finanzen.net
08.11.2019 10:06
Bewerten
(0)

Am Aktienhimmel verziehen sich die fundamentalen Wolken

Halvers Kapitalmarkt-Monitor: Am Aktienhimmel verziehen sich die fundamentalen Wolken | Nachricht | finanzen.net
Halvers Kapitalmarkt-Monitor
Robert Halver
Trotz Rezessionssorgen sind die Aktienmärkte in bester Laune. Denn im bislang tobenden transpazifischen bzw. transatlantischen Handelsstreit sind die Friedenstauben aufgestiegen. Zwar ist der US-Präsident für böse Handels-Tweets immer gut, doch vertrauen die Finanzmärkte immer mehr auf den "Trump-Put".
Denn für seine Wiederwahl im November 2020 kann er keine Konjunkturdelle mit Negativausschlag auf die Aktienmärkte gebrauchen. Überhaupt bilden sich die politischen Risiken zurück und bleibt die internationale Geldpolitik von Kopf bis Fuß auf Offensive eingestellt. Gute Aussichten also für ein Happy End des Aktienjahrs 2019?

Und plötzlich ist das Handels-Glas halbvoll

Wir befinden uns in Rezessionsterrain. Doch bezahlen die Aktienbörsen die Zukunft. Amerika und China haben sich auf den schrittweisen Abbau von Strafzöllen geeinigt. Die genaue Höhe der Zollbefreiungen in "Phase eins" wird zwar noch verhandelt und ein finales Handelsabkommen ist sowieso noch lange nicht in Sicht. Doch mindestens die Rückführung der am 1. September erhobenen US-Strafzölle von 15 Prozent auf chinesische Waren im Wert von rund 110 Mrd. US-Dollar im Gegenzug für Chinas deutliche Einfuhrausweitung von US-Agrargütern wäre ein bemerkenswertes Entspannungssignal.

Auch im transatlantischen Handelskonflikt wird abgerüstet. Laut US-Handelsminister Ross lassen sich US-Strafzölle auf europäische Autos vermeiden, da sich Europas Autohersteller weiter "amerikanisieren". Tatsächlich haben deutsche Autobauer signalisiert, zusätzlich in den USA zu investieren und zukünftig 75 Prozent der Autoteile aus der nordamerikanischen Freihandelszone zu beziehen.

Aufgrund der rückläufigen handelspolitischen Verunsicherung haben sich die Sentix SentiMent Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate über alle globalen Wirtschaftsregionen bereits aufgehellt. Die Region Asien ex Japan befindet sich sogar wieder im Aufschwung.

Die dritte Stabilisierung des globalen Einkaufsmanagerindex in Folge auf ein im Oktober nur knapp unterhalb der Expansion anzeigenden Schwelle von 50 liegendes Niveau signalisiert, dass die Weltkonjunktur das Tal der Tränen bald durchschritten hat. Positiv überrascht vor allem die zunehmende Nachfrage nach Investitionsgütern. Auch die Gewinnrezession läuft allmählich aus.

Selbst politische Aktien-Risiken gehen zurück

In puncto Brexit wird Boris Johnson laut Umfragen als Sieger aus den britischen Neuwahlen am 12. Dezember hervorgehen und das Vereinigte Königreich spätestens zum 31. Januar aus der EU führen. Da auch die Labour Party mindestens ein Abkommen mit der EU will, wird der EU-Hass der Brexit Party unter Nigel Farage insgesamt keine neue No Deal-Gefahr heraufbeschwören.

Selbstverständlich ist es ein Skandal, dass Trump auf die ukrainische Regierung Druck ausgeübt hat, um den demokratischen Rivalen Joe Biden in Verruf zu bringen. Dem Plan der Demokraten, Trump ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen zu diskreditieren, stellen sich die Republikaner allerdings ziemlich geschlossen entgegen. So fehlt die für eine tatsächliche Amtsenthebung erforderliche Mehrheit im Senat. Eine Führungsschwäche in den USA als politisches Aktienrisiko für den S&P 500 mit weltweiter Ausstrahlung ist insofern nicht zu erwarten.

Läuft die Underperformance von Zyklikern gegenüber Defensivwerten aus?

Vor diesem handelsseitigen und politischen Hintergrund messen Aktienanleger exportlastigen Industrie- gegenüber Defensivtiteln wieder mehr Bedeutung bei. Europa gewinnt wieder.

Das spricht auch für ein Ende der Underperformance zyklischer deutscher Aktientitel, die sich schwerpunktmäßig im MDAX, TecDAX und SDAX befinden, gegenüber dem deutschen Leitindex DAX. Erste Ansätze sind in der Tat bereits vorhanden. Ohnehin profitieren Technologietitel aus dem TecDAX vom Megathema Digitalisierung.

Gießt eine mögliche Zinswende Wasser in den süßen Aktien-Wein?

Sind die im Zuge der Handelsberuhigung leichten Renditesteigerungen bereits ein Menetekel für eine anstehende Aktienkonsolidierung? Immerhin erlaubte die Zins- und Liquiditätshausse spürbare Bewertungsausweitungen. Kommt jetzt der Umkehrschub?

Zunächst, selbst wenn sich die Frühindikatoren aufhellen, werden die Notenbanken die Rezessionsängste weiter ernst nehmen. Zuletzt machte Fed-Chef Jerome Powell klar, dass die Hürde für eine weitere Zinssenkung deutlich niedriger liegt als die für eine Zinserhöhung. Ohnehin flankiert die Fed ihre bisherige Zinssenkungspolitik durch erneute Aufkäufe von Staatsanleihen zunächst im Volumen von 360 Mrd. US-Dollar über sechs Monate. Auch wenn es sich dabei im Gegensatz zu früher um Kurzläufer bis zu einem Jahr handelt, ist es de facto das Quantitative Easing 4. Auch eine Verlängerung hat Powell bei Bedarf nicht ausgeschlossen. Überhaupt, da die Finanzkrise 2008 mit einer Austrocknung des US-Geldmarkts begann, will die Fed dort jede Verwerfung aufgrund fehlender Liquidität eliminieren.

Die EZB wird sich auch unter Führung von Christine Lagarde schwerpunktmäßig weiter an wirtschafts- und schuldenpolitischen Befindlichkeiten der Euro-Staaten orientieren. Ebenso müssen die (sozial-)politischen Fliehkräfte anhaltend gebändigt werden. Aus ihrer stabilitätslosen Rettungsnummer kann die EZB nicht mehr entfliehen. Politische Stabilität der Eurozone geht vor Finanzstabilität. Ebenso gibt die zunehmende Klimaschutzorientierung in Europa der EZB nützliche Alibis, Staatsanleihen von den Euro-Staaten aufzukaufen, wenn ihre Zwecke umweltpolitischer Natur sind. Wer will dieser Ausweitung des geldpolitischen Mandats denn moralisch wirklich widersprechen? Der Zweck heiligt auch hier die Mittel.

Mit den zuletzt gesenkten Konjunkturausblicken ist auch ein Ende der Liquiditätsschwemme der Bank of Japan reine Utopie. Insgesamt bleibt das weltweite geldpolitische Sicherheitsnetz für die Aktienmärkte engmaschig gespannt und der Zinsauftrieb gebannt.

In diesem Zusammenhang bleiben Aktien schon aufgrund ihrer Dividendenphantasie auf der Überholspur, auch nach Inflation.

Marktstimmung - Zwischenzeitliche Konsolidierungen nicht ausgeschlossen, aber…

Zuletzt hat die Aktien-Euphorie stetig zugenommen. So signalisiert der von der Citigroup veröffentlichte Macro Risk Index eine vermehrte Risikofreude der Anleger.

Entsprechend haben US-Fondsmanager ihre Investitionsquote deutlich hochgefahren. Zwar erhöht sich mit der rapiden Stimmungsaufhellung auch die Gefahr von Kursrückgängen. So befindet sich in den USA der Anteil der Optimisten am Aktienmarkt abzüglich des Anteils der Pessimisten auf hohem Niveau und kann insofern als Kontraindikator betrachtet werden.

Doch dürften mit dem Dreiklang aus Befriedung des Handelskriegs, Abebben politischer Risiken und Beibehaltung des geldpolitischen Brot-und Butter-Geschäfts diese zu Zukäufen genutzt werden. Möge Trump die Friedenspfeife weiter rauchen.

Charttechnik DAX - Was kommt nach der 13.000?

Der DAX trifft bei fortgesetzter Aufwärtsbewegung bei 13.315 Punkten auf ersten Widerstand. Es folgen weitere Hürden bei 13.420, 13.515 und schließlich 13.600. Bei einer Gegenbewegung trifft der Index auf Unterstützungen bei 13.115 und 13.000. Werden diese unterschritten, droht der Index bis zu den Marken bei 12.985 und darunter 12.815 sowie 12.800 Punkten zurückzufallen.

Der Wochenausblick für die KW 46 - "Technische" Rezession in Deutschland

In China stabilisieren sich Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze auf niedrigem Niveau. In Japan bestätigen die BIP-Zahlen für das III. Quartal eine voranschreitende Konjunkturabschwächung.

In den USA können die Daten zum Einzelhandel im Oktober die vormonatliche Schwäche nicht ausgleichen. Auch die Industrieproduktion schrumpft. Der Optimismus-Index der US-Mittelständler bleibt angeschlagen. Der Inflationsdruck im Oktober ist vor diesem Hintergrund begrenzt.

In der Eurozone bestätigen die finalen Zahlen den schwachen Inflationstrend.

In Deutschland dürfte die Wirtschaft gemäß BIP-Zahlen für das III. Quartal zumindest "technisch" in die Rezession abgerutscht sein. Die ZEW Konjunkturerwartungen signalisieren immerhin keine dramatische Verschlechterung.

Disclaimer

Die Baader Bank ist die Bank zum Kapitalmarkt. Sie ermöglicht ihren Kunden den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten und das Investieren in Finanzprodukte auf effektive, effiziente und sichere Weise. Durch das Nutzen neuester Entwicklungen der Bankenbranche generiert sie für Ihre Kunden einen Mehrwert - bei Produkten, in den Prozessen, in der Technik. Als familiengeführte Vollbank mit Sitz in Unterschleißheim bei München und 425 Mitarbeitern ist sie in den Geschäftsfeldern Market Making, Capital Markets, Multi Asset Brokerage, Asset Management Services, Banking Services und Research aktiv.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf http://www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer.

Nach Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums begann Robert Halver seinen beruflichen Werdegang zunächst als Wertpapieranalyst bei der Sparkasse Essen. Anschließend arbeitete er als Analyst und Aktienstratege bei der Privatbank Delbrück & Co in Frankfurt.

2001 wechselte Robert Halver zur Schweizer Privatbank Vontobel. Sein Aufgabenschwerpunkt war die Formulierung der Anlagestrategie der Vontobel Gruppe in Deutschland.

Seit 2008 leitet Herr Halver die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG in Frankfurt. In dieser Funktion ist er auch für die Außendarstellung der Baader Bank tätig.
Robert Halver ist durch regelmäßige Medienauftritte, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen und als Kolumnist präsent.

Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX verliert am Montag -- US-Börsen nach vorsichtigem Handel uneinheitlich -- Wirecard-Aktie mit Erholung -- TeamViewer bestätigt Prognose -- HeidelbergCement, Telekom, Rheinmetall im Fokus

Brexit oder sozialistische Labour-Pläne? Johnson ist 'kleineres Übel'. Finanzinvestor KKR will wohl US-Pharmahändler Walgreens kaufen. Lufthansa ändert anscheinend Bedingungen beim Vielfliegerprogramm. Mobilfunker wollen weiße Flecken gemeinsam angehen - 1&1 Drillisch- und Telefonica Deutschland-Aktie höher. Talanx erwartet 2020 noch keinen Milliardengewinn.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Das sind die reichsten Länder Welt 2019
Deutschland gerade noch in den Top 20
Das sind die bestbezahlten Schauspieler 2019
Wer verdiente am meisten?
Die Performance der Rohstoffe in im Oktober 2019.
Welcher Rohstoff macht das Rennen?
Die Performance der DAX 30-Werte in KW 44 2019.
Welche Aktie macht das Rennen?
Promis
Diese Sternchen haben ihren eigenen Aktien-Index
mehr Top Rankings

Umfrage

Die Spitzen der Großen Koalition haben sich auf einen Grundrenten-Kompromiss verständigt. Was halten Sie davon?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
Airbus SE (ex EADS)938914
Daimler AG710000
NEL ASAA0B733
Deutsche Bank AG514000
Lang & Schwarz AG645932
bet-at-home.com AGA0DNAY
Viscom AG784686
flatex AGFTG111
Basler AG510200
Microsoft Corp.870747
Apple Inc.865985
Sloman Neptun Schiffahrts-AG827100
AlibabaA117ME
Amazon906866