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07.11.2016 15:00
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US-Wahlkampf: Nur eine(r) kann gewinnen

Euro am Sonntag: US-Wahlkampf: Nur eine(r) kann gewinnen | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
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Am Dienstag entscheiden die Amerikaner, wer ihr neues Staatsoberhaupt wird. Im Endspurt hat Donald Trump kräftig aufgeholt, ein Sieg des Republikaners scheint nicht mehr ausgeschlossen. Das verschreckt die Finanzmärkte.
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von Julia Groß, Euro am Sonntag

Die Amerikaner nennen es ­Oktober-Überraschung. Ein unvorhergesehenes Ereignis, das im letzten Moment die ­Abstimmung zur Präsidentschaftswahl dreht: Die Ankündigung von FBI-Direktor James Comey, die Untersuchungen bezüglich Hillary Clintons E-Mail-Affäre wieder aufzunehmen, hat definitiv das Zeug dazu, sich zu so einem besonderen Vorfall auszuwachsen.


Es wird wieder spannend im Rennen um die US-Präsidentschaft. Der sichere Vorsprung von Clinton in den Umfragen ist in der Woche vor der Wahl von ­sieben auf 1,5 Prozentpunkte zusammen­geschrumpft. Eine Befragung des TV-­Senders ABC und der "Washington Post" sah sogar Donald Trump in Führung. Betrachtet man die Prognosen zur Stimmenverteilung im Wahlausschuss, sieht die Aufholjagd des Immobilien­magnaten nicht ganz so erfolgreich aus: Im amerikanischen Wahlsystem erhält fast immer die Partei, die in einem Bundesstaat die Mehrheit erzielt, sämtliche Stimmen der Wahlmänner, und diese bestimmen dann den Präsidenten. Hier führt Clinton mit 290 zu 247 Stimmen.


Trotzdem reagieren Anleger nervös. "Das Ergebnis einer emotionalen Abstimmung könnte verblüffend sein", sagt Ralf Wiedenmann, Leiter Eco­nomic Research bei der Schweizer ­Vontobel Asset Management. Wie zahlreiche Experten verweist er auf mögliche Parallelen zur Brexit-Abstimmung, deren Ausgang Anleger im Juni eiskalt erwischt hat. Das bedeutet: Meinungsumfragen können danebenliegen und Reaktionen wie der Absturz des Britischen Pfunds sich auf den weltweiten Aktien- und Devisenmärkten wiederholen, falls Trump wirklich den Wahlsieg erringt. Der VIX-Index, der die erwartete ­Volatilität des US-Leitindex S & P 500 ­abbildet, näherte sich vergangene Woche bereits seinem Post-Brexit-Hoch. Der Goldpreis stieg, der Mexikanische Peso verlor gegenüber dem US-Dollar deutlich. Das Wechselkursverhältnis gilt aufgrund Trumps Äußerungen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, als Trump-Barometer.

Doch wie wahrscheinlich ist es wirklich, dass der Milliardär kommenden Dienstag die Wahl gewinnt und der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird? In der Geschichte des Landes gab es schon einige Oktober-Überraschungen. Tatsächlich sorgten sie oft für einen geringeren Abstand zwischen den Kandidaten, das Wahlergebnis wich jedoch nie vom vorher etablierten Trend ab. Wer vor der Oktober-Überraschung vorn lag, gewann letztendlich auch die Präsidentschaft.

Realistische Chance für Trump

Auch von den Umfragen her erscheint ein Trump-Sieg unwahrscheinlich, aber keineswegs ausgeschlossen. Im US- Wahlsystem entscheiden die sogenannten Swing States die Wahl, also Bundesstaaten, die nicht fest in der Hand einer bestimmten Partei sind. Der bekannte Statistiker Nate Silver sieht mehrere realistische Wege zu einem Wahlsieg von Trump. Diese stehen dann offen, wenn der Republikaner es schafft, den Abstand bei den Wählerstimmen auf zwei oder weniger Prozentpunkte zu verringern. Genau dort scheint Trump jetzt angekommen zu sein.


Sollte "the Donald" sich durchsetzen, erwarten Investmentexperten deutlich sinkende Aktienkurse und starke Schwankungen an den Märkten. "Die erste Reaktion wäre wahrscheinlich sehr negativ", erklärt Christophe Nagy, Amerika-Spezialist bei der Fondsgesellschaft Comgest. Dazu kommt: Die US-Notenbank bekräftigte zwar am Mittwoch ihre Absicht, im Dezember die Leitzinsen zu erhöhen. Im Fall eines Trump-Siegs erscheint Experten der Zinsschritt jedoch kaum vorstellbar. Das würde vermutlich weltweit Folgen für die Finanzmärkte nach sich ziehen.

Trump hat wenig Details zu seinen Plänen bekannt gegeben, dafür aber während des Wahlkampfs oft genug seine Impulsivität zur Schau gestellt. Und diese Unberechenbarkeit gefällt den Anlegern überhaupt nicht. "Wir glauben, dass der Goldpreis als Absicherung gegen politische Unsicherheit in den kommenden zwölf Monaten um zehn Prozent steigen könnte, wenn Trump gewinnt", sagt James Butterfill, Leiter Research und Investmentstrategie bei ETF Securities.

Nach dem ersten Schock rechnen viele Experten mit einem leicht positiven Effekt einer Trump-Präsidentschaft aufs US-Wachstum. Hintergrund sind seine geplanten Steuererleichterungen. Gleichzeitig dürften aber Aktien von Krankenhausketten, Medizintechnikfirmen und Krankenversicherern leiden, da Trump Obamacare, die große Gesundheitsreform des amtierenden Präsidenten, rückgängig machen will.

"Genauso wichtig wie die Person des nächsten US-Präsidenten ist jedoch die Zusammensetzung des Kongresses", ­betont US-Experte Nagy. Ein "Split-­Kongress", in dem die Republikaner wie bisher die Mehrheit im Repräsentantenhaus halten, die Demokraten aber im ­Senat das Sagen haben, würde beide potenziellen Präsidentschaftskandidaten ausbremsen oder - anders gesagt - für eine moderatere Politik sorgen.

Ein Präsident Trump müsste selbst mit einem rein republikanischen Kongress einige Kompromisse eingehen, da er in vielen Punkten von der Parteilinie abweicht. Bei aller Unsicherheit rechnet Christophe Nagy deshalb mit einer ­Erholungsrally, sobald Anleger den Wahlausgang erst einmal verdaut haben: "Das halte ich für ein sehr wahrscheinliches Szenario."

Sechs mögliche Ergebnisse der US-Wahlen (pdf)
Die Schweizer Bank UBS hat die Wahrscheinlichkeiten für sechs mögliche Wahlausgangsszenarien berechnet. Sie vermutet am ehesten Hillary Clinton als nächste Bewohnerin des Weißen Hauses. Sie sähe sich entweder einem gespaltenen oder einem republikanisch dominierten Kongress gegenüber. Heißt: Sie könnte nur moderate Politikimpulse setzen, weil sie sich mit den Republikanern einigen muss.

Mittelwert der jüngsten Meinungsumfragen (pdf)
Bildquellen: Niyazz / Shutterstock.com, chrisdorney / Shutterstock.com
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