Regionalbanken im Südwesten zahlen oft nur Mini-Zinsen aufs Tagesgeld
HEIDELBERG (dpa-AFX) - Ein großer Teil der Regionalbanken im Südwesten zahlt auf Tagesgeldkonten nur niedrige Zinsen. Wie aus einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervorgeht, bieten 40 Prozent der Sparkassen im Land sowie 34 Prozent der regionalen Genossenschaftsbanken lediglich Zinsen zwischen 0 und 0,25 Prozent. Überregional tätige Geldhäuser zahlen im Schnitt 1,28 Prozent - und damit mehr als dreimal so viel wie die Institute im Land.
Für die Analyse wertete Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Kreditinstituten aus, darunter 48 Sparkassen und 89 regionale Genossenschaftsbanken aus Baden-Württemberg.
Regionale Banken zahlen deutlich weniger
Im Durchschnitt erhalten Tagesgeldsparer bei Sparkassen im Land 0,35 Prozent Zinsen. Bei Genossenschaftsbanken - dazu zählen Volks- und Raiffeisenbanken ebenso wie PSD- und Sparda-Banken - sieht es kaum besser aus. Sie zahlen im Mittel 0,37 Prozent. Die Werte liegen nach Angaben von Verivox auch etwas unter dem Bundesschnitt ihrer jeweiligen Bankengruppen.
Deutlich höhere Zinsen erzielen Sparer bei Banken mit bundesweit verfügbaren Angeboten. Dort liegt der durchschnittliche Tagesgeldzins demnach aktuell bei 1,28 Prozent. "Bundesweit aktive Geldhäuser unterliegen einem wesentlich größeren Wettbewerb", erklärte Verivox-Experte Oliver Maier mit. Örtliche Sparkassen und Volksbanken konkurrierten hingegen vor allem untereinander. "Zudem verfügen diese lokal verwurzelten Kreditinstitute traditionell über einen treuen und weniger preissensiblen Kundenstamm."
Große Banken zahlen häufig mehr
Besonders auffällig ist demnach der hohe Anteil an Instituten mit sehr niedrigen Zinsen. Von den 48 in der Auswertung berücksichtigten Südwest-Sparkassen zahlen 19 Null- oder Niedrigzinsen bis 0,25 Prozent. Unter den 89 regionalen Genossenschaftsbanken sind es 30. Bundesweit weisen 301 von insgesamt 827 untersuchten Instituten - gut 36 Prozent - Tagesgeldzinsen in diesem Bereich aus. Das sind fast ausschließlich Regionalbanken. Unter den 96 bundesweit tätigen Instituten finden sich lediglich acht Banken mit Null- oder Niedrigzinsen.
"Beim Tagesgeld wirken sich Zinsänderungen für Banken besonders drastisch auf die Kosten aus", teilte Maier mit. Denn anders als beim Festgeld gelten Anpassungen bei den Konditionen nicht nur für Neuabschlüsse, sondern auch für alle bereits beim Kreditinstitut angelegten Gelder. "Deshalb scheuen die häufig stark einlagenlastigen Sparkassen und Volksbanken insbesondere beim Tagesgeld spürbare Zinserhöhungen." Solange Sparer darauf nicht reagierten und im größeren Umfang zu Banken mit lukrativeren Konditionen wechselten, werde sich an dieser Geschäftspolitik auch nichts ändern.
Kleinere Unterschiede beim Festgeld
Beim Festgeld sind die Unterschiede zwischen den Bankengruppen demnach geringer. Bundesweit verfügbare Angebote mit einer Laufzeit von zwei Jahren bringen im Schnitt 2,05 Prozent Zinsen. Baden-württembergische Sparkassen zahlen durchschnittlich 1,64 Prozent, regionale Genossenschaftsbanken 1,66 Prozent. Damit liegen die Zinserträge der örtlichen Regionalbanken aber immer noch rund ein Fünftel unter denen überregionaler Anbieter.
Verivox zufolge finden sich bei deutschen Banken auch Festgeldangebote mit bis zu 2,60 Prozent Zinsen. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro ergibt sich über zwei Jahre ein Mehrertrag von 192 Euro gegenüber einer Anlage zum Durchschnittszins der baden-württembergischen Sparkassen./jwe/DP/zb