25.02.2021 23:13

Wieso der Chipmangel sowohl Technologieunternehmen als auch Fahrzeughersteller betrifft

Lieferengpässe: Wieso der Chipmangel sowohl Technologieunternehmen als auch Fahrzeughersteller betrifft | Nachricht | finanzen.net
Lieferengpässe
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Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Halbleiter-Branche von einer gesteigerten Nachfrage gezeichnet, der viele Hersteller aber nicht nachkommen können. Die Folge: Ein schmaleres Angebot an Elektronikprodukten sowie Produktionsstillstände bei Autoherstellern.
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• Homeoffice-Trend beflügelt Chip-Nachfrage
• Fehlende Halbleiter bringen Fahrzeugproduktion zum Stillstand
• Spannung zwischen USA und China belastet Branche zusätzlich

Homeoffice und Homeschooling befeuern Nachfrage nach Elektronikartikeln

Mit der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach Elektronikartikeln sprunghaft an. Anfangs betraf dies vor allem Computer, Monitore und Eingabegeräte wie Tastaturen und Mäuse, die für das Homeoffice bzw. Homeschooling benötigt wurden, da zahlreiche Arbeitnehmer ihren Berufen von zuhause aus nachgingen und auch der Schulunterricht ins Kinderzimmer verlegt wurde. Dementsprechend seien die Verkaufszahlen für Computer 2020 weltweit um 4,8 Prozent auf 275 Millionen Einheiten gestiegen, wie das Analyse-Unternehmen Gartner berichtet. Dies entspreche dem höchsten jährlichen Wachstum seit 2010. "Die aktuelle Chip-Knappheit begann mit der beispiellosen Nachfrage nach Computern und Peripheriegeräten, als die Welt begann, von zu Hause aus zu arbeiten und am Unterricht teilzunehmen", erklärt auch Patrick Moorhead, Gründer des Analystenhauses Moor Insights, das sich auf die Halbleiterindustrie spezialisiert hat, gegenüber CNBC.

"Stay-at-Home"-Mentalität hebt Kauflaune für Unterhaltungselektronik an

Im Herbst sei laut CNBC dann vor allem die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik gestiegen, sodass Spielekonsolen, Fernseher, Smartphones und Tablets deutlich öfter gekauft wurden. Der amerikanische Handelsverband Consumer Tech Association stellte für 2020 einen Einzelhandelsumsatz von fast 442 Milliarden US-Dollar fest. Für dieses Rekordjahr seien vor allem Elektronikartikel für den Freizeitgebrach verantwortlich. Auch 2021 sei noch mit einer großen Nachfrage nach Spielkonsolen, Kopfhörern und Smart-Home-Produkten zu rechnen. Zwar konnten namhafte Unternehmen der Branche von der Pandemie profitieren und Rekordumsätze vermelden, laut CNBC hätten die Verkaufszahlen aber oftmals noch besser ausfallen können, wenn ein größeres Angebot bereitgestellt worden wäre. So konnte der Tech-Gigant Apple vor kurzem einen Umsatz von 111,4 Milliarden US-Dollar für das vergangene Quartal melden, dennoch habe man aufgrund des Chipmangels nicht genug Nachschub herstellen können, um die komplette Nachfrage nach iPhones zu decken. Dies bestätigte CEO Tim Cook gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch Lisa Su, Chefin des Halbleiterherstellers AMD, bestätigt dies. "Die Industrie muss die Gesamtkapazitäten erhöhen", gibt sie gegenüber CNBC zu bedenken. Der Konzern liefert Prozessoren für die aktuellen Konsolen von Sony und Microsoft. Vor allem Sonys PlayStation 5 war bereits kurz nach dem Release weitgehend ausverkauft. Der japanische Konzern hat aufgrund der Chipknappheit mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen, sodass die Nachfrage nach der beliebten Next-Gen-Konsole aktuell nicht umfassend befriedigt werden kann.

Strukturelle Veränderungen belasten vor allem Autohersteller

Zusätzlich steht die Halbleiterindustrie vor strukturellen Veränderungen, wie CNBC weiter berichtet. Eine Vielzahl der führenden Halbleiterunternehmen entwerfe mittlerweile nur noch nur die Chips und die enthaltene Technologie, während andere Unternehmen mit der eigentlichen Herstellung beauftragt werden - und diese sind bereits voll ausgelastet und können nicht noch größere Mengen produzieren. "Die Knappheit in der Halbleiterindustrie betrifft alle Bereiche", erklärt QUALCOMM-CEO Cristiano Amon laut CNBC. Im Vergleich zu Elektronikgeräten fällt die Automobilindustrie hier aber zurück: Im Jahr 2020 entfielen etwa nur 3 Prozent des Umsatzes des Halbleiterherstellers TSMC auf Chips für die Automobilindustrie, verglichen mit 48 Prozent für Smartphones. Dies liege daran, dass Tech-Unternehmen höhere Margen haben, so Gartner-Analyst Gaurav Gupta. "Jetzt, wo die Auto-Nachfrage schneller ihren Höhepunkt erreicht hat, als die Originalausrüstungshersteller erwartet hatten, können die Autos nicht zurück in die Warteschlange kommen", erklärt er dem TV-Seder gegenüber. Die Fertiger sind sich des Problems dabei durchaus bewusst. TSMC habe kürzlich sogar erklärt, den Autofirmen helfen zu wollen und 28 Milliarden US-Dollar in die Hand nehmen, um seine Kapazität zu erhöhen. "Während unsere Kapazitäten mit der Nachfrage aus allen Sektoren voll ausgelastet sind, teilt TSMC seine Wafer-Kapazitäten neu zu, um die weltweite Automobilindustrie zu unterstützen", gab der Konzern laut CNBC im Januar an.

Fehlende Chips für Fahrzeuge lassen Fließbänder stillstehen

Dabei sei das Problem, dass in Autos mittlerweile eine Vielzahl von Chips verbaut sei, die zahlreiche Funktionen übernehmen. So regeln diese nicht nur das Energiemanagement, sondern steuern auch die Servolenkung und eben auch das Infotainmentsystem der Fahrzeuge. Bei der Herstellung dieser wird aber normalerweise eine "Just-in-Time"-Produktion angewendet, was bedeutet, dass Komponenten direkt verbaut werden und sich keine zusätzlichen Teile im Lager befinden. "Das Problem ist, dass Sie Ihr 30.000-US-Dollar-Auto nicht verkaufen können, wenn dieser 10-Cent-Chip fehlt", so Gupta. "Wenn der Chip, der die Drehregler im Auto oder das automatische Bremsen antreibt, sich verzögert, gilt dies auch für den Rest des Fahrzeugs", bestätigt auch Bryce Johnstone vom Chipdesigner Imagination Technologies gegenüber CNBC. So kündigte General Motors aufgrund der fehlenden Halbleiter etwa Produktionseinschränkungen bis Mitte März an, auch Ford, Honda und Fiat Chrysler sind von den Engpässen betroffen.

Handelsstreit verlangsamt Abläufe zusätzlich

Der Handelsstreit zwischen den USA und China, der durch den vorherigen US-Präsidenten Donald Trump und von diesem verhängte Importzölle befeuert wurde, belastet auch die Halbleiterbranche. Im vergangenen Jahr litt Chinas größter Fertiger, Semiconductor Manufacturing International (SMIC), etwa unter Beschränkungen der US-Regierung, wodurch sich die Beschaffung von Produktionsmaterialien, aber auch die Lieferung von fertigen Produkten an US-Unternehmen deutlich erschwerte. Als Folge wanderten laut Gupta Kunden zu Konkurrenten wie TSMC ab. Auch SMIC bestätigte, aufgrund von geopolitischen Faktoren nicht die volle Kapazität anbieten zu können, so CNBC weiter.

Einige Unternehmen konnten sich vor den Beschränkungen der US-Regierung jedoch noch Vorratsbestände sichern. So habe Huawei rechtzeitig einige Funkchips eingelagert, wie Bloomberg berichtet. Auch Toyota habe genug Komponenten auf Lager gehabt, um vier Monate weiter zu produzieren und konnte so die Knappheit überbrücken. Der Autokonzern setzte den normalen Betrieb ohne Unterbrechungen fort, was ihm ermöglichte, seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um 54 Prozent anzuheben.

Dass sich an dem Chipmangel in naher Zukunft etwas ändert, hält CNBC für unwahrscheinlich, da die hohe Nachfrage wohl zunächst nicht abreißen wird. Der US-Verband der Halbleiterindustrie habe im Dezember prognostiziert, dass der weltweite Umsatz mit Chips im Jahr 2021 um 8,4 Prozent steigen wird. 2020 erhöhte sich der Umsatz der Branche bereits um 5,1 Prozent auf 433 Milliarden US-Dollar.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Andrew Park / Shutterstock.com

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