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Tiffany & Co: New York im Diamantenfieber

08.09.11 06:00 Uhr

Gold und Edelsteine sind der Exportschlager der US-Metropole. Jährlich setzen die Juweliere in Manhattan 24 Milliarden Dollar um. Das Diamantenviertel an der 47th Street boomt wie nie zuvor.

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von Tim Schäfer, €uro am Sonntag

Die Botschaft auf den gigantischen Werbetafeln ist immer dieselbe: „Wir kaufen Gold, Diamanten, Schmuck, edle Uhren.“ Ein junger Mann verteilt ­Visitenkarten von Manhattan’s Buyers Inc. – angeblich New Yorks bester Schmuckaufkäufer.

Das Diamantenviertel, ein kleiner Stadtteil auf der 47th Street, zwischen der Fifth und Sixth Avenue gelegen, erlebt einen Boom wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Seit sich die Edelmetallnotierungen von einem Hoch zum nächsten schwingen, geht es dort zu wie in einem Taubenschlag. Touristen, Geschäftsleute, Großhändler und Arbeitssuchende eilen im Stechschritt über das Pflaster. Noch hektischer als im Rest der Stadt.

Mancher New Yorker muss in diesen Tagen notgedrungen den wertvollen Familienschmuck zu Geld machen. Nicht zuletzt durch die hohe Arbeitslosenquote von neun Prozent kommen immer mehr Amerikaner in die Bredouille. Wenn die Feinunze Gold 1800 Dollar kostet, fällt es leichter, sich von den besten Stücken zu trennen. Das Geschäft der Leihhäuser floriert. Das der Juweliere erst recht.

Wer noch Arbeit und Bares hat, sucht im Angesicht von Inflationsangst und Rekordverschuldung den sicheren Hafen fürs Vermögen. Neben Gold sind zunehmend Diamanten als Wertanlage gefragt. „Wir haben zahlreiche, richtig große Stücke verkauft“, freut sich Dennis Marlow. Ihm gehört der Miniladen Solitaire Creations, der aus nichts weiter besteht als einer gläsernen Verkaufstheke und ein paar Vitrinen, gefüllt mit glitzernden Schmuckstücken. „Seit dem Jahr 2008 befinden wir uns im Aufwärtstrend,“ resümiert Mar­low. In den vergangenen Tagen bediente er mehrere Kunden aus England, Florida, Kalifornien. „Die Leute wollen in etwas Solides in­vestieren. Diamanten sind das neue Gold“, orakelt der Senior, der den Laden gemeinsam mit seinem Sohn Brian managt.

Marlows Aussage bestätigt eine neue Studie, die von der Lobbyorganisation 47th Street Business Im­provement District in Auftrag gegeben wurde. Deren Chef Michael Grumet betont, dass das kleine Stadtviertel jährlich 24,1 Milliarden Dollar mit Diamanten und Schmuck umsetzt. Das ist eine gewaltige Summe, die sogar den Jahresumsatz des weltweit tätigen McDonald’s-Imperiums übertrifft. Zuletzt erlöste die Fast-Food-Kette 24 Milliarden Dollar. Auch das Bruttoinlandsprodukt von Lettland fällt mit 23,7 Milliarden Dollar im Vergleich geringer aus. Insgesamt exportierten die USA im vergangenen Jahr Schmuck für 5,8 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Düngemittel und Tabakwaren kommen nur auf 4,6 beziehungsweise 1,6 Milliarden Dollar.

Einer der Nutznießer des Diamantenrauschs ist die Administration von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. Die Stadtverwaltung vereinnahmt über Gehälter, Gewinne und Steuern im Distrikt 4,2 Milliarden Dollar. Direkt oder indirekt landet das Geld im Stadtsäckel.


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Diamanten sind mittlerweile zum wichtigsten Exportartikel New Yorks avanciert. An dritter Stelle folgt Schmuck, auf Rang 4 Gold. Mehr als 90 Prozent der Diamanten, die in die USA eingeführt werden, wandern durch den bunten Mikrokosmos im Zentrum Manhattans. Hier werden in kleinen Werkstätten die Rohdiamanten geschliffen, poliert, begutachtet, verarbeitet und dann wieder exportiert. 4.100 Schmuck- und Diamantenhändler sitzen in New York, die meisten unter ihnen Kleinstunternehmen. Sie beschäftigen 22.300 Mitarbeiter. Fast 70 Prozent sind Immigranten. Viele ohne Schulabschluss, etliche sprechen kein Englisch. Ein Mitarbeiter in der Schmuckherstellung verdient im Schnitt 54.662 Dollar jährlich. Dem steht ein Umsatz von 393.100 Dollar pro Beschäftigtem gegenüber. Die Differenz lässt Spielraum für üppige Margen.

Angesichts des Booms fordert Cheflobbyist Grumet von Bürgermeister und Gouverneur, mehr für das Diamantenviertel zu tun. „Es ist eine große Industrie, die offenbar völlig vergessen worden ist“, klagt er und kämpft dafür, dass die U-Bahnhaltestelle 47th–50th Streets – Rockefeller Center den Namenszusatz „Diamond District“ bekommt.

Vor gut 60 Jahren haben sich die Diamantenhändler in dem Block nahe des Rockefeller Centers und des Theaterdistrikts niedergelassen. Zuvor, in den 30er-Jahren, saßen sie im Finanzviertel, ein paar Gehminuten von der Wall Street entfernt. Als jedoch die Nazis in den Niederlanden und Belgien einmarschierten, flüchteten viele Juden aus Antwerpen und Amsterdam. Zahlreiche Diamantenhändler waren darunter, die sich dann im New Yorker Finanzviertel niederließen, das bald aus allen Nähten platzte. Die Mieten zogen an. Daher entschlossen sich die Ladenbesitzer, nach Midtown umzuziehen. Dort gab es mehr Platz zu erschwingli­chen Mieten.

Bis zum heutigen Tag ist das Viertel einer der weltweit größten Umschlagplätze für Diamanten. „Es handelt sich um einen Marktplatz der Großhändler. Sie bekommen hier die besten Preise der Welt“, schwärmt Juwelier Marlow. Derselbe Diamant, der in Deutschland für umgerechnet 10.000 oder 12.000 Dollar über den Tresen gehe, könne in New York für 5.000 Dollar erworben werden, sagt der Experte. Den krassen Unterschied führt er auf die massive Konkurrenz in dem Straßenzug zurück. Zudem können Kunden Zwischenhändler umgehen und direkt an der Quelle shoppen.

Er kramt aus einer Schublade eine extravagante Kette in Form einer kleinen Schlange hervor, die mit 2.300 Diamanten bestückt ist. Verkaufspreis: 18.000 Dollar.

Die Frage nach dem Grund, wa­rum Diamanten so gefragt seien, beantwortet Steven Grauer, Inhaber eines Ladens namens Gold Art 18KT, mit drei Worten: „Frauen lieben Schmuck.“ Im Schnitt verkauft er 30 Verlobungsringe im Monat. Durchschnittlich kassiert er um die 12.000 Dollar je Stück. Im Diamantenviertel gibt es eine Faustformel: Drei Monatsgehälter geben die Herren der Schöpfung für Verlobungsringe aus, mit denen sie um die Gunst der Zukünftigen werben.

War das Werben erfolgreich, greifen die Amerikaner weniger tief in die Tasche: Eheringe für die Braut kosten im Schnitt zwischen 2.000 und 2.500 Dollar, meist sind sie mit einem Diamanten besetzt. Die Herren begnügen sich meist mit schlichtem Edelmetall ohne Stein im Wert von 300 bis 700 Dollar.

Auch der Ankauf boomt. Alte Familienerbstücke und Sammlermünzen gehen en masse über die Theken des Diamantenviertels. Die Händler berichten von einem regelrechten Run auf Cash, teils durch Notlagen erzwungen.

Der Trend zieht sich durch das ganze Land, wie die Amerikaner über TruTV mitverfolgen können. Der Sender zeigt eine Dokumentationsreihe direkt aus einem Detroiter Leihhaus. In der Serie mit dem Namen „Hardcore Pawn“ geht es zur Sache. Hin und wieder fliegen Gegenstände über die Verkaufsfläche. Kunden und Mitarbeiter brüllen sich an. Die Regel ist, dass hart um den Preis gehandelt wird. Mancher Kunde bettelt regelrecht um Bares.

Befeuert wird das Ganze durch die Banken. Seit die Geldhäuser bei der Kreditvergabe strenger geworden sind, profitieren die Leihhäuser. Neue Niederlassungen schießen landauf, landab wie Pilze aus dem Boden. Allein die landesweit operierende Kette Cash America betreibt 1.000 Filialen.

Die Wettbewerber EZCorp und First Cash Financial Services befinden sich ebenfalls auf Höhenflug. Umsatz und Gewinne sprudeln bei allen. Entsprechend glänzend sehen die Kurscharts der Aktien aus. Je schlechter es den Amerikanern geht, desto besser laufen die Geschäfte der Pfandhäuser.

Investor-Info

Tiffany
New Yorker Urgestein

Der legendäre New Yorker Juwelier entwirft und verkauft Schmuck rund um den Globus. Das 1837 gegründete Unternehmen betreibt heute 64 Filialen in den USA und 103 im Rest der Welt. Im zweiten Quartal zog der Umsatz um 30 Prozent an. Die Prognose für das Ergebnis je Aktie hob der Vorstand auf 3,65 bis 3,75 Dollar an. Die Dividendenrendite von 1,8 Prozent ist steigerungsfähig, da erst ein Drittel des Überschusses ausgeschüttet wird.

Cash America
Marktführer der Leihhäuser

Solange sich die amerikanische Wirtschaft nicht nachhaltig erholt, dürfte der Leihhausriese weitere Rekorde schreiben. 2010 baute Gründer und Aufsichtsratschef Jack Daugherty den Umsatz von 1,1 auf knapp 1,3 Milliarden Dollar aus. Der Überschuss legte von 96 auf 115 Millionen Dollar zu. In den USA und Mexiko betreiben die Texaner mehr als 1000 Filialen. Mit einem KGV von elf ist der Marktführer moderat bewertet.

EZCorp
Glänzende Bilanz

Die Leihhauskette aus dem texanischen Austin betreibt 670 Niederlassungen in den USA und Mexiko. Mit über 20 Prozent fällt die operative Marge exzellent aus, das Expansionstempo ist rasant. Im Geschäftsjahr 2009/10 stieg der Umsatz von 597 auf 733 Millionen Dollar. Der Überschuss machte einen Satz von 68 auf 97 Millionen Dollar. Die Bilanz ist frei von Schulden. Das KGV von elf ist vertretbar. Ideale Aktie für schlechte Zeiten.

First Cash Financial Services
Stark in Mexiko

Der texanische Leihhauskonzern hat eine führende Position in Mexiko erobert, wo Bargeld für Konsumenten eine noch wichtigere Rolle spielt als in den USA. Das Misstrauen Banken gegenüber ist groß. Das Imperium erstreckt sich über 620 Filialen. Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 2,68 Dollar. Die Bewertung mit einem KGV von 17 ist ambitioniert.

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Analysen zu Tiffany & Co . Inc.

DatumRatingAnalyst
28.10.2019TiffanyCo OutperformCredit Suisse Group
09.09.2019TiffanyCo buyHSBC
29.08.2019TiffanyCo OutperformTelsey Advisory Group
08.02.2019TiffanyCo OutperformOppenheimer & Co. Inc.
12.09.2018TiffanyCo OutperformOppenheimer & Co. Inc.
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28.10.2019TiffanyCo OutperformCredit Suisse Group
09.09.2019TiffanyCo buyHSBC
29.08.2019TiffanyCo OutperformTelsey Advisory Group
08.02.2019TiffanyCo OutperformOppenheimer & Co. Inc.
12.09.2018TiffanyCo OutperformOppenheimer & Co. Inc.
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19.07.2017TiffanyCo HoldNeedham & Company, LLC
25.05.2017TiffanyCo Sector PerformRBC Capital Markets
06.02.2017TiffanyCo NeutralMizuho
12.07.2016TiffanyCo Sector PerformRBC Capital Markets
26.05.2016TiffanyCo HoldDeutsche Bank AG
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14.12.2005Update Tiffany & Co. Inc.: ReduceUBS

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