Im Aufwind

Gaspreis im Höhenflug: Gas-Aktien Cheniere, Venture Global & Equinor profitieren von Lieferausfällen durch Iran-Konflikt

04.03.26 21:04 Uhr

Gaspreise mit Kurssprung: LNG-Aktien wie Cheniere, Venture Global und Equinor profitieren von Ausfällen nach Iran-Konflikt | finanzen.net

Die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten führen zu erheblichen Verwerfungen auf dem globalen Gasmarkt und verschaffen amerikanischen Exporteuren deutliche Wettbewerbsvorteile.

Werte in diesem Artikel

• Gaspreise reagieren empfindlich auf Nahostkonflikt
• Gas-Aktien profitieren
• Dauer der Produktions- und Lieferprobleme entscheidend für weitere Entwicklung

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Katars Produktionsstopp erschüttert Weltmarkt

Katar stellte am Montag die Produktion von verflüssigtem Erdgas ein, nachdem der Iran zwei strategisch wichtige Anlagen bombardiert hatte. Der Angriff erfolgte als Reaktion auf großangelegte Luftschläge durch die USA und Israel, bei denen der iranische Staatschef Ayatollah Ali Khamenei ums Leben kam. Das Emirat Katar ist nach den USA der zweitgrößte LNG-Exporteur weltweit und trägt etwa 20 Prozent zur globalen Versorgung bei, wie CNBC mit Verweis auf das Energieberatungsunternehmen Kpler berichtet.

"Wir erleben eine drastische Verknappung des weltweiten LNG-Angebots", erklärte Alex Munton vom Beratungshaus Rapidan Energy gegenüber dem Nachrichtenportal. "Der Markt hat 20 Prozent seiner Kapazität verloren, was zu erheblichen Engpässen führt."

Amerikanische Produzenten im Aufwind

Die Aktien von Cheniere und Venture Global, den beiden dominierenden US-Herstellern von verflüssigtem Erdgas (LNG), legten in den letzten fünf Handelstagen kräftig zu.

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So stieg die Cheniere-Aktie an der NYSE in diesem Zeitraum um 11,51 Prozent auf zuletzt 246,07 US-Dollar. Für das Papier von Venture Global ging es gar 23,09 Prozent auf 11,46 US-Dollar aufwärts. Auch der norwegische Gaskonzern Equinor kann profitieren und legte in Oslo an den letzten fünf Handelstagen um 8,92 Prozent auf 308,80 NOK zu.

Michael Sabel, Chef von Venture Global, betonte laut CNBC die besondere Rolle seines Unternehmens in der Krise. "Mit der größten verfügbaren zusätzlichen LNG-Kapazität weltweit werden die Vereinigten Staaten eine entscheidende Funktion in dieser historischen Marktstörung übernehmen", sagte Sabel am Montag im Rahmen der Analystenkonferenz zu den Quartalszahlen. "Venture Global ist bereit, zur Stabilisierung und Versorgung der Märkte beizutragen."

Straße von Hormus blockiert

Zusätzlich zur Produktionsunterbrechung hat der Iran die Schließung der Straße von Hormus angeordnet, der weltweit wichtigsten Passage für Öl- und LNG-Transporte. Der Schiffsverkehr kam bereits zum Erliegen, nachdem Reeder aus Vorsicht ihre Tanker zurückhielten.

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Präsident Donald Trump kündigte am Dienstag auf der Plattform Truth Social Gegenmaßnahmen an. Die USA würden Versicherungsschutz für Tanker durch die Meerenge bereitstellen und bei Bedarf militärische Begleitung garantieren, teilte er über soziale Medien mit. "Mit sofortiger Wirkung habe ich die United States Development Finance Corporation angewiesen, zu angemessenen Konditionen politische Risikoversicherungen für den gesamten Seehandel durch den Golf bereitzustellen, insbesondere für Energietransporte", schrieb Trump.

Flexibilität als Vorteil

Die Vereinigten Staaten exportierten im vergangenen Jahr etwa 108 Millionen Tonnen LNG. Eine kurzfristige Produktionssteigerung über das aktuelle Niveau hinaus sei nicht möglich, so Rapidan Energy-Experte Munton. "Die Anlagen laufen praktisch am Limit."

Entscheidend sei jedoch die Flexibilität amerikanischer Anbieter bei der Umleitung ihrer Lieferungen. Anders als bei vielen Konkurrenten seien die Kundenverträge nicht an feste Zielorte gebunden. "Die Mengen können dorthin umgeleitet werden, wo die Nachfrage am größten ist", erläuterte Munton gegenüber CNBC. "Das haben wir 2022 nach Russlands Invasion in der Ukraine gesehen. Europa hatte plötzlich massive Versorgungslücken, und US-LNG konnte einspringen."

Amerikanisches Flüssiggas könne die katarischen Ausfälle zwar nicht vollständig kompensieren, doch Abnehmer mit dringendem Bedarf und entsprechender Zahlungsbereitschaft würden beliefert, so der Analyst.

Europäische Märkte unter Druck

Fast 90 Prozent der LNG-Exporte aus Katar gehen normalerweise nach Asien, der Rest hauptsächlich nach Europa, wie Kpler-Daten zeigen. Die europäischen Erdgas-Futures stiegen diese Woche um über 80 Prozent.

"Die extremen Preisanstiege in Europa entstehen, weil der Kontinent nun mit Asien um LNG-Mengen konkurrieren muss, die eigentlich katarische Ausfälle ausgleichen sollen", sagte Matt Smith, Ölanalyst bei Kpler gegenüber CNBC.

Ungewisse Dauer der Störung

Wann die Produktion in Katar wieder anlaufen kann, bleibt unklar. Eine Wiederaufnahme setze die Öffnung der Straße von Hormus und sichere Verladungsmöglichkeiten voraus, erklärte Munton. Rapidan Energy rechnet mit einer Blockade von zwei bis vier Wochen.

"Der Neustart wird schrittweise erfolgen und sich realistisch über viele Wochen erstrecken", so Munton. "Der Konflikt endet nicht in absehbarer Zeit. Nach unserer Einschätzung wird er noch wochenlang andauern."

Jan-Eric Fahnrich, leitender Analyst bei Rystad Energy, wies laut CNBC darauf hin, dass bei anhaltenden Ausfällen auch russisches LNG wieder zur Debatte stehen könnte. "Die Rückkehr russischer Mengen würde jedoch die Aufhebung aller Sanktionen voraussetzen, sowie dass Europa den Großteil des russischen LNG abnimmt, um die Transportlogistik zu gewährleisten." Dies sei höchst unwahrscheinlich, da es den amerikanischen Interessen zuwiderlaufe und US-Expansionspläne untergrabe.

Europa befinde sich energiepolitisch in einem beinahe katastrophalen Szenario, betonte Munton. Das gesetzliche Verbot für russisches Pipeline-Gas und LNG trete am 18. März in Kraft und werde schrittweise umgesetzt. Gleichzeitig brechen nun auch die katarischen Lieferungen weg.

Hinzu kommt, dass ein ungewöhnlich kalter Winter die europäischen Gasreserven stark beansprucht hat. Nach Angaben des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe wiesen die Speicheranlagen in der Europäischen Union am 1. März lediglich einen Füllstand von etwa 30 Prozent auf. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag dieser Wert bei knapp 40 Prozent. Der zehnjährige Durchschnitt für diesen Zeitpunkt beträgt sogar gut 48 Prozent.

Die kriegerischen Ereignisse im Nahen Osten bringen zusätzliche Unwägbarkeiten mit sich. Das Ausmaß der Preisreaktion hängt maßgeblich von der Dauer der Spannungen im Gebiet der Straße von Hormus ab.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Lage an den Energiemärkten weiterhin entwickelt.

Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: marketlan / Shutterstock.com, Gokhan Y / shutterstock.com

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