ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax fest nach kräftigen Auftaktverlusten
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der DAX hat am Montag nach einem schwachen Start deutlich zugelegt. Unterstützt wurde die Erholungsbewegung am Nachmittag von starken US-Stimmungsdaten. Die zeitweise massiven Verluste am Edelmetall-Markt konnten das Börsenbarometer damit nicht nachhaltig belasten. Vielmehr setzte sich unter Anlegern die Erkenntnis durch, dass sich am fundamental positiven Umfeld für Aktien letztlich wohl nichts geändert hat.
Der deutsche Leitindex, der am Morgen noch unter 24.400 Punkte gefallen war, beendete den Tag 1,05 Prozent höher auf 24.797,52 Punkte. Der MDAX der mittelgroßen Börsenwerte ging ebenfalls auf Erholungskurs und stieg um 1,12 Prozent auf 31.512,09 Punkte. Europaweit sah es ähnlich aus: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 1,00 Prozent auf 6.007,51 Zähler zu und auch in der Schweiz und in Großbritannien ging es nach oben. In den USA legten Dow Jones Industrial und die Nasdaq-Börsen zu.
In den USA verbesserte sich die Stimmung in der Industrie im Monat Januar deutlich und auch überraschend stark. Dabei stieg der viel beachtete Einkaufsmanager ISM auch wieder über die Wachstumsschwelle, was eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität signalisiert.
Zudem beruhigten sich nach dem Einbruch des Gold- und Silberpreises die Nerven der Anleger wieder. "Es sieht danach aus, als wären die vielen spekulativen und damit zittrigen Hände über das Wochenende aus dem Markt geflogen", kommentierte Christine Romar, Europa-Chefin bei CMC Markets, den Börsentag. Sie sprach dabei von einer "gesunden Bereinigung in den Edelmetallmärkten", auch wenn die Lage bei Gold und Silber fragil bleibe "und damit hochtoxisch auch für die Aktienmärkte".
Auslöser der Turbulenzen war die Nominierung des früheren Fed-Gouverneurs Kevin Warsh als Nachfolger für US-Notenbank-Chef Jerome Powell durch US-Präsident Donald Trump. Da Warsh nicht als Verfechter einer besonders lockeren Geldpolitik gilt, sondern eher als einer, der zu einem restriktiveren Zinspfad tendiert, um die Inflation in den Griff zu bekommen, löste dies Verunsicherung aus. Zinssenkungsfantasien erhielten einen Dämpfer.
Wer mit Kredit auf weiter anziehende Preise der Edelmetalle gesetzt hatte, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Positionen mussten glattgestellt werden, was die Preise weiter belastete. Eine solche Entwicklung kann sich vorübergehend auch auf andere Märkte, wie etwa den Aktienmarkt, auswirken.
Rüstungswerten zählten zu den größten Verlierern, haben im neuen Jahr aber auch bislang überdurchschnittlich stark zugelegt. Am Sonntag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj neue Gespräche über eine Beendigung des russischen Angriffskrieges in Abu Dhabi für die kommende Woche angekündigt. Rheinmetall büßten am Dax-Ende 3,0 Prozent ein. Im MDax sanken TKMS (TKMS thyssenkrupp Marine Systems) um 1,2 Prozent, RENK um 3,2 Prozent und HENSOLDT um 5,1 Prozent.
Positive Impulse lieferten Analysten für Einzelwerte. So erholten sich die Anteilscheine des Essenslieferdienstes Delivery Hero mit plus 8,9 Prozent weitgehend von ihren Verlusten der vergangenen drei Handelstage. Andrew Ross von der Barclays Bank sieht für die Aktie noch ein Kurspotenzial von über 50 Prozent. Einerseits ist er zuversichtlich, dass sich die jüngsten regulatorischen Änderungen in Katar und Kuwait, wo die Tochter Talabat aktiv ist, im zweiten Halbjahr klären dürften. Andererseits sieht er in möglichen M&A-Transaktionen weitere wichtige Kurstreiber.
Die Papiere von Nemetschek (Nemetschek SE) gewannen 4,0 Prozent und profitierten von einer Kaufempfehlung der Bank of America. Analyst Victor Cheng sieht angesichts der Chancen im Bereich Künstlicher Intelligenz eine attraktive Einstiegsmöglichkeit in die Aktie des Bausoftware-Unternehmens.
Um 4,0 Prozent ging es zudem für Norma (NORMA Group SE) nach oben. Der Autozulieferer und Verbindungstechnikanbieter will nach dem Abschluss des Verkaufs seines Wassermanagement-Geschäfts einen Teil der Erlöse wie angekündigt an die Aktionäre ausschütten./ck/he
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---