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19.05.2020 01:00

Royal Dutch Shell-Aktie: Warum den Aktionären der Dividenden-Hahn abgedreht wird

Pipeline unterbrochen: Royal Dutch Shell-Aktie: Warum den Aktionären der Dividenden-Hahn abgedreht wird | Nachricht | finanzen.net
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Der weltgrößte Dividendenzahler Royal Dutch Shell kürzt zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg seine Ausschüttung. Es ist kein einmaliger Notbehelf, sondern eine grundlegende Wende.
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von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Das hat es beim Ölkonzern seit fast acht Jahrzehnten nicht gegeben: Royal Dutch Shell kürzt die Dividende. "Wir müssen unser Unternehmen widerstandsfähig machen, um künftig Werte zu schaffen, deshalb resetten wir unsere Dividendenpolitik", sagte Chef Ben van Beurden. Ende März hatte der Niederländer bereits den Stopp der Aktienrückkäufe und eine Kürzung des Investitionsprogramms für 2020 von 25 auf höchstens 20 Milliarden Dollar verkündet. Jetzt fährt der Konzern die vierteljährliche Ausschüttung gleich um zwei Drittel auf 16 US-Cent je Aktie runter.

Die britisch-niederländische Shell ist mit zuletzt 15 Milliarden Dollar Dividende bislang der weltgrößte Dividendenzahler. Zahlreiche institutionelle Investoren wie Investmentfonds oder Pensionskassen halten die Aktie wegen der seit acht Jahrzehnten zuverlässig geleisteten Ausschüttungen. Der Aktienkurs verlor nach der Maßnahme heftig. Van Beurden spürte den Druck der Investoren unmittelbar in der Fragerunde mit internationalen Analysten - das umso mehr, als Rivale BP nur wenige Tage zuvor seine Ausschüttung sogar leicht erhöht hatte.

Warum habe Shell nicht noch drei Monate gewartet, im Juni oder Juli hätte man womöglich weiter sehen können, so die Frage eines enttäuschten Experten. "Ich bin absolut nicht der Meinung, dass wir im Juli bessere Sicht und weniger Unsicherheit haben. Es wäre unverantwortlich gewesen, weiterhin Cash auszuschütten", so Vorstandschef van Beurden. Im ersten Quartal war der Gewinn des Ölriesen auf 2,8 Milliarden Dollar von 5,3 Milliarden Dollar im Vorjahr geschrumpft.

Argumentieren kann van Beurden damit, dass es solche Zeiten auf dem Ölmarkt noch nie gegeben hat. Mitte April stürzte der Preis für ein 159-Liter-Fass der US-Sorte West Texas Intermediate, bekannt unter dem Kürzel WTI, erstmals in der Geschichte unter die Nulllinie auf minus 37 Dollar. Wer ein Fass mit Lieferung Anfang Mai kaufte, bekam also Geld dazu.

Keine Preisprognose


Der Grund: Die Lagerkapazitäten sind derzeit wegen einer Angebotsschwemme und dem Corona-bedingten Nachfrageloch so gut wie erschöpft. Während die Lagerpreise nach oben schnellen, etwa Frachtraten von Supertankern, die als Zwischenlager dienen, stehen die Ölpreise unter extremem Druck.

Van Beurden gab keine Prognose ab, wie sich die Lage entwickelt, erst im zweiten Quartal will der Konzern ein Update zur Ölpreisentwicklung geben. "Wir haben im ersten Quartal einen Rückgang unserer Absatzmengen um die Hälfte erlebt. Ich weiß nicht, wie viel es im zweiten Quartal sein wird", so der Niederländer. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) sank die Ölnachfrage im April weltweit um 29 Millionen Barrel pro Tag, ein nie da gewesener Rückgang. Für dieses Jahr liegen die Schätzungen beim Siebenfachen des Rückgangs in der Finanzkrise. "Wir wissen nicht, wann die Nachfrage zurückkommt", sagte van Beurden.

Deshalb regelt der Konzern den Geldfluss auch an die Aktionäre ab. Daneben spart Shell im operativen Geschäft, fährt etwa Reisekosten und Managergehälter herunter und verzichtet auf alle performancebezogenen Boni. Der Konzern ist also mit einem Schlag vom großzügigen Zahler zum Knauserer geworden, der Cash festhält, wo es irgend geht. Der Hintergrund: Shell drohen in der Corona-Rezession die Verschuldungskennziffern aus dem Ruder zu laufen. Ginge die Entwicklung weiter in die falsche Richtung, könnte das Kreditrating wackeln, was die finanzielle Lage des Konzerns wegen womöglich höherer künftiger Anleihezinsen verschärfen würde.

Auch für Investoren bedeutet der historische Schnitt eine Zeitenwende. Die Dividendenrendite von Shell sank trotz des Kursrückgangs von über zehn auf rund vier Prozent.

Absturz: Die historische Dividendenkürzung führte zu einem weiteren Kurssturz. Anleger beachten den Stoppkurs.








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Bildquellen: ksl / Shutterstock.com, Tupungato / Shutterstock.com

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