03.04.2021 21:19

Schneller an die Börse: Der SPAC-Boom und seine Risiken

Pro und Contra: Schneller an die Börse: Der SPAC-Boom und seine Risiken | Nachricht | finanzen.net
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Wenn ein neues Finanzprodukt in Frankfurt landet, spaltet sich die Kapitalmarktwelt meist schnell in Befürworter und Gegner.
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So ist es auch mit den leeren Börsenhüllen, genannt Special Purpose Acquisition Companies oder kurz SPACs. Eine einzigartige Gelegenheit für Aktieninvestoren, am rasanten Wachstum von nicht börsennotierten Unternehmen zu verdienen, argumentieren ihre Fürsprecher. Halsbrecherische Wetten ohne jede Bewertungsgrundlage, sagen die Gegner.

Das Geschäft mit den SPACs steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. In den Vereinigten Staaten boomt der Markt für diese Finanzvehikel, über die Anleger einem Investmentmanager oder einem Hedgefonds eine Art Blankoscheck ausstellen. In Deutschland gab es zuletzt gerade mal einen SPAC-Börsengang. Im Frankfurter Bankenviertel steigt jetzt die Spannung: Ist es ein bleibender Trend, oder eine Eintagsfliege?

Das Prinzip der SPACs: Ein bekannter Investmentmanager wie Bill Ackmann oder auch ein Promi wie der frühere Basketball-Star Shaquille O'Neal sammelt bei einem Börsengang Geld ein. Damit kauft er ein oder mehrere Unternehmen. Wenn es gut läuft, entwickeln die sich gut und der Börsenpreis des Vehikels steigt.

Nach Angaben der Deutsche Börse war mit Helikos im Februar 2010 der erste deutsche SPAC an den Start gegangen. Ein Jahr später übernahm das Finanzvehikel dann die Exceet Group (exceet Group SE). Doch nach der Fusionsankündigung im Mitte Juli 2011 mit einem Aktienpreis von mehr als 10 Euro entwickelte sich die Aktie alles andere als gut. Heute ist eine Aktie von der Exceet Gruppe gerade mal noch etwas mehr als vier Euro wert.

Jetzt tritt das Modell wieder auf die Bildfläche. So kündigte der ehemalige Commerzbank-Chef Martin Blessing an, mit einem SPAC an der Börse in Amsterdam bis zu 415 Millionen Euro einsammeln zu wollen. Auch der Ex-Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier arbeitet an einem SPAC. Startup-Investor Klaus Hommels ist da einen Schritt weiter und hat für seinen Lakestar-SPAC mehr als 275 Millionen Euro eingesammelt. Damit brachte er den ersten Börsenmantel seit mehr als zehn Jahren an eine deutsche Börse, wenn auch bislang ohne Ziel.

Sie alle bringen ein Phänomen wieder nach Deutschland und Europa, das in den USA derzeit Hochkonjunktur hat: Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge gingen dort im letzten Jahr 230 SPACs an die Börse - fast fünf Mal so viele wie 2019. Weltweit waren es laut Zahlen der Kanzlei Freshfields gerade einmal zehn mehr.

Zum Jahresstart 2021 zog das Geschäft nochmals an. Bis Mitte März gab es dem Finanzdaten-Anbieters Pitchbook Data zufolge weltweit SPAC-Deals mit einem Gesamtvolumen von 74,6 Milliarden US-Dollar. Das ist binnen weniger als drei Monaten fast so viel wie 2020 insgesamt und rund sechs mal so viel wie 2019.

Für den Kleinanleger sind die Börsenhüllen eine undurchsichtige Angelegenheit: Anders als bei Aktien kann er den angemessenen Wert nicht am Unternehmensgewinn festmachen. Er wettet also auf den Erfolg des Investors. "Bei einem SPAC vertrauen Investoren auf die Reputation und die Erfahrung des Vorstandes in der Hoffnung, ein möglichst profitables Unternehmen zu finden", sagt Christian Andres, Professor für Corporate Finance an der Privathochschule WHU.

Eben dieser Wett-Charakter bringt den einen oder anderen Teilnehmer am Kapitalmarkt dazu, SPACs als kurzlebigen Hype abzutun - angetrieben von der Tatsache, dass bei historischen Niedrigzinsen immer mehr Geld in Sachwerte fließt. Bestätigt sehen sie sich durch Fälle wie den umstrittenen E-Lastwagen-Hersteller Nikola. Das SPAC des früheren General-Motors-Managers Steve Girsky hatte das Unternehmen mit viel Getöse übernommen. Nach einem kurzen Höhenflug ist der Börsenwert zuletzt inmitten von Betrugsvorwürfen implodiert.

Doch nicht alles an SPACs ist schlecht, betont Finanzprofessor Andres: Weil der Börsenmantel bereits notiert ist, können die zu übernehmenden Firmen deutlich schneller an die Börse als auf dem traditionellen Weg. Der ist deutlich günstiger, da Investmentbanken nicht als zwischengeschaltete Dritte die Transaktion überwachen und eine Provision kassieren. "SPACs sind ein Angriff auf den Middle Man, die Banken an der Wall Street", sagt er.

"Für den Anleger ist ein SPAC die Gelegenheit, über Aktien in Unternehmen zu investieren, die bislang nicht an der Börse notiert sind", sagt Rick van Aerssen, der für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer Mandanten am Kapitalmarkt berät. "Der Erfolg hängt stark von der Bilanz des Investmentmanagers ab." Günstig für die Anleger ist aus van Aerssens Sicht, dass die Köpfe hinter dem SPAC vor allem dann Geld verdienen, wenn sie das Kapital ihrer Investoren auch vermehren.

Für einen SPAC-Boom in Deutschland sieht Finanzprofessor Andres aber keine Chance: Zum einen sei schon die Zahl ganz normaler Börsengänge überschaubar. Zum anderen liegen die Provisionen, die Banken bei einem Börsengang nehmen, in Deutschland deutlich niedriger als in den USA. Anwalt van Aerssen hält SPACs für "ein Werkzeug im Werkzeugkasten? neben traditionellen Börsengängen, Private Equity und Wagniskapital. Wie sich das Thema in Deutschland und Europa entwickelt, hängt seiner Ansicht nach davon ab, wie erfolgreich die ersten SPACs beim Investieren sind.

Unterdessen sollten Privatanleger aus Sicht des Verbraucherportals Finanztip Abstand von SPACs nehmen: "Schon bei der Aktie eines 'normalen' Unternehmens kann aus Sicht eines Kleinanlegers einiges schiefgehen, das gilt erst recht für SPACs", warnt der Finanztip-Geldanlagen-Experte Hendrik Buhrs. "Man kann sich die sprichwörtliche Katze im Sack einhandeln." Kleinanlegern, die langfristig mit wenig Aufwand investieren wollen, rät er stattdessen zu breit gestreuten Fonds: Darin sollten viele Hundert Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen sein, um so kurzfristige Kursverluste abfedern zu können.

FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: Dmitry Demidovich / Shutterstock.com

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