18.09.2021 10:13

Commerzbank-Experte: Ex-EZB-Präsident Draghi beeinflusst Inflation in der Eurozone weiterhin

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Mario Draghi hat in seiner Tätigkeit als Chef der Europäischen Zentralbank nicht nur Zuspruch erhalten. Als oberster Währungshüter führte er Minuszinsen ein und orientierte sich vorrangig am Inflationsziel für die Eurozone. Ein Wirtschaftsexperte wirft ihm nun vor, die Inflation in der Eurozone weiterhin zu beeinflussen - in anderer Position und mit anderem Ziel.
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• Weiter lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank
• Commerzbank-Chefvolkswirt macht Politik in Italien mit verantwortlich
• Draghi baue Druck auf die EZB auf


Zwei Jahre ist es her, dass Mario Draghi seinen Posten als Präsident der Europäischen Zentralbank EZB verlassen hat. Inzwischen hat er einen neuen Job: Als italienischer Ministerpräsident ist er weiterhin in einflussreicher Position tätig. Und in dieser Position beeinflusst er ebenfalls weiterhin die Inflation im Euroraum, auch wenn er nicht mehr für die EZB arbeite, so der Vorwurf eines Commerzbank-Experten.

Commerzbank-Chefvolkswirt mit Vorwürfen gegen Draghi

Dabei verweist Jörg Krämer, der bei dem deutschen Finanzhaus als Chefvolkswirt tätig ist, auf die Wirtschaftspolitik des südeuropäischen Landes und nimmt Mario Draghi als Regierungschef direkt in die Verantwortung: "Würde er die dringend notwendigen Reformen durchsetzen und sein Heimatland wirtschaftlich wieder auf die Beine stellen, würde sich die EZB nicht mehr unter Druck setzen, Italien zu stützen", zitiert "Bloomberg" aus einem Report, den der Frankfurter Ökonom auf Basis eines FAZ-Artikels veröffentlicht hat.

Der Erfolg der wirtschaftlichen Sanierung des Landes sei fraglich, schreibt Krämer weiter. Das Land werde vor diesem Hintergrund weiter darauf angewiesen sein, dass die Kreditkosten niedrig bleiben. Das werde die EZB zwingen, die Geldpolitik locker zu halten. Seiner Ansicht nach riskieren die Währungshüter auf diesem Weg, dass sich die Inflation schließlich festsetze.

Inflation zieht an

Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik erneut bestätigt. Zwar nehmen die Währungshüter dank der guten Konjunkturentwicklung bei den milliardenschweren Anleihenkäufen leicht den Fuß vom Gas und wollen im letzten Jahresviertel moderat weniger Staats- und Unternehmenspapieren im Rahmen des Corona-Notkaufprogramms PEPP erwerben. An den Niedrigzinsen halten die Währungshüter aber weiter fest - die Laufzeit des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) mit einem Volumen von 1,85 Billionen Euro blieb ebenfalls unverändert.

Zeitgleich veröffentlichte der volkswirtschaftliche Stab der Europäischen Zentralbank (EZB) seine Prognosen für die Inflationsentwicklung und hob die Schätzungen mittelfristig an: Demnach rechnet die EZB für 2021 mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 2,2 Prozent - bislang war man von 1,9 Prozent ausgegangen. Für 2022 erwarten die Experten nun einen Anstieg um 1,7 statt wie bisher 1,5 Prozent, die Erwartungen für den Inflationsanstieg für 2023 wurden ebenfalls von 1,4 auf 1,5 Prozent angehoben.

Experten uneins über Geldpolitik

Für den Chefvolkswirt der Commerzbank ist klar, dass Mario Draghi als italienischer Ministerpräsident an dieser zu erwartenden Inflationsentwicklung seinen Anteil hat. "Italien bleibt auf die Hilfe der EZB angewiesen, die mit Anleihekäufen und negativen Leitzinsen für niedrige Staatsfinanzierungskosten sorgt", so Krämer weiter. Draghis "Aktionen beeinflussen immer noch die Inflation", fasst der Experte zusammen.

Während Krämer also eher ein Verfechter einer strafferen Geldpolitik ist, zeigte sich EZB-Direktorin Isabel Schnabel zuletzt überzeugt, dass der Inflationsanstieg nur vorübergehend und eine voreilige Reaktion der EZB daher kontraproduktiv sei. Anlässlich eines Unternehmergesprächs in Baden-Baden erklärte sie: "Eine verfrühte Straffung der Geldpolitik in Reaktion auf einen vorübergehenden Inflationsanstieg wäre Gift für den derzeitigen Aufschwung und würde gerade denen noch mehr schaden, die auch unter dem jetzigen Inflationsanstieg leiden.
Ihrer Ansicht nach werde sich der Preisauftrieb im kommenden Jahr wieder abschwächen, sie hält eine übermäßig hohe Inflation im Euroraum "aufgrund der weiterhin niedrigen Inflationserwartungen für sehr unwahrscheinlich".

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: miqu77 / Shutterstock.com, Meryll / Shutterstock.com
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