30.11.2020 22:05

BioNTech, CureVac & Co: Wie Anleger an dem Impfstoff-Trend partizipieren können - und was sie damit riskieren

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Die Corona-Krise hat die Märkte weiter fest im Griff. Doch jüngst waren es insbesondere positive Nachrichten von der Impfstoff-Front, die für Erleichterung unter Anlegern gesorgt haben. Für Markteilnehmer rücken daher verstärkt Impfstoff-Aktien in den Fokus - doch diese Beteiligungen sind keine Rendite-Selbstläufer.
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• Impfstoffhersteller werden an der Börse gefeiert
• Anleger haben zahlreiche Optionen
• Fokus nicht ohne Anlegerrisiko


Beim Thema Impfstoffentwicklung gibt es aktuell positive Entwicklungen an zahlreichen Fronten. Immer mehr Impfstoffhersteller melden Erfolge, inzwischen sind die Hoffnungen gestiegen, dass mindestens einer der Impfstoffe in absehbare Zeit bis zur Zulassung kommt und dann der Kampf gegen das Corona-Virus auch auf medizinischer Basis aufgenommen werden kann.

Anleger, die von dieser Entwicklung profitieren wollen, tun gut daran, bei der Auswahl ihrer Investments gezielt hinzuschauen. Denn die Aussicht auf ein Leben nach und ohne Corona euphorisiert nicht nur die Menschen weltweit, sondern auch die Aktienmärkte. Und nicht in allen Fällen ist die große Euphorie gerechtfertigt.

Investieren in Impfstoffhersteller-Aktien

Für Anleger, die gezielt in Firmen investieren wollen, die sich in der Impfstoffforschung verdient gemacht haben und möglicherweise bald ein entsprechendes Präparat auf den Markt bringen, ist die Investition in Aktien von Impfstoffherstellern die beste Wahl.

Dabei kommen inzwischen einige Kandidaten in Frage. BioNTech zum Beispiel, das Mainzer Unternehmen, das an der Börse inzwischen höher gehandelt wird als der Traditionskonzern Fresenius.
BioNTech hat gemeinsam mit Pfizer an einem Impfstoff gearbeitet und konnte als erstes Unternehmen Erfolgsmeldungen präsentieren. 95 Prozent Schutz vor COVID-19 soll der gemeinsame Impfstoff bieten - schwere Nebenwirkungen soll es dabei so gut wie keine geben. Die Hoffnung, dass BioNTech das Impfstoffrennen gewinnen wird, schlagen sich auch in der Aktienkursentwicklung wieder: Vor einem Jahr kostete die Aktie noch rund 20 US-Dollar, nun setzt sie sich weit oberhalb der 100-US-Dollar-Marke fest.

Ebenfalls gut im Rennen liegt der US-Biotechriese Moderna. Zuletzt war hier die Rede davon, dass man die Europäische Union noch im Dezember mit einem Impfstoff versorgen könnte - vorbehaltlich der Zulassung. Auch das Mittel von Moderna soll ohne große Nebenwirkungen auskommen und Unternehmensangaben zufolge einen 94,5-prozentigen Schutz vor COVID-19 bieten. Auch hier sollten Anleger im Blick behalten, dass der Aktienkurs bereits sehr heiß gelaufen ist. Vor rund einem Jahr war die Moderna-Aktie für deutlich unter 20 Dollar zu haben, inzwischen ist der Kurs bis auf 109 US-Dollar angestiegen.

Als dritter Hoffnungsträger im Bereich Impfstoffentwicklung gilt inzwischen der britische Pharmariese AstraZeneca. Anders als BioNTech und Moderna, die sich auf mRNA-Präparate konzentrierten, haben sich die Briten der traditionellen Impfstoffentwicklung verschrieben und einen Vektorimpfstoff entwickelt, bei dem das Antigen selbst gespritzt wird und nicht lediglich die genetische Information des Antigens, das der Körper dann selbst bilden muss. Vorläufigen Studiendaten zufolge soll das AstraZeneca-Mittel zu 70 Prozent gegen das Coronavirus schützen. Bei dem traditionellen Pharmakonzern fiel die Anlegerreaktion deutlich verhaltener aus als bei den Aktien von BioNTech oder Moderna. Nur 3,4 Prozent hat die AstraZeneca-Aktie innerhalb eines Jahres gewonnen und blieb damit sogar hinter dem breiten Markt zurück.

Auch Novavax ist im Rennen um einen COVID-19-Impfstoff dabei, wird aber wohl erst 2021 ein entsprechendes Mittel auf dem Markt haben. Hier zeigt sich, in welchem Ausmaß das Prinzip "Hoffnung" gehandelt wird: Die Novavax-Aktie kostete vor Ausbruch der Corona-Pandemie rund 3 US-Dollar, inzwischen hat sie satte 2.600 Prozent zugelegt. Allerdings verlief diese Entwicklung alles andere als linear, stattdessen haben sich Novavax-Titel insbesondere seit dem Sommer 2020 extrem volatil gezeigt.

Das gefeierte Tübinger Unternehmen CureVac wurde im Rennen um einen Coronavirus-Impfstoff unterdessen ein wenig abgehängt, mit einer Zulassung rechnet auch Haupteigentümer und SAP-Gründer Dietmar Hopp erst im Frühjahr oder Sommer kommenden Jahres. Doch die Tübinger punkten in anderer Hinsicht: Mit einer niedrigen Dosierung. Der Börsenneuling hat seit dem IPO kräftig zulegen können. Anleger, die beim Ausgabepreis von 16 US-Dollar zugeschlagen hatten, haben nun eine Positiv-Performance von mehr als 400 Prozent erzielt.

Investieren in Zulieferer und Partner

Marktteilnehmer, die abseits der heiß gelaufenen Impfstoffhersteller in das Thema investieren wollen, können sich auf Partner und Zulieferer der Impfstoffaktien konzentrieren, die im Windschatten der Vakzin-Forscher ebenfalls teils kräftige Gewinne einfahren konnten.

Dazu zählen unter anderem WACKER CHEMIE, die im ersten Halbjahr 2021 mit der Produktion des CureVac-Impfstoffes starten wollen. Auch der MDAX-Konzern konnte innerhalb des letzten Jahres kräftig zulegen und hat bislang rund 55 Prozent an Wert gewonnen.

Und auch die Kenntnisse des Medizintechnik-Spezialisten Gerresheimer werden im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung gefragt sein. Der MDAX-Kollege von WACKER produziert Pharmafläschchen für medizinische Produkte und wird dies in diesem Zusammenhang auch in Sachen COVID-19-Impfstoff als Zulieferer tätig sein. Die Nachfrage dürfte hoch ausfallen, schließlich müssen die Impfstoffe in alle Welt transportiert werden. An der Börse wird dies mit einem Kursplus von rund 40 Prozent innerhalb eines Jahres honoriert.

Die Lagerung der Vakzine wird künftig ebenfalls verstärkt in den Fokus rücken - ein Geschäftsfeld, das bei va-Q-tec eine große Rolle spielt. Das Unternehmen stellt Transportcontainer her, die extremen Temperaturen Stand halten. Das ist insofern wichtig, als dass die Impfstoffe teils deutlich gekühlt werden müssen - während des Transports und auch während der Lagerung, bis sie schließlich zum Einsatz kommen. Auch Börsianer haben die Marktchancen erkannt, die sich durch das Geschäftsmodell für va-Q-tec erschließen - innerhalb von einem Jahr hat die Aktie 240 Prozent zugelegt.

Testhersteller unter der Lupe

Abseits von Unternehmen, die Impfstoffe entwickeln, produzieren oder das dafür notwendige Zubehör verkaufen, sollten Anleger auch Hersteller von Corona-Testkits genauer im Auge behalten. Denn bis es zu einer Grundimmunisierung der Bevölkerung kommt - ob durch Infektion mit dem Virus oder breit angelegte Impfmaßnahmen - wird es weiter wichtig bleiben, SARS-CoV-2-Infektionen zuverlässig zu erkennen.

Börsennotierte Unternehmen, die COVID-19-Tests im Repertoire haben, sind neben dem Schweizer Pharmariesen Roche auch der Biotechkonzern QIAGEN und die Marburger NanoRepro AG. Hier haben Anleger die Marktchancen zuletzt unterschiedlich bewertet: Während Roche an der Schweizer Börse innerhalb der letzten zwölf Monate 1,9 Prozent verlor, ging es für QIAGEN im gleichen Zeitraum an der NYSE rund 11 Prozent nach oben. Die Aktie von NanoRepro ist unterdessen in der Zeit explodiert: Satte 360 Prozent ging es für den Anteilsschein seit November 2019 aufwärts.

Risiken für Anleger

Die zuletzt guten Nachrichten von der Impfstofffront haben die Impfstoff-Rally befeuert und unter Anlegern enorme Hoffnungen geschürt. Jede Mitteilung, die positiv interpretiert werden konnte, wurde am Markt frenetisch gefeiert, FOMO - die Angst, etwas zu verpassen - hat von vielen Anlegern Besitz ergriffen und die Aktien vieler Impfstoffhersteller auf durchaus diskussionswürdige Bewertungsniveaus getrieben. Dazu trug auch der Vormarsch von Trading-Apps wie Robinhood bei, die es Marktteilnehmern so leicht wie möglich machen wollen, schnell und unkompliziert in Aktien zu investieren. Insbesondere Börsenneulinge wie CureVac und BioNTech, die in ihrer Produktpipeline stark eingeschränkt sind, wurden mit massiven Vorschusslorbeeren bedacht, während Aktien von etablierten (Pharma-)Unternehmen, die auf eine erfolgreiche operative Geschichte zurückblicken können und mit ihrer Produktpalette deutlich breiter aufgestellt sind, zumeist das Nachsehen hatten.

Die Euphorie am Markt, die Anleger insbesondere bei den Wachstumstiteln der Branche auslebten, erinnert an die Rally der Techwerte in den USA, wo es in der Vergangenheit zu teils absurden Bewertungsniveaus gekommen war, wo aber auch milliardenschwere Marktdominatoren entstanden sind.
Die Hoffnungen im Impfstoffbereich sind nun ähnlich gelagert: Anleger hoffen darauf, dass die kleinen Biotechunternehmen den großen und schwerfälligen Pharmariesen in Sachen Impfstoff enteilen können und möglicherweise den Markt komplett übernehmen. Zudem wird es angesichts der Tatsache, dass die Corona-Pandemie weltweit wütet, wohl Platz für mehr als einen Impfstoff geben.

Nicht alle werden es schaffen

Auf der anderen Seite werden es wohl zahlreiche Vakzine gar nicht bis zur Marktreife schaffen oder werden angesichts einer zunehmenden Marktdurchdringung möglicherweise ihre Kosten nicht ansatzweise einspielen können. Das wird sich zwangsläufig in der Aktienbewertung niederschlagen. Marktteilnehmer, die dann "aufs falsche Pferd" gesetzt haben, haben das Nachsehen.

Und selbst wenn sich ein Hersteller von der Konkurrenz deutlich absetzen könnte, dürfte es wohl nicht allzu lange dauern, bis es ein Nachahmer-Vakzin gibt, das möglicherweise kostengünstiger produziert wird. Auch dann dürften die hohen Bewertungsniveaus nur zu rechtfertigen sein, wenn es mehr als ein Produkt gibt, das sich - neben dem Coronavirus-Impfstoff - als zukunftsfähig erweist. Börsianer, die vor diesem Hintergrund mehr als einen Impfstoffhersteller ins Depot holen, setzen sich einem unnötigen Klumpenrisiko aus, wenn sie ihr Portfolio nicht auf anderem Weg entsprechend diversifiziert haben. Durch das Investieren in Partner und Zulieferer etwa, die einen breiten Kundenstamm haben und auch nach Corona noch gute Geschäfte machen werden. Oder durch die Wahl eines ETFs, mit dem das Risiko ebenfalls verkleinert werden kann.



Redaktion finanzen.net

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