Diversifikation

Carry Trades und Zinsdifferenz-Zertifikate - Wie lässt sich davon profitieren?

05.02.26 03:20 Uhr

Geld arbeiten lassen? So funktionieren Carry Trades und Zinsdifferenz-Zertifikate | finanzen.net

Carry Trades nutzen Zinsunterschiede zwischen Währungen, um Gewinne zu erzielen - besonders beliebt war lange der Yen als günstige Finanzierungswährung. Doch mit steigenden Zinsen in Japan und sinkenden Renditen in den USA verliert diese Strategie an Attraktivität, während Zinsdifferenz-Zertifikate für Privatanleger wieder interessanter werden.

Was ist ein Carry Trade?

Das Grundprinzip eines Carry Trades ist, wie Trading.de erklärt, einfach: Investoren leihen sich Kapital in einer Währung mit niedrigem Zinssatz, die sogenannte Funding-Währung und legen dieses Geld zeitgleich in einer höher verzinsten Währung an. Der Gewinn entsteht dabei aus der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen sowie aus den Kursveränderungen des Währungspaars.

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Entscheidend für den Erfolg eines Carry Trades ist das Zinsgefälle zwischen den beteiligten Ländern. In der Praxis bedeutet das, dass die Niedrigzins-Währung verkauft und die Hochzins-Währung gekauft wird. Besonders verbreitet sind Konstellationen mit dem japanischen Yen als Funding-Währung, dem häufig der australische Dollar oder der US-Dollar als Ziel-Währung gegenübersteht.

Der "Yen Carry Trade"

Der japanische Yen galt von Anfang 2016 bis Anfang 2024 als die mit Abstand beliebteste Funding-Währung. Der Grund: Der Leitzins lag in diesem Zeitraum konstant bei minus 0,1 Prozent. Damit war der Yen nicht nur besonders günstig zu finanzieren, über den Währungsswap-Markt konnten professionelle Marktteilnehmer aufgrund der Zinsdifferenz und hoher Basis-Spreads teils sogar negative effektive Refinanzierungskosten erzielen. Das machte die Währung über Jahre hinweg zur idealen Basis für Carry Trades, wie Reuters erklärt.

Ein Beispiel verdeutlicht die Attraktivität: Wer sich im November 2023 Yen zu einem Zinssatz von minus 0,1 Prozent lieh und das Kapital in US-Dollar investierte, die damals rund 4,5 Prozent Zinsen abwarfen, konnte rechnerisch eine jährliche Rendite von etwa 4,6 Prozent erzielen - allein durch die Zinsdifferenz. Genau dieses stabile Zinsgefälle machte den sogenannten Yen Carry Trade über Jahre hinweg so populär.

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Carry innerhalb der Währung vs. klassischer Währungs-Carry

Carry-Strategien beruhen immer auf derselben Grundidee: die Ausnutzung von Zinsunterschieden. Während ein klassischer Carry Trade über Ländergrenzen hinweg funktioniert, nutzt ein Zinsdifferenz-Zertifikat die Spreads innerhalb einer Währung.

Beim klassischen Währungs-Carry leiht man sich Kapital in einer Niedrigzins-Währung - etwa dem japanischen Yen - und investiert es in eine Hochzins-Währung wie den US-Dollar. Gewinn entsteht durch die Zinsdifferenz, das Hauptrisiko liegt im Wechselkurs.

Zinsdifferenz-Zertifikate bleiben hingegen in einer Währung, zum Beispiel dem Euro, und setzen auf die Differenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen, klassischerweise der Spread zwischen dem 2-jährigen und dem 10-jährigen Zinssatz. Hier entscheidet die Steilheit der Zinskurve über die Rendite. Fällt die Kurve flach oder invertiert, schrumpft der Ertrag.

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Kurz gesagt: Mit einem Zinsdifferenz-Zertifikat spekuliert man auf die Form der Zinskurve, mit einem klassischen Carry Trade auf internationale Zinsunterschiede.

Carry-Strategien im Check: Lohnt sich die Zinsjagd für Privatdepots?

Ob sich das Ausnutzen von Zinsunterschieden für Privatanleger lohnt, hängt vor allem von der gewählten Umsetzung ab.

Zinsdifferenz-Zertifikate bieten oft einen Kapitalschutz am Ende der Laufzeit und sind im Vergleich zu Währungstransaktionen planbarer. Sie können das Portfolio sinnvoll diversifizieren, da ihre Erträge weitgehend unabhängig von Aktienkursen entstehen, wie die Sparkasse erklärt. Bleibt die Zinskurve flach oder invertiert sich, also liegen kurzfristige Zinsen über den langen, fällt der jährliche Zinskupon deutlich geringer aus oder entfällt komplett.

Für Privatanleger sind klassische Carry Trades via Währungs-CFDs aufgrund ihrer Komplexität ungeeignet. Das Hauptrisiko liegt in der Volatilität: Schon geringfügige Wechselkursschwankungen können den Zinsvorteil innerhalb kürzester Zeit aufzehren. Hinzu kommt das Kostenrisiko durch schwankende Refinanzierungssätze. Steigen die Zinsen der Funding-Währung oder passen Broker ihre Margin-Gebühren an, droht die Strategie selbst bei stabilen Währungskursen in die Verlustzone zu rutschen.

M. Maier / Redaktion finanzen.net

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