07.02.2014 14:30

China: Laute Rufe nach Veränderung

Folgen
Die börsennotierten Staatskonzerne Chinas zählten im vergangenen Jahr zu den größten Verlierern. ­Ihnen droht weiterer Gegenwind, weil die politische Führung künftig mehr Markt zulassen will.
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von Sabine Gusbeth, Euro am Sonntag

Mit ohrenbetäubendem Krach haben die Chinesen am Freitag das neue Jahr willkommen geheißen. Es steht im Zeichen des Pferdes. Kaum ein Tierkreiszeichen passt besser zu den Herausforderungen, vor denen China derzeit steht. Denn das Jahr des arbeitsamen und zugleich dynamischen Pferdes gilt als ideal, um neue Projekte anzugehen - Projekte wie die von der chinesischen Führung Mitte November angekündigten tief greifenden Wirtschaftsreformen.

In einer Neujahrsansprache Anfang Januar nannte der Präsident und Parteichef Xi Jinping als wichtigste Aufgabe für 2014, die radikalsten Wirtschaftsreformen seit der Öffnung Chinas in den 1990er-­Jahren voranzutreiben. Auf dem Dritten Plenum Anfang November 2013 hat die Kommunistische Partei ein umfangreiches Reformpaket verabschiedet.

Denn Chinas Wachstumsmodell, das bisher auf billigen Arbeitskräften und staatlichen Investitionen basiert, stößt an seine Grenzen. Im vergangenen Jahr wuchs das Land wie schon im vergangenen Jahr nur noch um 7,7 Prozent - der niedrigste Wert seit 1990 (siehe Grafik unten). Für deutsche Verhältnisse mag das nach viel klingen. Doch für eine aufstrebende Volkswirtschaft wie China ist das wenig - zumal schätzungsweise die Hälfte davon nur dank staatlicher Investitionen generiert werden konnte. Und die sollen künftig gekürzt werden.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, bezeichnete das langsamere Wachstum daher als "gewollte Abkühlung" und geht davon aus, dass die Rate weiter sinken wird. Die angekündigten Reformen hält er für "absolut notwendig". Insbesondere die Liberalisierung des Finanzwesens sei unerlässlich. Die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen hätten zu einer "Verschwendung von Kapital" geführt, so Krämer.

Das sieht inzwischen auch die Führung in Peking so. Danach sollen der verkrustete Finanzsektor dereguliert und das Steuersystem reformiert werden sowie die dominierenden Staatskonzerne an Einfluss verlieren.
An der chinesischen Börse kommen die neuen Töne aus dem Politbüro nicht gut an. Denn sie bedeuten auch, dass China sich künftig mit ­einem langsameren, aber nachhaltigeren Wachstum zufriedengeben muss. So verlor der Leitindex Shanghai Composite (SSE) im vergangenen Jahr knapp acht Prozent, während die Indizes entwickelter Volkswirtschaften wie Deutschland, USA oder Japan deutlich zulegten.

Wohl der Kommunistischen Partei Neben dem abgeschwächten Wirtschaftswachstum könnte auch die Zusammensetzung des chinesischen Leitindex einen Hinweis auf seine schwache Entwicklung geben: Bei vielen der Unternehmen, die in Shanghai notiert sind, handelt es sich um staatliche oder staatlich dominierte Konzerne. Sie leiden besonders unter der geplanten Reduzierung staatlicher Investitionen. Die bekanntesten Staatskonzerne im Leitindex sind die Fluggesellschaft Air China, die Bank of China, der Rohstoffkonzern Sinopec (offizieller Name: China Petroleum & Chemical Corp.) sowie der Automobilhersteller und Volkswagen-Kooperationspartner SAIC.

Wer in chinesische Aktien investiert, setzt auf Unternehmen, die nicht nach Gewinnsteigerungen streben, sondern danach, das Wohl der kommunistischen Partei zu maximieren. Das zeigt sich inzwischen auch an der Entwicklung der Aktienkurse. Die börsennotierten Staatskonzerne zählten zu den größten Verlierern im vergangenen Jahr. Einer Untersuchung des chinesischen Datenlieferanten Wind Information zufolge waren unter den 100 Aktien, die 2013 am schlechtesten abschnitten, ganze 80 Staatskonzerne. Zusammengenommen haben diese Unternehmen im vergangenen Jahr 741  Milliarden Renminbi, umgerechnet fast 90 Milliarden Euro, an Börsenwert vernichtet. Größter Verlierer war der Ölkonzern PetroChina, der innerhalb eines Jahres fast 27 Milliarden Euro an Wert einbüßte.

Notverkäufe bei Staatskonzernen
Grund für den Wertverfall bei den börsennotierten Staatskonzernen sind enorme Verluste, die viele der Riesen einfahren. Einigen, wie der Reederei Cosco und dem Aluminiumproduzenten Chalco, drohte aus diesem Grund gar die Einstellung der Börsennotierung. Sie sahen sich gezwungen, sich von Anlagevermögen in Milliardenhöhe zu trennen, um die Verluste einzudämmen.

Offiziellen Angaben zufolge haben sich Staatskonzerne aus den Bereichen Rohstoff- und Stahlproduktion, Schiffbau und Energie bis Ende September 2013 von Unternehmensteilen im Wert von über 21 Milliarden Euro getrennt oder diese zum Verkauf gestellt.

Fondsmanager Raymond Ma von Fidelity mahnt zur besonderen Vorsicht bei Aktien aus dem Bereich Banken und Telekommunikation. "Bei Letzteren dürften Erträge und künftiges Wachstum unter der geplanten Liberalisierung des Marktes leiden", prognostiziert er.

Eine Einschätzung, die auch auf andere Staatskonzerne zutreffen dürfte. Der Gegenwind wird sich für sie im Jahr des Pferdes wohl weiter verstärken. Die staatlichen Konglomerate und ihre Lenker, meist ranghohe Parteimitglieder, waren bislang die Profiteure von Chinas Aufstieg. Nicht wenige von ihnen sind in illegale Geschäfte wie Korruption und Steuerhinterziehung verstrickt. Staatschef Xi will ihren Einfluss künftig beschneiden.

Denn der aufgeblasene Staatssektor gilt zunehmend als Wachstumshemmnis. Durch billige Kredite und undurchsichtige Interessen werden Fehlanreize und damit Überkapazitäten geschaffen. Darüber hinaus verdrängen staatlich finanzierte ­Unternehmen private Firmen vom Markt ­- eine Spätfolge des 500-Milliarden-Euro-Konjunkturpakets, das die chinesische Regierung 2007 ihrer Wirtschaft verabreicht hatte, um die Folgen der Finanzkrise einzudämmen.

Doch allmählich laufen die staatlichen Programme aus. Die Lücken, die entstehen, werden bislang nicht durch private Investitionen oder Binnenkonsum gefüllt. Deswegen lässt das Wachstum nach.
Denn auch die privaten Unternehmen stecken in einer Bredouille, weil ihnen zunehmend der Geldhahn zugedreht wird. Sie erhalten nur knapp ein Fünftel des Kredit­volumens, das die staatlichen Banken vergeben. Und das, obwohl sie doppelt so viel zum Wachstum beitragen wie Staatskonzerne.

Staatschef Xi will künftig mehr Markt zulassen. Ob ihm das gelingt, ist offen. Bislang sind den Ankündigungen grundlegender Reformen von November 2013 noch keine Taten gefolgt. Hoffnung macht jedoch die Tatsache, dass Xi seit seinem Amtsantritt im November 2012 so viel Macht auf sich vereint hat wie kein anderer chinesischer Staatschef seit Mao Zedong. Auch wird Xi die neu gegründete Reformkommission selbst leiten. Die Zügel der kommunistischen Partei scheint er damit fest in Händen zu halten. In den kommenden Jahren wird Xi Jinping beweisen müssen, dass er ein Zugpferd ist - und nicht ein lahmer Gaul. 

Investor-Info

Wirtschaftswachstum
Gewollte Abkühlung

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie lange nicht mehr. Das ist politisch gewollt. Chinas Regierung will die Wirtschaft reformieren. Denn das bisherige Wachstum basiert vor allem auf staatlichen Geldspritzen. Künftig sollen Binnenkonsum und ­private Investitionen Wachstumstreiber sein. 












Investieren in China
Schwierige Wahl von A bis H

An der Börse Shanghai werden die in chinesischen Renminbi notierenden A-Aktien sowie auf US-Dollar lautende B-Aktien gehandelt. Lange durften Ausländer nur B-Aktien kaufen, inzwischen wurde dieses Verbot gelockert. Beide Typen gelten als volatil und illiquide. Eine Alternative sind die sogenannten H-Aktien an der Börse Hongkong.

Comstage ETF HSCEI
Zu viel Unsicherheit

Der ETF bildet die Entwicklung der in Hongkong ­notierten chinesischen Aktien ab, die Privatanleger aufgrund der höheren Transparenzanforderungen bevorzugen sollten. Allerdings machen Finanztitel über 60 Prozent des Portfolios aus, Staatskonzerne dominieren: Aktuell ist das keine günstige Konstellation. Vorerst meiden.

GAM Star China Equity EUR
Attraktive Nischen

Fondsmanager Michael Lai ist ein echter Stock-­Picker. Er weicht bei seiner Portfolioauswahl deutlich vom Index ab und setzt auf Bereiche, in denen die Staatskonzerne gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Aktuell investiert er in Glücksspielkonzerne in Macau sowie in die Sektoren IT und Umweltschutz. Gerade die letzten beiden Bereiche werden von zukünftigen Reformen profitieren. ­Banken hat Lai im Vergleich zum MSCI China ­deutlich untergewichtet. Bester China-Fonds der vergangenen fünf Jahre. 

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