Angespannte Lage

Iran-Konflikt: Trump droht Spanien mit Handelsstopp - EU warnt vor Embargo - 15-Prozent-Zoll könnte noch diese Woche in Kraft treten

04.03.26 16:57 Uhr

Zoff um Iran-Krieg: Trump droht Spanien mit Embargo - EU verteidigt Spanien - 15-Prozent-Zoll könnte noch diese Woche in Kraft treten | finanzen.net

Die EU hat US-Präsident Donald Trump davor gewarnt, Spanien wegen mangelnder Unterstützung für den Iran-Krieg mit einem Handelsembargo zu belegen.

"Wir stehen in voller Solidarität mit allen Mitgliedstaaten und ihren Bürgerinnen und Bürgern und sind im Rahmen unserer gemeinsamen Handelspolitik bereit zu handeln, falls dies erforderlich ist, um die Interessen der EU zu wahren", sagte ein Sprecher der EU-Kommission von Ursula von der Leyen. Man erwarte, dass sich die Vereinigten Staaten an die im vergangenen Jahr vereinbarten Handelsabsprachen hielten.

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EU-Ratspräsident António Costa teilte nach einem Gespräch mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez mit, die EU werde sicherstellen, dass die Interessen ihrer Mitgliedstaaten vollumfänglich geschützt würden. Man bekräftige das unerschütterliche Engagement für die Prinzipien des Völkerrechts und die auf Regeln basierende Ordnung überall auf der Welt.

Trump hatte am Dienstag bei einem Pressetermin zum Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus gesagt: "Wir werden jeglichen Handel mit Spanien einstellen. Wir wollen nichts mit Spanien zu tun haben." Er begründete den Schritt damit, dass Spanien den USA untersagt habe, Militärstützpunkte für den Krieg gegen den Iran zu nutzen. Die Regierung in Madrid begründet ihr Vorgehen damit, dass der Krieg aus ihrer Sicht völkerrechtswidrig ist.

Sollte Trump wirklich ein Embargo gegen Spanien verhängen, könnte die EU ihr Instrument gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen nutzen. Dieses könnte es ermöglichen, US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge auszuschließen oder Digitalkonzerne wie Apple, Microsoft, Google, Meta mit Zusatzabgaben zu belegen.

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Spanien über Schweigen von Merz bei Trump verärgert

Das Schweigen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angesichts der harschen Kritik von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus an Spaniens Widerstand gegen den Iran-Krieg hat die Regierung in Madrid verärgert. Diplomatisch höflich formulierte Spaniens Außenminister José Manuel Albares, er habe Deutschland seine "Überraschung" über die mangelnde Solidarität des Bundeskanzlers übermittelt. Spanien ist innerhalb der EU einer der schärfsten Kritiker von Trumps Politik und setzt sich deutlich von dem eher auf Schadenbegrenzung bedachten Kurs anderer europäischer Staats- und Regierungschefs wie etwa Merz ab.

Sánchez zog Groll Trumps schon öfter auf sich

Der linke Regierungschef Pedro Sánchez bezweifelt, ob die Angriffe auf den Iran vom Völkerrecht gedeckt sind und verbot deshalb die Nutzung spanischer Militärbasen durch das US-Militär für Einsätze gegen den Iran.

Zudem legte er sich in der Vergangenheit schon wiederholt mit Trump an, indem er die Erhöhung der Militärausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ablehnte, US-Techkonzerne an die Kandare legen will oder die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro kritisierte.

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Merz ließ Trumps Attacken zunächst unerwidert

Trump hatte bei dem Treffen mit Merz am Dienstag im Weißen Haus in Washington harte Kritik an den Regierungen in Madrid und London geübt. "Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", sagte er mit Blick auf die US-Angriffe auf den Iran. "Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen", beschwerte sich Trump.

"Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunächst unklar. Vor laufenden Kameras ging Merz im Weißen Haus nicht auf die Angriffe Trumps ein.

Später trat der Kanzler der Drohung Trumps entgegen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den US-Zollkonflikt mit der EU betonte er, Spanien sei Mitglied der EU. "Und als solches führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht", stellte Merz klar.

Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Mittwoch in Berlin auf eine Frage nach Merz' Verhalten in Washington: "Der Kanzler hat im Oval Office zu Spanien nicht reagiert und hat anschließend im Gespräch - wie er das selbst gestern anschließend mitgeteilt hat - diese Situation noch mal aufgegriffen und eine Klarstellung gemacht."

Sánchez warnt vor Naivität

Diese Äußerungen wurden in spanischen Medien als Versuch des Kanzlers gewertet, sein anfängliches Schweigen gegenüber Trump zu korrigieren. Sánchez erwähnte Merz zwar nicht direkt, sagte aber, es sei "naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der die Angriffe gegen den Iran ebenfalls als nicht vom Völkerrecht gedeckt sieht, sicherte Spanien in einem Telefonat mit Sánchez die "europäische Solidarität Frankreichs" zu.

Der britische Premier Keir Starmer bemühte sich bei der wöchentlichen Fragestunde im Parlament in London, die beißende Kritik Trumps vom Vortag als nebensächlich abzutun. Für den innenpolitisch schwer angeschlagenen Starmer ist der Iran-Krieg heikel. Das liegt vor allem daran, dass die Briten dem früheren Labour-Premier Tony Blair noch heute nachtragen, den USA 2003 in den Irak-Krieg gefolgt zu sein. Die Invasion gilt in Großbritannien inzwischen als Desaster.

Im Zollstreit zwischen der EU und den USA gibt es keine Fortschritte

Keine Fortschritte gab es mit Blick auf den Zollstreit zwischen der EU und den USA. Trump bekräftigte seine Absicht zur Einführung eines weltweiten Zolls auf Importe in die USA von 15 Prozent. Zudem untersuche seine Regierung weiter die Möglichkeit unterschiedliche Zölle für unterschiedliche Länder zu erheben.

Dem europäischen Unmut darüber versuchte Trump mit einem Witz zu begegnen. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt sagte er: "Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen." Der US-Präsident gab Merz dabei einen Klaps aufs Knie.

Auch zu diesem Thema schwieg der Kanzler auf offener Bühne lieber. Von den 33 Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras hatte Merz nur drei.

dpa-AFX

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