ROUNDUP 2: USA wollen Maduro zur Rechenschaft ziehen
(aktualisierte Fassung)
WASHINGTON (dpa-AFX) - Der von US-Streitkräften gefasste venezolanische Staatschef Nicolás Maduro wird nach Angaben von US-Vize-Außenminister Christopher Landau für seine "Verbrechen" zur Rechenschaft gezogen. "Der Tyrann ist gestürzt", schrieb Landau auf X. Maduro war in den USA schon 2020 unter anderem wegen Drogenhandels angeklagt worden. Zudem setzte die US-Regierung eine Art Kopfgeld auf ihn aus.
Am frühen Samstagmorgen hatte US-Präsident Donald Trump auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social einen großangelegten Angriff auf Venezuela bestätigt, bei dem der Staatschef Maduro und dessen Ehefrau gefasst und außer Landes gebracht worden seien. Für 11.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MEZ) kündigte er eine Pressekonferenz an. Dann sollen Details bekanntgemacht werden.
Venezuela spricht von toten Soldaten und Zivilisten
Bei dem US-Angriff in Venezuela kamen nach Regierungsangaben sowohl Soldaten als auch Zivilisten ums Leben. "Wir verurteilen diesen Angriff auf unser Volk, der Beamten, Soldaten, Unschuldigen und Zivilisten das Leben gekostet hat", sagte Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez im Staatsfernsehen.
US-Außenminister Marco Rubio soll nach Angaben des republikanischen Senators von Utah, Mike Lee, angekündigt haben, dass Maduro in den USA vor Gericht gestellt werden soll. Die Militärschläge wurden demnach "zum Schutz und zur Verteidigung" derer ausgeführt, die den Haftbefehl vollstreckten. Lee, der zunächst Zweifel an der Rechtmäßigkeit des US-Vorgehens geäußert hatte, zeigte sich damit zufrieden. Das falle wohl unter Artikel zwei der US-Verfassung, wonach US-Militärangehörige vor Angriffen oder bevorstehenden Angriffen geschützt werden dürfen, so Lee nach einem entsprechenden Telefonat mit Rubio. Rubio habe zudem gesagt, dass es keine weiteren Angriffe auf Venezuela geben werde.
Maduro: USA wollen Machtwechsel erzwingen
Venezuelas autoritärer Staatschef Maduro wirft den USA schon lange vor, einen Machtwechsel in Caracas erzwingen zu wollen. Nach seiner von Betrugsvorwürfen überschatteten Wiederwahl 2024 erkannte die Regierung in Washington den Linkspolitiker nicht mehr als rechtmäßigen Staatschef an.
Außerdem gehen die US-Behörden davon aus, dass Maduro in Drogengeschäfte verwickelt ist. Für Informationen, die zu seiner Festnahme führen, hatten die USA eine Belohnung von bis zu 50 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro) ausgesetzt.
Angriffe wohl auf Militärstützpunkte und Häfen
Die Luftangriffe richteten sich Berichten zufolge vor allem gegen Militärstützpunkte, Flugplätze, Kommunikationsanlagen und Häfen. Unter anderem soll Fuerte Tiuna - die wichtigste Militärbasis des Landes - in Caracas angegriffen worden sein. In venezolanischen Medien und sozialen Netzwerken waren Aufnahmen von Explosionen und Rauchsäulen in der Hauptstadt Caracas zu sehen.
Mehrere davon sollen sich im Gebiet La Carlota ereignet haben, wo ein Stützpunkt der venezolanischen Luftwaffe liegt. Auf einem Video des Senders VPItv war zu sehen, wie mehrere Hubschrauber über die nächtliche Stadt fliegen. Nahe dem Präsidentenpalast Miraflores waren gepanzerte Fahrzeuge der venezolanischen Sicherheitskräfte zu sehen.
Die venezolanische Regierung verurteilte die Militärschläge. Sie stellten eine Verletzung der UN-Charta dar, hieß es in einer Mitteilung. Ziel der USA sei es, sich die Bodenschätze - wie die großen Ölvorkommen - Venezuelas anzueignen und einen Regierungswechsel zu erzwingen. "Das wird ihnen nicht gelingen", hieß es in der Mitteilung.
CBS: Trump segnete Angriffe bereits vor Tagen ab
Einem Medienbericht zufolge hatte Trump bereits vor Tagen grünes Licht für Angriffe auf Venezuela erteilt. Militärvertreter hätten erwogen, die Attacken an Weihnachten durchzuführen, berichtete der US-Nachrichtensender CBS News unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Aufgrund der US-Luftschläge in Nigeria gegen Ziele des Islamischen Staates (IS) seien die Pläne dann allerdings verschoben worden.
USA haben massive Streitmacht vor Venezuela zusammengezogen
Der Konflikt zwischen den USA und Venezuela war in den letzten Monaten eskaliert. Seit September hatte das US-Militär in der Karibik und im Pazifik mehrfach angeblich mit Drogen beladene Boote angegriffen. Dabei wurden nach US-Regierungsangaben mehr als 100 Menschen getötet.
Zuletzt hatten US-Streitkräfte Trump zufolge einen angeblichen "Drogenumschlagplatz" in Venezuela angegriffen. "Es gab eine große Explosion im Hafengebiet, wo die Boote mit Drogen beladen werden", sagte er.
Zudem bauten die US-Streitkräfte ihre Präsenz in der Karibik massiv aus. Unter anderem wurden zusätzliche Kampfflugzeuge und der weltgrößte Flugzeugträger "USS Gerald R. Ford" - begleitet von weiteren Kriegsschiffen und einem Langstreckenbomber - in die Region verlegt. Offiziell richtet sich der Einsatz "Südlicher Speer" ("Southern Spear") gegen den Drogenschmuggel.
Allerdings gilt Venezuela nicht als Produktionsland von Drogen, sondern als Transitland - und zwar vor allem für den europäischen Markt. Nach Einschätzung von Experten ist die Streitmacht für einen Einsatz gegen Drogenschmuggler überdimensioniert.
Weltgrößte Ölreserven in Venezuela
Maduro wiederum unterstellt den USA, es auf Venezuelas riesige Ölreserven abgesehen zu haben. Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Wegen Sanktionen, Missmanagement und fehlender Investitionen bleibt die Förderung allerdings weit hinter den Möglichkeiten zurück.
Das legen auch mehrere Manöver nahe, bei denen die USA zwei Öltanker vor der Küste Venezuelas unter ihre Kontrolle gebracht haben. Bei einem dritten Tanker hatten die Streitkräfte es zumindest versucht./ngu/DP/he