12.08.2018 20:00
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Klein, aber Ohio: Warum US-Aktien jetzt taugen

Euro am Sonntag-Meinung: Klein, aber Ohio: Warum US-Aktien jetzt taugen | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Meinung
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Die Kurse an vielen Börsen weltweit waren 2018 bisher recht volatil. Warum US-Aktien deshalb aktuell attraktiv sind.
€uro am Sonntag
von Benjardin Gärtner, Gastautor für €uro am Sonntag

Geschüttelt und gerührt - so fühlten sich die Aktienmärkte über weite Strecken des ersten Halbjahres 2018 an. Nach einem verheißungsvollen Start erlebten die Börsen weltweit eine belebte Berg-und-Tal-Fahrt, nicht selten angeschoben durch die Twitter-Nachrichten des US-Präsidenten Donald Trump. Aber: Dieses Muster traf nicht auf alle Handels­plätze gleichermaßen zu. Die Unterschiede waren gravierend. Und das dürfte auch für die zweite Jahreshälfte so bleiben. In diesem Umfeld spricht ­besonders viel für US-Aktien.


In den vergangenen Monaten war die Wall Street ein Hort der Stabilität. Während etwa in Europa die Konjunktur an Fahrt verlor, bestach die US-Wirtschaft durch beneidenswerte Laufruhe. Auch aktuell steigt die Beschäftigung, der Konsum floriert, und die Industrieproduktion wächst. Vor allem aber ist die Stimmung gut, wie der ISM-Einkaufs­managerindex belegt. Daran ist Trumps Politik nicht ganz unschuldig. Denn: Die Anfang 2018 in Kraft getretene Steuerreform entlastet Unternehmen und Privathaushalte und stimuliert so die heimische Nachfrage. Das birgt zwar Überhitzungsgefahren. Mit Blick auf die kommenden zwei Jahre aber fällt mit dem Trump’schen Steuerpaket ein warmer Regen auf die US-Konjunktur.


Hinzu kommt, dass die amerikanische Volkswirtschaft eine relativ geringe internationale Verflechtung aufweist. Gemessen an anderen Regionen - etwa Europa oder den Emerging Markets - macht der Außenhandel nur einen geringen Anteil an der nationalen Wertschöpfung aus. Die USA sind sich weitgehend selbst genug. Kein Wunder bei einer Bevölkerung von knapp 330 Millionen Menschen und einem Anteil von mehr als 15 Prozent am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die US-Firmen verfügen also mit ihrem Heimatmarkt über die größte Spielwiese, die man direkt vor der Haustür haben kann. Und genießen damit einen strategischen Vorteil gegenüber internationalen Wettbewerbern.

Dieser Vorteil kommt immer dann zum Tragen, wenn das Wachstum im Welthandel abflacht oder die konjunkturelle Divergenz zwischen den Erdteilen zugunsten der USA zunimmt. Genau diese Situation liegt derzeit vor. Der ­internationale Güteraustausch wächst nämlich nicht mehr so stark wie noch vor wenigen Jahren, unter anderem ­bedingt durch eine weltweite Zunahme interventionistischer Maßnahmen. Protektionismus ist also beileibe keine ­Erfindung der Trump-Administration, auch wenn der aktuelle Kurs in der US-Handelspolitik besonders schwerwiegende Folgen haben dürfte. Der entscheidende Punkt dabei: Der Wachstumstreiber Globalisierung schwächt sich ab, und dieser Effekt trifft stark verflochtene Volkswirtschaften heftiger als solche mit großem Binnenmarkt - wie die USA. Im Ergebnis dürfte der BIP-Zuwachs 2018 bei 2,6 Prozent liegen, für 2019 bei 2,3 Prozent. Damit nimmt die Wachstumsdiskrepanz zu den Industrienationen in Übersee zu.

US-Binnenmarkt allein reicht für gute Unternehmensgewinne

Dieses Auseinanderlaufen zeigt sich auch am Aktienmarkt. US-Papiere haben bereits zuletzt deutlich besser abgeschnitten als beispielsweise europäische - und dieser Trend dürfte anhalten. Für 2018 geht die Mehrheit der Analysten von einem Gewinnwachstum von mehr als 20 Prozent am breiten US-Aktienmarkt aus. Zum Vergleich: In Europa liegt der Wert im einstelligen Bereich, in Japan sogar nur bei rund zwei Prozent. Corporate America bleibt also eine Gewinnmaschine.

Besonders interessant für Anleger: Konzerne mit operativem Schwerpunkt auf dem US-Markt einerseits, Nebenwerte andererseits. Oftmals überschneiden sich beide Gruppen. Wer also seine Umsätze in Ohio und Oregon erwirtschaftet, dem spielt das Umfeld voll in die Karten. Aus Investorensicht lassen sich diese Trends nutzen. Die Attraktivitätsunterschiede sind zwischen den USA und den übrigen Industrienationen, aber auch zwischen Sektoren, Stilen und Unternehmen erheblich. Der US-Aktienmarkt ist damit vielversprechend, aber auch groß und unübersichtlich. Sachverstand, Fleiß und analytische Sorgfalt sind daher geboten, um die Chancen nutzen zu können.

Kurzvita

Benjardin Gärtner
Leiter Portfolio­management Aktien bei Union Investment
Der gelernte Bank- und Diplom-Kaufmann ­Gärtner ist eines von sechs stimmberechtigten Mitgliedern des "Union Investment Committee", das die Kapitalmarktstrategie von Union Investment formuliert. Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und mit aktuell rund 320 Milliarden Euro ­verwaltetem ­Vermögen einer der größten deutschen ­Vermögensverwalter für private und institutionelle Anleger.




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Bildquellen: Union Investment, Stephen Chernin/Getty Images/iStockphoto
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