Ruf als "Heuschrecken" einbrachte.

"Mittlerweile haben die seriösen Häuser alle Teams aufgebaut mit operativer Expertise", erklärt Pimpl. "Die gehen in die Unternehmen rein und schauen, was man dort besser machen kann." So habe die Partners Group beispielsweise den Softwareanbieter GlobalLogic weiterentwickelt. Vor drei Jahren kaufte man das Unternehmen für zwei Milliarden Dollar, 2021 verkauften es die Schweizer für 9,5 Milliarden an Hitachi.

"Das war möglich", sagt Pimpl, "weil wir bei GlobalLogic dedizierte Vertriebsstrategien eingeführt und den Kundenstamm dadurch global diversifiziert haben. Ein größerer Kundenstamm und eine steigende Nachfrage haben dazu geführt, dass GlobalLogic seit der Erstinvestition von Partners Group mehr als 7.000 zusätzliche Softwareentwickler, Ingenieure und Datenexperten eingestellt hat."

Die Einstiegshürden sinken

Doch nicht nur die Private-Equity-Firmen haben sich gewandelt. Auch die Anlageklasse erobert sich Kundenkreise jenseits der großen institutionellen Investoren. Dafür sorgt das vor sechs Jahren von der Europäischen Union erarbeitete Investitionsvehikel für illiquide Anlagen, der European Long-Term Investment Fund oder kurz Eltif.

Er bietet Privatanlegern einen regulierten, diversifizierten und transparenten Zugang zu Privatmarkt-Beteiligungen, zum Beispiel Infrastruktur, Private Debt oder Private Equity. Ein Eltif muss in der Regel mindestens zehn verschiedene Vermögenswerte halten, maximal zehn Prozent sollten dabei in einem einzelnen Vermögenswert stecken.

Mindestens 10.000 Euro müssen Anleger in diese neue Form der Geschlossenen Fonds investieren. Und: Wer weniger als 500.000 Euro Vermögen besitzt, darf maximal zehn Prozent seines Kapitals in einen langfristigen Investmentfonds anlegen. Eltifs werden im Beratungsgeschäft bei Banken angeboten. Im Fall des Private Markets Eltif der Partners Group (Mindestanlage: 20.000 Euro) ist das zum Beispiel die UBS.

Einfacher und mit deutlich geringeren Summen können Privatanleger das Thema Private Equity mit Publikumsfonds und ETFs spielen, die an der Kursentwicklung der börsennotierten Private-Equity-Firmen weltweit partizipieren (siehe Investor-Info unten).

Wer mehr Risikobereitschaft mitbringt, für den bietet sich auch die Investition in einzelne Beteiligungsgesellschaften an. Zum Beispiel in einen weltweiten Riesen wie KKR (früher Kohlberg Kravis Roberts & Co). Der ist neben Private Equity auch in den Geschäftsfeldern Infrastruktur oder Immobilien tätig. Aktiv ist das Unternehmen neben Nord- und Südamerika auch in Europa, dem Nahen Osten und der Region Asien- Pazifik. Wichtig: Fonds, ETFs und Einzelwerte sind Investments mit dem typischen Risikoprofil von Aktien, nicht von privaten Beteiligungen.


INVESTOR-INFO

KKR

Die starke Nummer 2

Mit mehr als 150 Milliarden Dollar Vermögen ist KKR in der Private-Equity-Branche global die Nummer 2. Der jüngst übernommene US-Rückversicherer Global Atlantic bringt 300 Millionen Dollar jährliche Einnahmen ein. In Deutschland brachte KKR zuletzt die Rüstungsfirma Hensoldt an die Börse. Weltweit ist KKR stark in Infrastrukturprojekten und Immobilienmärkten präsent. Für 2021 erwarten Analysten mit 5,3 Milliarden Dollar eine mehr als 30-prozentige Umsatzerhöhung.

PGLI - Listed Private Equity

Der Fonds der Spezialisten

Partners Group ist ein Spezialist für außerbörsliche Beteiligungen. Mit diesem Portfolio bieten die Eidgenossen auch Privatanlegern eine Investitionsmöglichkeit. Im Fonds sind börsennotierte Unternehmen aus den Bereichen Buy-out (Unternehmensübernahme), Private Debt (private Firmenkredite) und Venture (Wagniskapital) versammelt. Auf der Top-Position des Fonds rangiert derzeit die "eigene" Aktie, Partners Group Holding.

Xtrackers LPX Private Equity

Auf den Index setzen

Der Private Equity Major Market Index des Züricher Anbieters LPX bildet die Wertentwicklung der 25 größten börsengehandelten Beteiligungsgesellschaften weltweit ab. Mit einem ETF von Xtrackers können Anleger partizipieren. Die Großen der Branche wie KKR, Blackstone, Partners Group oder Carlyle Group sind mit jeweils um die zehn Prozent hoch gewichtet. Auf Sicht von fünf und zehn Jahren lief der ETF nicht ganz so gut wie der aktiv gemanagte Fonds der Partners Group. Über ein und drei Jahre liegt der Indexfonds leicht vorn.










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