finanzen.net
21.10.2019 20:17
Bewerten
(20)

Wirecard-Aktie schießt hoch: Wirecard bestellt Sonderprüfer, um "FT"-Vorwürfe zu entkräften

Nach Anschuldigungen: Wirecard-Aktie schießt hoch: Wirecard bestellt Sonderprüfer, um "FT"-Vorwürfe zu entkräften | Nachricht | finanzen.net
Nach Anschuldigungen
Der stark in die Kritik geratene Zahlungsdienstleister Wirecard will mit einer Sonderprüfung seiner Bücher verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.
Das Unternehmen beauftragt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer unabhängigen Untersuchung, wie der DAX-Konzern am Montag in Aschheim bei München mitteilte. Das hätten Vorstand auf Aufsichtsrat beschlossen. Damit sollen Vorwürfe der Wirtschaftszeitung "Financial Times" ("FT") rund um Bilanzierungspraktiken ausgeräumt werden.

Die Untersuchung soll den Angaben zufolge sofort beginnen. KPMG werde zu gegebener Zeit einen Untersuchungsbericht vorlegen und sei allein dem Aufsichtsrat verpflichtet. Die Prüfer hätten uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen auf allen Konzernebenen. Das Ergebnis des Berichts werde veröffentlicht, hieß es.

Investoren hatten angesichts des jüngst wieder stark schwankenden Aktienkurses den Druck auf das Management erhöht und mehr Transparenz gefordert. Ob den Kritikern eine Veröffentlichung von Ergebnissen anstatt des gesamten Berichts reicht, bleibt fraglich. Über das Wochenende hatte es Verwirrung darum gegeben, ob sich das Unternehmen überhaupt zu einer gesonderten Prüfung durchringt.

"Wir haben vollstes Vertrauen in die bisherigen Prüfungshandlungen und deren Ergebnisse", sagte Aufsichtsratschef Wulf Matthias. Regulärer Prüfer der Konzernbilanzen ist EY. Die "FT" hatte in der vergangenen Woche rund um die Rechnungslegung in Dubai betrügerische Luftbuchungen bei Umsatz und Gewinnen nahegelegt. Wirecard wehrt sich gegen die neuen Vorwürfe, die Schlüsse des Blatts aus internen Wirecard-Dokumenten seien falsch, alle bilanzierten Geschäftsbeziehungen seien authentisch.

"Wir gehen davon aus, dass die erneute unabhängige Prüfung dazu führt, alle weiteren Spekulationen endgültig zu beenden", sagte Matthias. Vorstandschef Markus Braun zeigte sich überzeugt, dass durch die Untersuchung das Vertrauen in das Geschäft gestärkt werde.

Seit geraumer Zeit veröffentlicht die "FT" kritische Berichte rund um den deutschen Finanzkonzern, die den Aktienkurs immer wieder belasten. Im Januar und Februar verlor der Aktienkurs in gut einer Woche fast die Hälfte an Wert - höchst ungewöhnlich bei einem DAX-Wert. Im Zuge von eingeleiteten Untersuchungen musste Wirecard im Frühjahr dann einräumen, dass einige Geschäfte in Singapur falsch verbucht wurden, aber in deutlich geringerem Umfang als von der Zeitung suggeriert. Systematische Luftbuchungen schließt das Unternehmen aus, auch wenn sich einige Mitarbeiter strafbar gemacht haben könnten.

Der Fall beschäftigt weiter die Behörden. In Deutschland gehen Staatsanwaltschaft München und Finanzaufsicht Bafin dem Verdacht unerlaubter Marktmanipulation durch Spekulanten nach, die mit schlechten Nachrichten die Aktie unter Druck bringen und daran mittels sogenannter Leerverkäufe verdienen wollen. Wirecard war in vergangenen Jahren des öfteren Opfer solcher Angriffe geworden.

Die Bafin verbot zeitweise sogar neue Leerverkäufe mit der Wirecard-Aktie. Den Kursverfall am vergangenen Dienstag um zeitweise mehr als ein Fünftel untersucht die Behörde ebenfalls in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft München. Für ein erneutes Verbot von Leerverkäufen sehe die Bafin aber keinen Grund, sagte eine Sprecherin.

Das Unternehmen geht wiederum rechtlich per Strafanzeige gegen Mitarbeiter der Londoner Zeitung vor, weil sie mit Spekulanten unter einer Decke stecken sollen. Die "FT" sieht sich allerdings nach eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen einer Anwaltskanzlei von diesen Vorwürfen entlastet.

"Wir sehen keine Risiken für unser Geschäft", sagte Vorstandschef Braun vergangene Woche im Interview der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Das operative Geschäft läuft hervorragend, wir schließen einen großen Deal nach dem anderen ab", ergänzte der mit einem Anteil von 7 Prozent größte Einzelaktionär des Unternehmens.

So reagiert die Wirecard-Aktie

Die von Wirecard angekündigte Sonderprüfung seiner Bilanzierungspraktiken hat den Aktien des Zahlungsabwicklers am Montag zur Erholung verholfen. Die Papiere setzten sich weiter von ihrem vergangene Woche erreichten Sechsmonatstief ab und gewannen bis zum Handelsschluss 6,14 Prozent auf 118,50 Euro.

So hatte erst am vergangenen Dienstag ein neuer, kritischer Bericht in der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" ("FT") einen massiven Kursrutsch um bis zu 23 Prozent auf 107,80 Euro ausgelöst. Erinnerungen wurden wach: Im Frühjahr hatte eine Artikelserie den Aktienkurs binnen gut einer Woche um fast die Hälfte auf 86 Euro abstürzen lassen. Im Zuge von Untersuchungen musste Wirecard dann einräumen, dass einige Geschäfte in Singapur falsch verbucht wurden, aber in deutlich geringerem Umfang als von der Zeitung suggeriert. Systematische Luftbuchungen schließt das Unternehmen aus.

Am Markt wurde das Vorhaben des Wirecard-Managements positiv beurteilt. Unter anderem begrüßten JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande sowie sein Kollege Knut Woller von der Baader Bank diesen Schritt. Das Vertrauen der Investoren dürfte damit steigen, schrieb Deshpande. Und Woller fügte an: "Wirecard war in dieser Angelegenheit bislang in einer defensiven Position und hatte die Anschuldigungen der "FT" nur von sich gewiesen. Nun aber legt das Unternehmen den Hebel um."

Allerdings bleiben die Experten insgesamt vorerst vorsichtig. Es werde wohl einige Monate dauern, bevor die Ergebnisse von KPMG verfügbar sein werden, hieß es etwa seitens des Bankhauses Lampe. JPMorgan-Experte Deshpande schrieb, dass für eine grundsätzliche Neubewertung der Aktien vor allem einem "ein hohes Maß an Transparenz" nötig sei.

Mainfirst-Analyst Chandramouli Sriraman blies in dasselbe Horn: "Die einzig langfristige Lösung ist ein höheres Maß an Offenlegungen in den Kerngeschäftssegmenten und geographischen Standorten von Wirecard." Da dies bislang nicht gegeben ist, strich er seine Kaufempfehlung für die Papiere. Er bewertet sie nun nur noch mit "Neutral" und senkte sein Kursziel von 220 auf 150 Euro.

Damit traut er den Aktien immerhin eine deutliche Erholung zu. Mit rund 120 Euro notieren diese aktuell etwa 40 Prozent unter ihren Rekordhoch von 199 Euro, auf das sie im September 2018 im Zuge ihres Aufstiegs in den deutschen Leitindex DAX gestiegen waren.

ASCHHEIM (dpa-AFX)

Werbung

Aktuelle Zertifikate von

NameTypWKNHebel
WAVE Unlimited auf WirecardDC54AG
WAVE Unlimited auf WirecardDC5RE1
Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie hier: DC54AG, DC5RE1. Beachten Sie auch die weiteren Hinweise** zu dieser Werbung.
Bildquellen: Wirecard AG, Pavel Kapysh / Shutterstock.com

Nachrichten zu Wirecard AG

  • Relevant
    6
  • Alle
    8
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Wirecard AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
08.11.2019Wirecard buyBaader Bank
08.11.2019Wirecard NeutralUBS AG
08.11.2019Wirecard buyGoldman Sachs Group Inc.
07.11.2019Wirecard kaufenDZ BANK
07.11.2019Wirecard buyWarburg Research
08.11.2019Wirecard buyBaader Bank
08.11.2019Wirecard buyGoldman Sachs Group Inc.
07.11.2019Wirecard kaufenDZ BANK
07.11.2019Wirecard buyWarburg Research
07.11.2019Wirecard buyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
08.11.2019Wirecard NeutralUBS AG
06.11.2019Wirecard HaltenIndependent Research GmbH
06.11.2019Wirecard NeutralUBS AG
06.11.2019Wirecard NeutralJP Morgan Chase & Co.
06.11.2019Wirecard NeutralUBS AG
09.10.2019Wirecard UnderperformMerrill Lynch & Co., Inc.
09.05.2019Wirecard SellCitigroup Corp.
08.05.2019Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
25.04.2019Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
27.03.2019Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Wirecard AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX schließt kaum verändert -- US-Börsen uneinheitlich -- Kein Testat für singapurische Wirecard-Tochter? -- Aroundtown: Offerte für TLG -- thyssenkrupp, Drägerwerk, easyJet, VW, MorphoSys im Fokus

EU-Kommission hat Bedenken gegen Metallo-Übernahme durch Aurubis. Galeria Karstadt Kaufhof übernimmt Teile von Thomas Cook. Gerresheimer-Aktie mit deutlichem Minus: Sanofi kündigt Projekt. Merck KGaA erwägt angeblich Verkauf des Pigment-Geschäfts. Home Depot senkt Prognose für Umsatzwachstum im Gesamtjahr.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Hohe Ausgaben
Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke 2019
Das Schwarzbuch 2019
Wo 2019 sinnlos Steuern verbrannt wurden
Die wertvollsten Marken der Welt 2019
Diese Unternehmen sind vorne mit dabei
Die beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland
Hier arbeiten die Deutschen am liebsten
Die Performance der TecDAX-Werte im Oktober 2019.
Welche Aktie macht das Rennen?
mehr Top Rankings

Umfrage

Wo sehen Sie den Bitcoin-Kurs Ende 2019?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
NEL ASAA0B733
Ballard Power Inc.A0RENB
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
Aurora Cannabis IncA12GS7
CommerzbankCBK100
Microsoft Corp.870747
EVOTEC SE566480
Apple Inc.865985
BASFBASF11
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
K+S AGKSAG88
Amazon906866
Plug Power Inc.A1JA81