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aktualisiert: 20.06.2011 13:52
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Zweiradbranche macht mobil: Die besten E-Bike-Titel

Der Markt für Elektrofahrräder boomt und sorgt an der Börse bei vielen Fahrrad-Aktien für Bewegung. €uro am Sonntag stellt die aussichtsreichsten E-Bike-Titel vor.
€uro am Sonntag
von Lars Winter, €uro am Sonntag

Elektromobilität ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Die akkubetriebene Antriebswelle, die neudeutsch E-Mobility heißt, rollt allerdings nicht auf vier Rädern durch die Lande, sondern kommt – ökologisch besonders wertvoll – ganz klassisch auf dem Zweirad daher.

Während der hiesige Markt für strombetriebene Automobile mit seinen mickrigen Absatzzahlen im Promillebereich noch in den Kinderschuhen steckt, erobern Fahrräder mit Elektroantrieb, sogenannte E-­Bikes oder Pedelecs, in Windeseile Marktanteile. Die rund 200.000 E-Bikes, die im Vorjahr abgesetzt wurden, fallen ­unter den rund 70 Millionen Fahr­rädern, die schätzungsweise auf Deutschlands Straßen unterwegs sind oder in Kellern und Garagen vor sich hin stauben, zwar noch nicht wirklich ins Gewicht.

Doch allein in den vergangenen vier Jahren haben sich die Verkaufzahlen neuer Elektrodrahtesel fast verdreifacht. Der Anteil von E-Bikes im Neuverkauf beträgt bereits fünf Prozent – Tendenz stark steigend. „Mittelfristig kann der Anteil der E-Bikes am Gesamtfahrradmarkt in Deutschland zwischen zehn und 15 Prozent liegen“, sagt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV).

Dies würde einer Stückzahl von bis zu 600.000 E-Bikes entsprechen und wäre durchaus beachtlich, denn insgesamt ist die Fahrradproduktion in Deutschland seit Jahren eher rückläufig. Allein von 2008 bis 2010 sackte die Inlandsanlieferung, also die inländische Produktion zuzüglich der Differenz von Im- und Export, um mehr als zehn Prozent auf unter vier Millionen Fahrräder ab.

Die Fahrradindustrie setzt daher große Hoffnungen auf die angesag­ten Elektromobile, die im Schnitt gut 1.800 Euro kosten und damit rund viermal so teuer und weitaus margenträchtiger sind als herkömmliche Fahrräder ohne Hilfsmotor. „Das E-Bike hat das größte Wachstumspotenzial unserer Branche über die vergangenen 30 Jahre“, glaubt Mathias Seidler, Chef von Derby Cycle, dem größten deutschen Fahrradproduzen­ten. Das Cloppenburger Unternehmen, das unter bekannten Markennamen wie Rixe, Focus, Kalkhoff oder Raleigh momentan jedes fünfte Fahrrad in Deutschland baut und hauptsächlich über den Fachhandel vertreibt, ging Anfang 2011 an die Börse und erfreute zuletzt mit einem rasanten Kurssprint.


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Vom Emissionspreis bei 12,50 Euro ging es jüngst bis auf deutlich über 18 Euro steil bergauf. Die Kursrally ist zum einen auf die gute Entwicklung im operativen Geschäft zurückzuführen: Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2010/11 (per 30. September) stieg der Umsatz um 40 Prozent, das Ergebnis legte sogar um 65 Prozent zu. Zum anderen schraubte das Unternehmen im Mai die Wachstumsprognosen noch einmal deutlich nach oben: Im Gesamtjahr will Derby Cycle nun einen Umsatz von bis zu 240 Millionen Euro (Vorjahr 178 Millionen Euro) einfahren und dank der anhaltend hohen Nachfrage nach Elektrofahrrädern mit Margen von neun Prozent (Vorjahr: sieben Prozent) auch deutlich rentabler in die Pedale treten.

Fantasie verleihen der Aktie obendrein anhaltende Konsolidierungstendenzen in der internationalen Fahrradbranche. Europas Marktführer, Accell, der momentan ebenfalls von der E-Bike-Welle profitiert und dessen Aktie dank guter Zahlen und optimistischer Prognosen in der Nähe des Allzeithochs notiert, fährt schon seit Jahren eine aggressive Übernahmestrategie. Erst vor Kur­zem gaben die Holländer bekannt, dass sie – auch dank des Zukaufs des türkischen Wettbewerbers Bisiklet – in den ersten Monaten des laufenden Jahres beachtliche Umsatzsteigerun­gen erzielt haben. Das Unter­nehmen, das durch zahlreiche Akquisitionen in der Vergangenheit mittlerweile über ein wahres Kon­glomerat bekannter Fahrradmarken wie Ghost, Hercules, Lapierre, Redline, Staiger, Winora und XLC verfügt, streckt seine Fühler auch in Richtung Deutschland aus.

Erst vor wenigen Wochen kaufte sich Accell mit knapp sechs Prozent beim deutschen Konkurrenten Derby Cycle ein. Die Beteiligung sei lediglich ein strategisches Finanzinvestment, hieß es offiziell. Branchen­kenner hegen allerdings Zweifel an dieser Begründung. Jeroen Willard, Analyst beim Finanzinstitut AEK Research, glaubt vielmehr, dass es die Niederländer über die Derby-Betei­ligung indirekt auf den heimischen Wettbewerber Gazelle, den Hersteller der klassischen Hollandfahrräder, abgesehen haben.

Beschränkungen im Kartellrecht der Niederlande verhindern allerdings eine direkte Übernahme von Gazelle durch Accell. Sollte sich jedoch der Wettbewerber Derby Cycle, der ebenfalls nach Akquisitions­kandidaten Ausschau hält, Gazelle unter den Nagel reißen, wäre Accell über den Umweg der Beteiligung an den Cloppenburgern strategisch bei Gazelle mit an Bord. Accell würde in diesem Fall den Anteil an Derby Cycle mit einiger Wahrscheinlichkeit deutlich aufstocken, glaubt Willard. Erneute Zukäufe ­wiederum würden den Kurs des ­Börsenneulings nochmals beflügeln.

Kräftig aufwärts ging es in diesem Jahr auch für die Aktie des deutschen Fahrradherstellers Mifa. Nach einer längeren operativen Schwächephase, durch die das Papier vor einigen Jahren an der Börse kräftig unter die Räder geriet und danach lange Zeit selbst von einem sehr niedrigen Kursniveau kaum vom Fleck kam, geht es seit einigen Monaten wieder flotter voran. Seit Jahresanfang hat sich die Notiz mehr als verdoppelt.

Für Rückenwind sorgte auch bei Mifa der Trend zum E-Bike. Im ersten Quartal ging es denn auch operativ bergauf. Der Umsatz legte um 55 Prozent auf 37 Millionen Euro zu, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen wurde im Vergleich zum Vorjahr auf 2,6 Millionen Euro fast verdoppelt. Obendrein profitierte die Firma vom werbewirksamen Börsengang des Wettbewerbers Derby Cycle.

Das Unternehmen, das seine Drahtesel über Discounter wie Aldi vertreibt, setzt künftig ebenfalls ­verstärkt auf die Produktion von Elektrofahrrädern. Branchenkenner trauen der Firma, die bilanziell mit einer niedrigen Eigenkapitalquote von 26 Prozent und einer entsprechend hohen Verschuldung allerdings eher zu den hochspekulativen Investments zählt, deshalb auch auf Jahressicht einen nachhaltigen Geschäftsaufschwung und weitere Kurssteigerungen zu.

Offizielle Prognosen für 2011 gibt es bei dem im Münchner Nebenwertesegment M:access notierten Unternehmen allerdings nicht. Das markt­enge Papier ist mit einem geschätzten 2012er-KGV von unter zehn zwar günstig bewertet, eignet sich wegen des geringen Streubesitzes von 14 Prozent aber allenfalls für sehr risikobereite Anleger.

Investor-Info

Accell Group
Solider Marktführer
Europas größter Fahrradbauer profitiert mit einer breiten Produktpalette stark vom Boom des E-Bikes. Die Aktie, die dicht am Allzeithoch notiert, ist mit einem KGV von zehn dennoch nicht ausgereizt. Accell wächst zwar nicht mehr ganz so dynamisch wie die kleinere Konkurrenz, dafür aber seit Jahren kontinuierlich. 2011 rechnen Analysten mit einem Umsatzanstieg von 13 Prozent und einem Gewinnplus von rund sieben Prozent. Etablierter Wachstumswert mit frischer E-Bike-Fantasie. Kaufen.

Derby Cycle
Günstiger Börsenneuling
Die Aktie von Deutschlands größtem Fahrradproduzen­ten hat trotz der jüngsten Kurssprünge noch einiges Potenzial. Dank gefragter E-Bikes brummt das Geschäft, die Jahresprognose wurde zuletzt nach oben angepasst. Bei einem Börsenwert von 130 Millionen Euro, der nur leicht über dem halben Jahresumsatz liegt, und einem KGV von acht ist der Titel attraktiv bewertet. Das macht den Börsenneuling auch zu einem potenziellen Übernahmekandidaten. Spekulativer Kauf.

Mifa
Spekulativer Discounter
Die Papiere des ostdeutschen Fahrradherstellers Mifa, der seine Drahtesel meist über Discounter vertreibt, sind an der Börse wieder gefragt. Angetrieben von einem guten ersten Quartal und starken Wachstumsprognosen für die E-Bike-Branche, dürfte die Aktie, die sich seit Jahresanfang verdoppelt hat, im Aufwind bleiben. Der Titel ist günstig bewertet und sieht charttechnisch interessant aus, eignet sich aber nur für risikofreudige Anleger.

Shimano
Fantasiereicher Zulieferer
Die Nachfrage nach Elektrofahrrädern spielt auch dem japanischen Fahrradspezialisten Shimano in die Karten. Die Asiaten beliefern als Marktführer fast alle Fahrradhersteller mit Komponenten wie Bremsen oder Schaltungen und wollen künftig den Markt mit nachrüstbaren Elektroantrieben für Otto-Normal-Fahrräder aufrollen. Die Geschäftsidee bringt neue Fantasie. Die Aktie ist vergleichsweise hoch bewertet, bleibt langfristig aber aussichtsreich.

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