Nach EZB-Entscheid: DAX schließt tief im Minus - 23.000er-Marke unterschritten - Steigender Ölpreis im Fokus

Der deutsche Aktienmarkt erlitt aufgrund der erneut deutlich gestiegenen Ölpreise am Donnerstag nochmals einen klaren Rückschlag.
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Der DAX wies zum Sitzungsbeginn einen Abschlag von 1,45 Prozent auf 23.160,58 Zähler aus. Danach fiel er immer tiefer und damit zeitweise sogar unter die 22.800er-Hürde.
Auch die am Nachmittag erfolgte EZB-Leitzinsentscheidung brachte keine Gegenbewegung: Der DAX bleibt sichtlich angeschlagen. Er beendete die Sitzung 2,82 Prozent tiefer bei 22.839,56 Punkten.
Allein in den vergangenen zwei Handelstagen hat das Börsenbarometer mit dem heutigen Tagestief (22.759,42 Punkte) rund 1.000 Punkte einbüßen müssen. Außerdem markierte dies den niedrigsten Stand seit Ende April 2025.
Neue Eskalationsstufe erreicht: Ölpreis mit erneutem Anstieg
Nun kam erneut Druck vom Ölpreis, dessen Anstieg Konjunktur- und Inflationssorgen schürt. Fortgesetzt gegenseitige Angriffe im Krieg im Nahen Osten auf Energieanlagen treiben die Ölpreise wieder stark nach oben. Zeitweise kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wieder rund 115 Dollar. Der bisherige Höchststand im Zuge des Iran-Kriegs hatte an besagtem Montag mit fast 120 Dollar auf dem höchsten Stand seit 2022 gelegen. Ein iranischer Offizieller sprach in der Nacht auf X von einer neuen Eskalationsstufe. Damit reagiert das Regime auf zunehmende Angriffe auf seine Energieinfrastruktur. Der Iran sieht seinerseits Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar als legitime Ziele.
Fed bleibt in angespanntem Umfeld tatenlos
Am Vorabend hatten die wichtigsten US-Indizes ihre Verluste nach dem europäischen Handelsende massiv ausgeweitet. Die US-Notenbank Fed ließ in dem durch den Iran-Krieg verunsicherten Umfeld ihre Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert. Ein Commerzbank-Experte sprach von einem "falkenhaften Festhalten" am aktuellen Zins. Geldpolitisch setzen die sogenannten "Falken" restriktiv primär auf die Bekämpfung von Inflation durch steigende Zinsen.
Die Kernbotschaft der US-Notenbank war Unsicherheit. Sie ließ erwartungsgemäß die Leitzinsen unverändert und veröffentlichte Zinsperspektiven (Dot Plots), die auf nur noch eine Zinssenkung in diesem Jahr hindeuten, und nicht mehr auf zwei wie noch beim vorangegangenen Treffen im Januar. Auch das überraschte nicht. In der begleitenden Erklärung räumte die Fed allerdings "Unsicherheit" aufgrund des Krieges im Nahen Osten ein. Und Fed-Chef Powell sagte, die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten seien ungewiss. "Die höheren Energiepreise werden die Inflation antreiben, aber es ist noch zu früh, das Ausmaß abzuschätzen".
EZB-Leitzinsentscheid
Am Donnerstag richteten sich die Blicke auf weitere Notenbanken. Nach der US-Notenbank am Vorabend standen heute unter anderem Zinsentscheidungen in der Schweiz, England, Japan und auch die der EZB ins Haus. Die EZB hat bekannt gegeben, dass sie den Zins nicht antastet und der vielbeachtete Einlagenzins weiterhin bei 2 Prozent verharrt.
Die Europäische Zentralbank warnte vor deutlich unsichereren Aussichten durch den Krieg im Nahen Osten. "Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge."
Derweil ließ auch die japanische Notenbank wie erwartet die Zinsen unverändert, wies aber ebenfalls auf zunehmende Unsicherheit der Auswirkungen des Krieges auf die Inflation hin. Anders als die US-Notenbank befindet sich die japanische Zentralbank allerdings ohnehin bereits in einem Zinserhöhungszyklus und im April dürften die Zinsen weiter angehoben werden. Die Notenbanker erklärten, dass der weitere Verlauf des Nahost-Konflikts und die Entwicklung der Rohölpreise den Inflationspfad Japans beeinflussen könnten, insbesondere angesichts der starken Abhängigkeit des Landes von Energieimporten.
DAX-Rekord vom Januar rückt weiter in die Ferne
Am 13. Januar hatte der DAX bei 25.507,79 Punkten ein Allzeithoch markiert und damit erstmals in seiner Geschichte die Schwelle von 25.500 Punkten überschritten. Letztlich war er an diesem Tag bei 25.420,66 Zählern in den Feierabend gegangen, was einen neuen Rekord auf Schlusskursbasis bedeutete.
Carolin Ludwig, Alexandra Hesse, Melanie Schürmann, Benedict Kurschat, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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